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Hans Franta: Der Russe vom Linzer Römerberg

Kriegsgefangenschaft. Ein furchtbares Wort, das in Verbindung mit „Sibirien“ sofort auch furchtbare Assoziationen weckt: an Gulag, an Tod in Eis und Schnee. Für Hans Franta (1893– 1983) gestaltete sich das dennoch anders.

kunstszene

Hans Franta (Feichtinger) Bild: Nordico

Sibirien wurde dem vom Linzer Römerberg stammenden Philosophiestudenten zur Inspiration und in Folge zu Kunst- und Lebensinhalt. Ab 1916 untergebracht in einem Privathaus in Tomsk, unternahm er unerlaubte nächtliche Streifzüge. Erste Aquarelle entstanden, grandiose, auf das Wesentlichste reduzierte Fluss- und Dorfansichten.

Der strenge Winter wurde ihm zum formalen Lehrmeister. Jene Jahreszeit, in der die sibirische Schneedecke fast alles zudeckt, die Grundfarbe als „leeren Raum“ vorgibt, spärliche Schatten bläulich färbt, zum wenigen, das aus ihr herausragt, schärfste Kontraste liefert.

Im Linzer Nordico ist nun – flankiert von Arbeiten russischer Zeitgenossen – in einer hervorragenden Aufarbeitung durch Kuratorin Lena Radauer Hans Frantas „Sibirien“ zu sehen. Rund 130 Werke aus sieben Jahren Gefangenschaft, während der sich Franta voll in die Dorfgemeinschaft integrierte, Russisch lernte, sogar nach russisch-orthodoxem Ritus heiratete.

Franta inhalierte die russische Seele mit aller Inbrunst, wurde aufgrund seiner Sanitätsarbeit während der Kriegszeit sogar als Schiffsarzt auf einer Ob-Expedition eingesetzt. Diese russische Seele verwurzelte sich dermaßen stark in ihm, dass er nach seiner Rückkehr in Linz schlicht als „der Russe“ bekannt war.

 

Persönlich hatte Franta die vielen Arbeiten, die in Tomsk entstanden waren, in die Heimat transportiert. Pointiert zum Sitzmobiliar umfunktionierte Transportkisten der Ausstellungsarchitektur (Margit Greinöcker, Gunar Wilhelm) bringen das in einer sehr feinen Symbolik in diese Präsentation des weit unter Wert gehandelten Künstlers.

In seiner Reduktion, seiner zeichnerischen Präzision, Virtuosität und Frische strahlt Frantas nun endlich auch umfassender gezeigtes Werk ungebrochene Modernität aus. Ob in Öl wie „Gehöfte im Schnee“, ob Aquarell wie „Unterm Polarkreis“, ob Linoldruck wie „Nordlicht Sibirien“, ob die von ihm geliebten Pastellkreidearbeiten – diese sich oft innerhalb selbst gezeichneter Bildbegrenzungen bewegenden Werke vereinen Ästhetik, starke Bildsprache und eben: die starke Seele Sibiriens.

Info: bis 1. Mai; www.nordico.at

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Artikel Irene Gunnesch 04. März 2011 - 00:04 Uhr
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