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Oberösterreich

Mundart-Musik: Hoamatgsang zwischen entrisch und griabig

LINZ. Mundart lebt - oder, wie es der Freistädter Mundart-Rapper Lukas Plöchl (21) sagen würde: „Oidaah, pumpm muas's“. Eine Bestandsaufnahme zum heutigen Welttag der Muttersprache - im Spannungsfeld zwischen Franz Stelzhamer und Lukas Plöchl.

Lukas Plöchl

Mundart-Rapper Lukas Plöchl Bild: ORF

„Beim Dialekt beginnt die gesprochene Sprache“, soll Goethe einmal gesagt haben. Gemeint ist, dass nicht die Hochsprache, sondern die regionalen Dialekte die eigentliche Muttersprache sind. Sprache ist ein lebendiges Gebilde. Sie wächst und atmet. Oder, wie Lukas Plöchl sagen würde: „Oidaah, pumpm muas’s!“ Mit dem gleichnamigen Mundart-Album hat der Freistädter Gold erreicht. „Das Deutsche hat sich noch nie so schnell verändert wie im Moment. Das ist vor allem auf den glättenden Einfluss der Medien zurückzuführen“, sagt Klaus Huber, Obmann des Stelzhamerbundes.

Dabei gibt so etwas wie ein Oberösterreichisch gar nicht. Auf den großen Karten der Linguisten ist das Land ob der Enns ein Teil des bairischen Sprachraums. Etwa zwölf Millionen Menschen sprechen Bairisch, darunter ganz Österreich. Ausnahme Vorarlberg: dort wird ein alemannischer Dialekt gesprochen.

Discotauglicher Dialekt

Seit der Blütezeit des Austropops ist Dialekt aus Fernsehen und Radio beinah vollständig verschwunden. Nun bringt Mundart-Rapper Lukas Plöchl (21) mit „Oida Taunz“ den Dialekt zurück in die Massenmedien und Discos. Huber: „Die Mundart passt sich den Veränderungen ihrer Zeit einfach an. Oft kommt es zu Bedeutungsverschiebungen. Früher hätte man mit ,geil‘ keine Werbung machen können. Doch in den vergangenen Jahren hat sich die Bedeutung von ,lüstern‘ zu einem Synonym für ,gut‘ verschoben.“

Mundarttexte haben in Oberösterreich eine lange Tradition. Hoamatland ist bis heute die einzige Landeshymne Österreichs, die im Dialekt gesungen wird. Beinahe-„Held von Morgen“ Lukas Plöchl ist für diejenigen, die sich für die Erhaltung des Dialekts einsetzen, schon heute ein Held. „Ich finde es unglaublich klasse, was der Bursche macht. Hoffentlich ist er keine Eintagsfliege und findet Nachahmer“, sagt Huber.

Kleine Unterschiede

Auf den sprachlichen Weltkarten ist Oberösterreich also nur ein kleiner Teil des bayrischen Ganzen. Aber wie viele verschiedene Dialekte gibt es in unserem Bundesland? „Je nachdem, wie viele Linguisten Sie fragen, werden Sie genauso viele verschiedene Antworten erhalten“, sagt Huber und fügt hinzu: „Ich komme zum Beispiel aus Haslach im Mühlviertel; bei uns sagt man Brot, ein paar Kilometer weiter östlich wird daraus Broit, und im Westen hört man Breot.“

Wenn es überhaupt ein gemeinsames sprachliches Merkmal der Oberösterreicher gibt, so wäre das wohl das nasale A. In manchen Zusammenhängen kann die Aussprache eines A den Sinn einer Aussage schon mal völlig verändern. „A(n)gehn“ also „auf die Nerven gehen“ beziehungsweise „A(b)gehn“ für „vermissen“ ist ein solcher Fall.

