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Oberösterreich

Sturmtief "Burglind" fegte mit 155 km/h über Österreich

LINZ. Das Sturmtief "Burglind" ist am Mittwoch mit Rekordböen von bis zu 155 km/h – dieser Wert wurde an der Messstation am Galzig in Tirol gemessen – über Österreich gefegt. In Oberösterreich war der Sturm schwächer als gedacht.

Es wird stürmisch in Oberösterreich. Bild: vowe

Bis 14.00 Uhr wurden an der Messstation am Galzig (2.079 Meter) in Tirol 155,9 km/h verzeichnet, berichtete die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik. Dahinter folgte der Brunnenkogel (3.437 Meter) ebenfalls in Tirol mit 137,5 km/h. 128,2 km/h erreichte eine Windböe am Valluga in den westlichen Lechtaler Alpen auf Vorarlberger Gebiet in 2.805 Metern Seehöhe.

In Vorarlberg standen die Feuerwehren im Dauereinsatz. In rund drei Stunden rückten die Feuerwehrleute nach Angaben der Rettungs- und Feuerwehrleitstelle (RFL) rund 260 Mal aus. Zwar wurden zahlreiche Straßen durch Bäume verlegt sowie mehrere Hausdächer abgedeckt, verletzt wurde aber niemand.

Am frühen Nachmittag schien das Schlimmste überstanden. In Tirol wurden indes bedeutend weniger Einsätze verzeichnet. Auch in Oberösterreich blieb es vergleichsweise ruhig, mehr dazu weiter unten. 

Seilbahn musste evakuiert werden

Der Sturm hat Mittwochnachmittag die Hornbahn der Kitzbüheler Bergbahnen zum Stillstand gebracht. Grund war vermutlich ein durch einen Windstoß ausgelöster technischer Defekt einer einzelnen leeren Gondel, wie die Bergbahnen mitteilten. Rund 20 Wintersportler mussten von Bergrettern evakuiert werden. Verletzt wurde niemand.

Zu dem Zwischenfall war es gegen 14.15 Uhr gekommen. Eine bergwärts fahrende Gondel dürfte im Einfahrtsbereich der Mittelstation von einer Windböe erfasst worden sein und löste den Defekt aus. Daraufhin wurde die Bergrettung im gesamten Bezirk Kitzbühel alarmiert.

Während alle von oben kommenden Wintersportler entweder selbst abfahren konnten oder mit Skidoos und Pistenfahrzeugen bis zum Restaurant Hagstein transportiert wurden, mussten etwa 20 Wintersportler, die sich in den Gondeln aus der "Sektion 1", also jener zwischen Tal- und Mittelstation, befanden, mit Seilen geborgen werden.

Video:

Der Einsatz wurde gegen 16.30 Uhr erfolgreich abgeschlossen. Mitarbeiter des Roten Kreuzes kümmerten sich um die Evakuierten. Die Hornbahn "Sektion 1" werde morgen, Donnerstag, den Betrieb nicht aufnehmen, damit sie technisch überprüft werden könne, hieß es.

In den höher gelegenen Regionen Vorarlbergs wurden viele Liftanlagen und Seilbahnen aus Sicherheitsgründen gar nicht in Betrieb genommen. So blieben etwa am Arlberg 21 von 88 Bahnen geschlossen, im Skigebiet Silvretta Montafon standen schon am Vormittag 14 von 36 Anlagen still. Im Bregenzerwald war unter anderen das Skigebiet Andelsbuch-Bezau betroffen, das bei Windgeschwindigkeiten von 90 km/h geschlossen blieb.

Alarmierungen im Minutentakt

Als der Sturm mit Orkanböen gegen 11.00 Uhr in Vorarlberg Einzug hielt, wurden die Feuerwehrleute im Minutentakt gerufen. Am stärksten betroffen war der Großraum Feldkirch, in dem etwa die Hälfte der Feuerwehreinsätze anfielen. Aber auch im Großraum Bregenz und im Bregenzerwald hinterließ Burglind deutliche Spuren.

In Sulzberg im Bregenzerwald kam es laut der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) zu Windspitzen von 127 km/h, rund um den Bodensee wurden um die 100 km/h gemessen. "Wettering Vorarlberg" verzeichnete in Mellau (Bregenzerwald) auf 1.400 Meter Seehöhe sogar maximale Windstöße von über 140 km/h. In den übrigen Landesteilen lagen die Windgeschwindigkeiten bei etwa 80 km/h. Gegen 14.00 Uhr beruhigte sich der Sturmwind so plötzlich, wie er gekommen war. Dabei sorgten die umgestürzten Bäume für etliche Schäden. 

