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Innviertel

Musik, die direkt ins Mittelalter führt

Von Roman Kloibhofer   14. Mai 2022 06:30 Uhr

Karl M. Riedel mit einer seiner selbstgebauten Drehleiern

RIED. Auf den Nachbau historischer Instrumente hat sich Karl M. Riedel aus Admont spezialisiert. Bei der Musikmesse Music Austria in Ried sticht er mit seinen alten, selbstgebauten Instrumenten aus der Menge an Musikgeräten heraus. Die Musik seiner Instrumente kann zur Meditation werden und einen direkt ins Mittelalter leiten.

Wenn Karl Riedel die Saiten des Klangbaumes streicht und zupft, dann breitet sich ein sonorer, beruhigender Ton aus. "Schließen sie die Augen", sagt Riedel, und unter den Saitenklang mischt sich seine vokale Obertonmusik, eine entspannende Kombination, zu der der Instrumentenbauer und Musiker auch noch den Klang der Shruty Box mischt. Jetzt wird es beinahe meditativ.

Video: Hörprobe von Karl Riedel aus Admont

"Cis ist der Heilton"

"Es ist nur ein Ton, auf den die 54 Saiten des Klangbaumes - 27 auf jeder Seite - gestimmt sind: "Auf cis gestimmt", erklärt Karl Riedl und sagt: "Das cis ist so etwas wie das Om der Musik, cis ist ein Heilton". Wer sich die Zeit nimmt und die Ruhe findet, in die Töne des Klangbaumes hineinzuhören, der wird zustimmen.

Warum die auf einen Ton gestimmten Saiten dennoch so vieltönig klingen? "Das sind die Obertöne, die Sie hören", sagt Riedel. Das Spiel mit den Saiten erzeugt nicht nur den Saiten-Klang, sondern darüber hinaus noch viele Nuancen, die wir als Obertöne wahrnehmen.

Schon Pythagoras hat den Klangbaum verwendet

Die Geschichte seines Klangbaumes ist eine lange: "Schon Pythagoras hat damit vor zweieinhalb tausend Jahren gearbeitet und die Intervall-Lehre damit begründet", erklärt Karl Riedel und vereinfacht: "Wenn eine Saite im Verhältnis 2:1 geteilt wird, bedeutet das eine Erhöhung des Tones um eine Oktave. Pythagoras hat ja gesagt: 'Musik ist ein Teil der Mathematik'".

Tenorfiedel, Streichpsalter, Chalumeau, Schwegelpfeife, Kantele - es sind seltsam anmutende und ungewöhnlich klingende Instrumente, die Karl Riedel selbst herstellt. Und eben auch die Drehleier, deren Klang einen fast ins Mittelalter versetzt. "Ich stelle alle hölzernen Teile selbst her - vorwiegend aus Fichte und Ahorn, es ist alles Handarbeit", sagt Riedel. Rund zwei Wochen Arbeitszeit stecken in einer Drehleier. Und es sei kein Zufall, dass seine Instrumente in der Mittelalter-Szene gerne Verwendung finden.

Simpel aber nicht einfach

"Wer kauft solche Instrumente?", wird Karl Riedel gefragt - und als müsste die Antwort personifiziert gegeben werden, kommt zufällig ein Rieder Pensionist vorbei und meint: "Ich muss dir meine Drehleier demnächst zur Reparatur bringen!" Jetzt weiß ich, wer solche Instrumente kauft. Der Rieder hat das Stück vor einigen Jahren erworben und sich dadurch dem Spiel auf der Drehleier gewidmet. So einfach wie es aussehe, sei das Spiel aber dann doch nicht, sagt der Rieder. Simpel ja, aber nicht einfach. Vor allem das Kurbeln der Leier mit der rechten Hand - dies entspricht dem Führen des Bogens auf der Geige - sei die Herausforderung. Die linke Hand hingegen bedient - wie auf einer Klaviatur - die Tastenreihe und erzeugt die Tonfolge.

Karl Riedel ist ein Exot auf der Music Austria, inmitten vieler Hochglanz-Instrumente und High-Tech-Geräte. Was er macht, ist nicht für den Mainstream gedacht. "Aber ich mach´s seit 40 Jahren, und es geht sich seitdem gut aus!" sagt er lächelnd.

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