Der Klassiker: Hoamatland

Anlässlich des 150. Geburtstages des Innviertler Mundartdichters Franz Stelzhamer beschloss der oberösterreichische Landtag am 28. November 1952, die erste, zweite und letzte Strophe von „Hoamatland“ zur Landeshymne von Oberösterreich zu erheben. Das Originalnotenblatt schenkte Hans Zötl, der Gründer des Stelzhamer-Bundes, seiner Enkelin Elisabeth Hueber, die es am 24. Mai 2006 Landeshauptmann Josef Pühringer übergab. Es wird seither im OÖ. Landesarchiv aufbewahrt.

1. Strophe:
Hoamatland, Hoamatland!
I han dih so gern
Wiar a Kinderl sein Muader,
A Hünderl sein’ Herrn.

2. Strophe:
Durihs Tal bin i glaffn,
A’fn Hechl bin ih glegn,
Und dein Sunn hat mi trückert,
Wann mih gnetzt hat dein Regn.

3. Strophe:
Dahoam is dahoam,
Wannst net fort muaßt, so bleib;
Denn d’Hoamat is ehnter
Der zweit’ Muaderleib.
   
Text: Franz Stelzhamer
Melodie: Hans Schnopfhagen

Der Hit: Oida Taunz

Der „Helden von Morgen“-Kandidat Lukas Plöchl und sein Partner Manuel Hoffelner sind als Duo „Trackshittaz“ mit der Single „Oida Taunz“ gegen Ende des vergangenen Jahres an die Spitze der Austria Top 40 Charts gestürmt.

Du stehst im Club,
und olle haum vom Taunzn gnua
Sound hod kan Druck
jo und deswegn schaun’s nua zua
DJ spüt Schaß
fü z’wach Oida, staumpfn muas
d’Weiba wan haß
haß Oida, daumpfn duad’s

Daun kumt da Quetschnsound
und olle schaun si deppad au
wei der fetzt unta d’Haut
olle hean zum Meckan auf
de Quetschn hod wos drauf
Puppn, pock dein Schlecka aus
geleck do schaun’s
und glaubm, dass mia an Pecka
haum

De erstn Kepf nickn
höhö, de Depf wippn
laungsaum kimd da Sta ins roin
in dera Dreckshittn
de erstn Kepf nickn
a waun’s nu recht kraumpad dan
wir haumd an neichn Taunz am Start
Höhö, hm hm

Eine kleine Mundartlehre für Anfänger

entrisch: fremd, seltsam
griabig: angenehm, herzig
ehnta: eher, früher
dumpa: dunkel, düster
Athn: Atem
Blitzl: Zorn, Unmut
feanzn: spötteln
Gschlada: schlechtes Getränk
Gfickat: Kleintiere, Vieh
gantn: aufziehen, ernähren
bampad: unwirsch
drenzad: weinerlich
dramhabbad: verschlafen
kommodt: bequem
hantig: bitter, unwirsch
hienig: kaputt
dammisch: verwirrt
batschad: ungeschickt
ruachad: raffgierig
graxeln: klettern
hatschn: hinken
hunzn: ärgern
tachinieren: faulenzen
dearisch: schwerhörig
bloßhaxad: barfüßig
knopfat: eigenbrötlerisch
sudan: meckern
si dummin:  sich beeilen
husig: fleißig, tüchtig
fladan: stehlen

Moderne Mundart-Literatur: OÖN-Kolumnist Klaus Huber empfiehlt

Das wichtigste Werk der letzten Jahrzehnte ist wohl „Der bairische Odysseus“ von Gottfried Glechner (1916 – 2004), ein Mundart-Epos im klassische Hexameter-Versmaß.
Auch sein „Meier Helmbrecht“ zählt – neben vielen Erzählungen – zum Besten, was im 20. Jh. geschrieben wurde. Ein wichtiges Werk der jüngsten Zeit ist: „s’mühlviaddla nibelungenliad“ von Joschi Anzinger, Verlag: Bibliothek der Provinz. Im Juni 2011 erscheint Anzingers „GranitFAUSDD“.
Beide Male überträgt er große Stoffe der deutschen Literaturgeschichte in seine Mühlviertler Mundart.

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Artikel Philipp Hirsch 21. Februar 2011 - 00:04 Uhr
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