134 km/h am Feuerkogel

Verantwortlich für den Sturm war eine Kaltfront, die von Nordwesten kommend mit großer Geschwindigkeit über Oberösterreich zog. Die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) prognostizierte Sturmspitzen von 70 bis zu 90 km/h. Der Höhepunkt des Sturms wurde am frühen Nachmittag erwartet, es wurde davor gewarnt, sich im Freien aufzuhalten. 

Für das ganze Bundesland galt eine Sturmwarnung. "Bisher war der Sturm schwächer als gedacht", sagte heute Mittag ZAMG-Meteorologe Christian Ortner. Am stärksten blies Tief "Burglind" im Innviertel und im Hausruckviertel bis hinein in den Raum Mondsee. 

In Waizenkirchen (Bezirk Grieskirchen) verzeichnete die ZAMG zwischen 15 und 16 Uhr mit Windspitzen von 91 km/h den höchsten am Mittwoch im Flachland gemessenen Wert. 134 km/h waren es am Nachmittag am Feuerkogel. Im Seengebiet gab es vereinzelt Gewitter, im ganzen Bundesland regnete es zu Mittag und am Nachmittag teils kräftig. 

 

Im Landesfeuerwehrkommando war das Personal schon in den Morgenstunden vorsorglich auf acht Mann aufgestockt worden. Für die Feuerwehren blieb es trotz des starken Windes und Regens bis zum Nachmittag relativ ruhig.

Das Landesfeuerwehrkommando Oberösterreich verzeichnete bis 15:50 Uhr nur wenige Einsätze wegen Sturmschäden: So mussten die Kameraden etwa in Zell am Pettenfirst (Bezirk Vöcklabruck), in Schwand im Innkreis (Bezirk Braunau), Zwettl an der Rodl (Bezirk Urfahr-Umgebung) und in Gunskirchen (Bezirk Wels-Land) ausrücken. In Micheldorf (Bezirk Kirchdorf an der Krems) wurden die Einsatzkräfte wegen einer Überflutung alarmiert. 

Auch die FF Puchheim stand bei Starkregen und Sturm im Einsatz. (Bild: www.ff-puchheim.at

Im Innviertler zog sich ein Landwirt bei den Aufräumarbeiten nach dem Sturm schwere Verletzungen zu. Der 41-Jährige wurde von einem Baumstamm am Kopf getroffen – Details dazu lesen Sie hier

In Gunskirchen (Bezirk Wels-Land) musste ein Baum von der Fahrbahn beseitigt werden. In Wels-Vogelweide musste die Feuerwehr eine Reklametafel eines Gasthauses abmontieren, welche abzurtürzen drohte.

Bild: www.laumat.at

Schweiz: Zug wegen Sturm entgleist

Bei der Entgleisung einer Bahn in der Schweiz sind mehrere Menschen verletzt worden. Der Unfall ereignete sich am Mittwoch im Kanton Bern an der Lenk, wie die Polizei mitteilte. Der Einsatz war am Nachmittag noch im Gange. Passagiere befanden sich nicht mehr im Zug.

Nach Angaben des Lenker Gemeindepräsidenten, Rene Müller, entgleiste die Bahn wegen einer Windböe. Der Unfall sei aber relativ glimpflich verlaufen, sagte Müller.

Der Sturm ist mit Spitzen von bis zu 200 km/h über die Schweiz gefegt. Der Verkehr auf Straße, Schiene und in der Luft war eingeschränkt, und auch Skilifte wurden geschlossen.

Bahnverkehr in Deutschland eingeschränkt

Auch in großen Teilen Deutschlands hat Sturmtief "Burglind" hat mit Böen von um die 120 Stundenkilometer zu Beeinträchtigungen geführt. Trotz einer Reihe von Verkehrsunfällen und beschädigten Gebäuden blieben die Folgen weitgehend überschaubar.

Mit 191 Stundenkilometern wurden auf dem Hochgrat im Allgäu in 1.720 Metern Höhe die stärksten Böen gemessen, in vielen niedrigeren Regionen wurden Böen von 100 bis 120 Stundenkilometern gemessen.

Im Bahnverkehr führten Schäden durch "Burglind" zu Beeinträchtigungen. Im Fernverkehr wurden ab Köln, Aachen, Kaiserslautern und Stuttgart Strecken gesperrt. Im Nahverkehr musste die Bahn einzelne Strecken in Nordrhein-Westfalen, Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sperren. Über die Dauer der Sperrungen konnte die Bahn zunächst keine Angaben machen.

Video: Auch in Salzburg wütete Burglind

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Artikel nachrichten.at 03. Januar 2018 - 09:28 Uhr
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