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Die Asylbehörde schiebt neuerlich einen Lehrling ab

ZELL AM MOOS. Vier Jahre nach seiner Flucht muss Ali Al Shuaeeb, Prozesstechniker-Lehrling beim Unternehmen Neuhofer Holz, in den Irak zurückkehren. Seine Dienstgeber hatten bis zuletzt alles versucht, die Abschiebung zu verhindern. Auch deshalb, weil das Unternehmen Facharbeiter dringend braucht.

Ali Al Shuaeeb (26) flüchtete vor vier Jahren nach Österreich und begann 2017 seine Lehrausbildung. Bild: OÖN

Ali Abdullah Hasan Al Shuaeeb verabschiedete sich gestern von seinen Freunden. Heute muss sich der 26-Jährige bei der Asylbehörde einfinden, damit der Staat ihn abschieben kann. Er soll in die zerbombte Stadt Mossul zurück, von wo er 2015 nach Österreich flüchtete.

Buchstäblich bis zum letzten Tag hat sich sein Arbeitgeber, die Neuhofer Holz GmbH in Zell am Moos, für Ali eingesetzt. Der junge Mann aus dem Irak war einer von drei Prozesstechniker-Lehrlingen im Familienbetrieb.

„Seine Abschiebung ist ein Wahnsinn“, sagt Senior-Chef Franz Neuhofer. „Wir hatten eine Riesenfreude mit ihm. Ali war zwar erst im zweiten Lehrjahr, hat aber schon sehr verlässlich und selbstständig gearbeitet und war auch bei seinen Kollegen hoch angesehen.“

Video: Das sagt Ali Al Shuaeeb zu seiner bevorstehenden Abschiebung

Alis Lehrherr ist entsetzt

Auch aus wirtschaftlicher Sicht ist Alis Abschiebung ein Tiefschlag für seinen Lehrherrn. Dem holzverarbeitenden Unternehmen mangelt es nicht an Aufträgen, aber an Facharbeitern. „Es herrscht ein extremer Wettbewerb um Lehrlinge“, sagt Betriebsleiter Sigurd Steinkogler. „Unser peripherer Standort ist dabei ein großer Nachteil für uns, weil die öffentliche Verkehrsanbindung schlecht ist.“

Besonders zornig macht Neuhofer und Steinkogler die Argumentation des Bundesamtes für Fremdenwesen und Asyl, das Ali Al Shuaeeb per Bescheid aus dem Land wirft. Darin behauptet die Behörde, der junge Asylwerber sei in Österreich „weder beruflich noch sozial verankert“ und bestreite seinen Lebensunterhalt „im Rahmen der Grundversorgung“. Was nicht stimmte. Der junge Mann lebte von seinem Lehrlingsgehalt und zahlte sogar Miete für eine kleine Wohnung auf dem Betriebsgelände. Die Wochenenden verbrachte er bei seiner Betreuungsfamilie in Mondsee.

In den vergangenen Tagen war Ali in sich gekehrt und gezeichnet. Er konnte schlecht schlafen. „Meine Heimatstadt Mossul ist zerstört und unser Haus zerbombt“, sagt er. „Von meiner Familie lebt dort keiner mehr. Ich weiß nicht, was aus mir wird.“

 

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Artikel Edmund Brandner 14. März 2019 - 03:51 Uhr
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