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Oberösterreich

"Neuer Umgang mit KZ-Gedenkstätte ist nötig"

LINZ. Wolfgang Schmutz, der scheidende Co-Leiter des Pädagogikteams, übt Kritik an der aktuellen Situation in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen.

"Neuer Umgang mit KZ-Gedenkstätte ist nötig"

Wolfgang Schmutz hat seine Funktion in der Gedenkstätte zurückgelegt. Bild: VOLKER WEIHBOLD

"Geschichte ist, was wir daraus deuten", sagt Wolfgang Schmutz (36). Seit April 2011 war der gebürtige Linzer Mitglied des pädagogischen Teams der KZ-Gedenkstätte Mauthausen, zuletzt ein Jahr lang gemeinsam mit Christian Angerer provisorischer Co-Leiter der Pädagogik.

Seit 2007 wurde in Mauthausen ein Konzept entwickelt, das darauf abzielt, in den vorwiegend jungen Besuchern einen Nachdenkprozess in Gang zu setzen, der ihnen eigenständige Deutungen der Geschichte des KZ ermöglicht. Doch im Mai 2014 hat Schmutz seinen Rücktritt eingereicht und am 30. September seine Tätigkeit beendet.

 

OÖNachrichten: Was hat Sie zu diesem Schritt bewogen?

Wolfgang Schmutz: Ich musste erkennen, dass ich meine Verantwortung nicht mehr ausreichend wahrnehmen konnte. Die pädagogische Abteilung der Gedenkstätte steht am Wendepunkt: Weiterentwicklung oder Stagnation. Eine langfristige Planbarkeit ist nicht gegeben und die finanzielle Absicherung ist immer wieder Schwankungen unterworfen. Wichtige Entscheidungen an der Gedenkstätte werden oft ad hoc und wenig transparent gefällt. So ist professionelle Weiterentwicklung kaum möglich. In Deutschland wird im gesamten Bereich der politischen Bildung im Vergleich zu Österreich das Hundertfache investiert.

In welchen Zuständigkeitsbereich fällt die Gedenkstätte?

Zuständig ist die Abteilung IV/7 des Innenministeriums. Sie hat ihren Sitz in Wien, 170 Kilometer von Mauthausen entfernt. Das ist ein Kuriosum in der europäischen Gedenkstättenlandschaft. Die nicht nur räumliche Entfernung hat zur Folge, dass wichtige Entscheidungen über die Gedenkstätte an realen Bedürfnissen vorbei getroffen werden. Von einer internationalen Beteiligung im Leitungsgremium ist keine Rede. Es bleibt im österreichischen Rahmen. Primat der Entscheidungen ist die ministerielle Verwaltungs- und Budgetlogik.

Wie viele Besucher werden vom pädagogischen Team betreut?

Es werden mehr als 3300 Gruppen pro Jahr gebucht und von 70 Vermittlern etwa 70.000 Besucher durch die Gedenkstätte begleitet. Mit 3,5 Vollzeitstellen soll darüber hinaus noch das Konzept und seine methodische Umsetzung weiterentwickelt werden. Dies alles bei einem knappen Budget und ohne langfristige Stabilität.

Worauf zielt das pädagogische Konzept ab?

Es soll die Bedeutung der damaligen Ereignisse vermitteln, und zwar im Dialog mit den Besuchern, deren Annahmen thematisiert werden. Wir nutzen Fotos, Zitate von Tätern, Häftlingen und aus der Bevölkerung. Anhand der verschiedenen Perspektiven werden ethische Fragen aufgeworfen und im Innen- und Außenbereich des ehemaligen Lagers diskutiert. Die Interaktivität der Rundgänge schafft eine Auseinandersetzung mit Geschichte nach der Logik politischer bzw. zivilgesellschaftlicher Bildung.

Welche Rolle spielt die Gedenkstätte in der Erinnerungskultur?

Sie ist seit 1947 vor allem eine Bühne für die außenpolitische Selbstdarstellung der Republik. Sie wurde sehr lange für den Mythos von Österreich als erstem Opfer des Nationalsozialismus instrumentalisiert. Heute ist diese Behauptung nicht mehr haltbar, aber als Ersatz inszeniert man die Nähe zu den Opfern: Wenn, wie 2013, neue Ausstellungen eröffnet werden, wird dann zu Hollywood-Musik der rote Teppich für Überlebende ausgerollt. Da werden keine Kosten gescheut. Das finde ich zynisch.

Immer wieder gibt es rassistische Schmieraktionen an den Fassaden der Gedenkstätte. Wie sollte man damit umgehen?

Vor allem für junge Besucher ist das ein großes Thema. Aus meiner Sicht sollte man damit offensiv umgehen, also die Besucher damit konfrontieren und eine gesellschaftliche Auseinandersetzung suchen. Das Innenministerium setzt aber auf "Verhüllung", wie zuletzt nach der Schmieraktion im Mai 2014. Das ist ein Zeichen von Unsicherheit und Überforderung.

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Artikel 11. Oktober 2014 - 00:04 Uhr
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