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Robert Krotzer: "Ich selbst sehe mich nicht als Berufspolitiker"

BURGKIRCHEN/GRAZ. Ein junger Kommunist aus Burgkirchen ist im November überraschend in den Gemeinderat von Graz gewählt worden.

„Ich selbst sehe mich nicht als Berufspolitiker“

Robert Krotzer, Student und Gemeinderatsmitglied in Graz (KPÖ) Bild: privat

Robert Krotzer ist erst 25. Er ist gebürtiger Burgkirchner, studiert in Graz Geschichte und Deutsch auf Lehramt und ist überzeugter Kommunist. Jahrelang ist er schon für die kommunistische Jugend in Braunau tätig gewesen, im November hat er es als Mitglied der KPÖ sogar in den Gemeinderat von Graz geschafft. Dort tritt er für soziale Gerechtigkeit ein und will die Idee des Kommunismus nach Marx vorantreiben und damit den Kapitalismus zurückdrängen.

Die Braunauer Warte sprach mit dem jungen, engagierten Gemeinderatsmitglied über seine Zukunftspläne, seine Wurzeln im Innviertel und warum Burgkirchen auch ein Vorbild sein kann.

Braunauer Warte: Sie sind in der KPÖ in Graz, seit November sogar Gemeinderatsmitglied. Warum in Graz?

Robert Krotzer: Ich war bereits in Braunau in der Kommunistischen Jugend aktiv und habe das Engagement in Graz fortgesetzt. Damit, dass ich Gemeinderat werde, habe ich nicht gerechnet. Wir haben zwar viel Zuspruch in der Bevölkerung für die soziale Politik und weil wir uns auch mit den Reichen und Mächtigen anlegen, aber 20 Prozent haben wir uns noch nicht einmal erhofft. Als ich am Wahlabend im November die ersten Ergebnisse gesehen habe, wo die KPÖ in den Arbeiterbezirken teilweise stärkste Partei vor ÖVP und SPÖ war, habe ich gewusst, dass ich im Gemeinderat bin und war ziemlich baff.

Braunauer Warte: Streben Sie an, dauerhaft in der Politik zu bleiben?

Robert Krotzer: Ich selbst sehe mich nicht als „Berufspolitiker“, die KPÖ ist eine Arbeiterpartei, die die Interessen der kleinen Leute vertritt, auf die überall sonst vergessen wird. Karriere machen kann man hier nicht und das will ich auch nicht, aber ein politischer Mensch bleibe ich wohl mein Leben lang.

Braunauer Warte: Was ist Ihr größtes Ziel als Politiker?

Robert Krotzer: Als Kommunist ist und bleibt mein Ziel der Kommunismus – so wie er von Karl Marx gedacht war, als Gesellschaft, in der die Menschen frei von Ausbeutung und Unterdrückung leben. Im Hier und Heute geht es darum, den schrankenlosen Kapitalismus zurückzudrängen, der Menschen und Umwelt kaputt macht.

Braunauer Warte: Können Sie sich eine Rückkehr in den Bezirk Braunau vorstellen?

Robert Krotzer: Vorstellen kann ich mir das natürlich, erst einmal werde ich aber hier in Graz mein Studium abschließen.

Braunauer Warte: Können Sie sich vorstellen, im Bezirk Braunau politisch aktiv zu sein?

Robert Krotzer: Ich war lange Zeit in Braunau politisch aktiv und finde es wichtig, dass sich österreichweit eine Bewegung entwickelt, die für die sozialen Interessen der großen Mehrheit eintritt. Politiker erfüllen heute doch nur mehr die Wunschlisten der großen Konzerne und der EU, die Bedürfnisse der Menschen nach Arbeit und sozialer Sicherheit spielen dabei keine Rolle mehr. Daran muss sich etwas ändern!

Braunauer Warte: Sie sind Burgkirchner. Was müsste in Burgkirchen unbedingt verbessert werden?

Robert Krotzer: Für Burgkirchen gilt, wie auch für Graz und jede andere Gemeinde in Österreich, dass die Kommunen finanziell nicht ausgehungert werden dürfen. Dafür braucht es einen neuen Finanzausgleich mit dem Bund, wo dafür gesorgt wird, dass die großen Vermögen endlich vernünftig besteuert werden und nicht die breite Masse die gesamte Krisenlast zahlen muss.

Braunauer Warte: Gibt es etwas in Burgkirchen, das als Vorbild für andere Gemeinden/Städte dienen könnte?

Robert Krotzer: Gerade in Städten ist die Vereinzelung der Menschen ein zunehmendes Problem, das auch durch das neoliberale Denken, dass jeder nur auf sich schauen soll, begünstigt wird. Der soziale Zusammenhalt, der in Gemeinden wie Burgkirchen zu erleben ist, ist insofern durchaus ein Vorbild.

Braunauer Warte: Warum glauben Sie, kommen so wenig Studierende nach Abschluss ihres Studiums wieder dauerhaft zurück ins Innviertel?

Robert Krotzer: Im Innviertel fehlt es leider an kulturellen Angeboten oder auch einer guten Verkehrsanbindung. Dagegen bietet das Leben in großen Städten viele Reize, was wohl der Grund ist, dass viele Studierende dann auch in Wien, Graz oder Linz bleiben.

Braunauer Warte: Fehlt Ihnen Ihre Heimat?

Robert Krotzer: Ja.

Braunauer Warte: Was fehlt Ihnen ganz besonders?

Robert Krotzer: Ich komme immer sehr gerne nach Burgkirchen zurück, vor allem wegen meiner Familie, aber auch wegen der schönen Landschaft im Innviertel.

 

Robert Krotzer im Wordrap:

Peinlich war mir zuletzt ... eine Verwechslung.
Am Schlüsselbund habe ich neben den Schlüsseln ... keinen Schnickschnack.
Als Kind wollte ich … erst Bauer, dann Manager werden. Wobei Bauer definitiv der ehrlichere Beruf ist.
Die wertvollste Erfahrung meines Lebens war … die Bekanntschaft mit dem Widerstandskämpfer Rudi Haunschmid, der sein Leben für die Freiheit Österreichs von Faschismus und Krieg riskiert hat.
Robert Krotzer; 25 Jahre alt; geboren in Burgkirchen; besuchte die Volksschule in Burgkirchen; danach die Hauptschule in Mauerkirchen; maturierte in der Handelsakademie Braunau; war danach Zivildiener.
Seit 2007 studiert er an der Uni Graz Geschichte und Deutsch auf Lehramt, daneben ist Robert Krotzer beschäftigt bei der Kinder- und Jugendanwaltschaft Steiermark und an der Uni selbst; in der Freizeit liest er viel, reist gern und verbringt Zeit mit Freunden. 


 

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Artikel Magdalena Lagetar 13. Dezember 2012 - 00:04 Uhr
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