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Oberösterreich

Schwammerlfäden und Stroh statt Styropor

15. Februar 2020 00:04 Uhr

Schwammerlfäden und Stroh statt Styropor
Das Myzel passt sich der Form an und wächst auch in massives Holz ein.

Kräuterseitlinge einmal anders: Physiker am LIT entwickelt Dämmstoff auf Basis von Pilzmyzel.

Die faszinierende Welt der Pilze ist noch weitgehend unerforscht, obwohl sie im biologischen Kreislauf eine enorme Rolle spielen und mit tollen Talenten aufwarten. Physiker Robert Koeppe vom LIT Soft Material Lab an der JKU hat das erkannt. Der Postdoc forscht an Konstruktionsmaterialien aus Pilzmyzel.

Das Myzel mit seinen Fäden (Hyphen) ist der eigentliche Pilz. Eine Untergruppe von Pilzen, zu der etwa Austernseitlinge, Kräuterseitlinge oder Zunderschwamm zählen, durchwuchert Holz und zersetzt es langsam. "Dabei schotten sich die Hyphen nach außen hin ab und bilden ein recht festes Myzel", sagt Koeppe. "Dieses stabile Geflecht ist die Basis des Materials."

Lässt man die Hyphen durch lockere Holzspäne oder Stroh wachsen, werden die einzelnen Späne miteinander verbunden. Das dauert im besten Fall bloß fünf, sechs Tage. In einer Form (siehe Schüssel unten) befinden sich dann rund zehn Prozent Stroh oder Holz, fünf Prozent Myzel, der Rest ist Luft. "Das Material ähnelt dann extrudiertem Polystyrol – dünne Wände um viel Luft", sagt Koeppe. Man könne aus dem Myzel aber auch härteres Material gewinnen, das die Eigenschaften von Spanplatten aufweise.

Schwammerlfäden und Stroh statt Styropor
Das Myzel passt sich der Form an und wächst auch in massives Holz ein.

Noch steht das LIT am Anfang der Forschung in Sachen Pilze. In den USA oder in Italien ist man weiter. Hier wird das Myzel-Material bereits kommerziell als Verpackungsmaterial bzw. in Form von schalldämmenden Wand- oder Bodenpaneelen verwertet. Koeppe sieht die Chancen der JKU deshalb eher im Bereich der Dämmstoffe – "nicht nur als Ersatz für Styropor". Man müsse an komplexere Formen denken, sagt der Forscher, der derzeit ein Partnernetzwerk für jene flexible Dämmstoffvarianten aufbaut, die ihm vorschweben. Weitere Vorteile des Materials: "Das Pilzgeflecht ist wasserabweisend und brennt sehr schlecht", sagt Koeppe. Es wachse in massives Holz ein und verändere die physikalischen Eigenschaften auf Wunsch dauerhaft. "Das ergibt interessante Möglichkeiten."

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