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"Es geht heute nur noch darum, die lauteste Person im Raum zu übertönen"

Am 19. März stellen Calexico ihr neues Album "The Thread That Keeps Us" im Posthof vor.

"Es geht heute nur noch darum, die lauteste Person im Raum zu übertönen"

John Convertino und Joey Burns (r.) zeigen sich auf dem neuen Calexico-Album so politisch wie noch nie. Bild: Jairo Zavala

Furios verbinden Calexico auf ihren Alben Tex-Mex, Americana, Folk und Rock zu einer eingängigen Melange. Wie die gespaltene US-Gesellschaft die neue CD "The Thread That Keeps Us" inspirierte und worauf sich die Fans in Linz freuen dürfen, verrät Frontmann Joey Burns im OÖN-Interview.

 

OÖN: Das Vorgängeralbum wurde in Mexiko eingespielt, für "The Thread That Keeps Us" haben Sie sich in Kalifornien eingenistet. Welchem kreativen Impuls war dieser Ortswechsel geschuldet?

Joey Burns: Für mich persönlich war es nicht nur eine willkommene Rückkehr zu meinen kalifornischen Wurzeln, es gab mir außerdem die Möglichkeit, die derzeitige Gemütsverfassung in den Vereinigten Staaten nach der Präsidentschaftswahl 2016 eingehend zu begutachten. Es dominiert ein Gefühl der tiefen Spaltung innerhalb der Gemeinschaft und Familien. Musikalisch hat mich Kalifornien inspiriert, wieder alte Vinyl-Platten aus den 90er-Jahren von Bands wie Pavement, Talking Heads oder den Pixies aufzulegen.

Kann "The Thread That Keeps Us" in die Kategorie " Konzept-Album" eingeordnet werden?

In der Tat finden sich mehrere Themen, die sich wie ein roter Faden durch diese Platte ziehen. Das augenscheinlichste ist sicherlich die Rastlosigkeit. Wie auf vielen anderen Calexico-Alben tummeln sich hier Charaktere, die sich nach einem Gefühl der Zugehörigkeit in schwierigen Zeiten sehnen. Aufgrund der wirtschaftlichen Ungleichheit und der Gräben zwischen den verschiedenen Gruppierungen der Gesellschaft fühlt es sich an, als würde uns der Boden unter den Füßen weggezogen. Viele der neuen Songs behandeln ein Gefühl der Entwurzelung, das in unzähligen US-Städten leider immer stärker wird.

In einer Zeile des Songs "End Of The World With You" singen Sie von einem "Zeitalter der Extreme", in dem wir uns befänden. Ein Wink in Richtung Politik?

Wir leben in einem extremen Zeitalter. Es mangelt an Konzentration und der Fähigkeit des Zuhörens. Es geht heute nur noch darum, seine Anliegen hinauszuposaunen und dabei die lauteste Person im Raum zu übertönen.

Fühlen Sie als Künstler in diesen Zeiten spezielle Verantwortung?

Erzählungen und Poesie sind gute Medizin in schwierigen Zeiten. Ich glaube nicht, dass irgendwer solche Extreme vorhersah, viele wurden davon komplett überrascht. Diese Emotionen zu erkunden, ist für den Künstler auch als Mensch hilfreich. Charaktere zu erschaffen, die mit der Welt auf politischer und persönlicher Ebene klarzukommen versuchen, half mir, meine eigenen Gefühle zu kanalisieren und zu ordnen.

Welche Lieder auf der neuen Calexico-LP liegen Ihnen in diesem Zusammenhang ganz besonders am Herzen?

Die letzten zwei Stücke, "Thrown To The Wild" und "Music Box". Ersteres komponierte ich am Klavier direkt nach der US-Wahl. Ich fühlte, dass sich in mir und der Welt um mich herum etwas verschiebt. Dass die Flamme der Hoffnung zu flackern beginnt. Der Song handelt von einer Bushaltestelle zu später Stunde, wo die Passagiere in eine wilde Abwärtsspirale geraten. Dieses Meer aus Chaos verschlingt sämtliche Harmonie. Wir hätten die Platte auch mit diesem Lied enden lassen können. Doch dies hätte nur jenen in die Hände gespielt, die für all diesen Wahnsinn verantwortlich zeichnen.

Stattdessen entschieden Sie sich dann doch für "Music Box" als Schlussstück. Warum?

Wir wollten das Album mit einem versöhnlichen Appell enden lassen. Und welchen besseren Weg für die Liebe zu plädieren, gibt es als mittels eines Songs, der deinen Kindern gewidmet ist? "Music Box" ist das künstlerische Resultat unserer Bemühungen, stets vorurteilsfrei und mit offenem Herzen durchs Leben zu gehen.

Am 19. März kehren Calexico zurück in den Posthof Linz. Welche Erinnerungen an frühere Österreich-Konzerte haben sich in Ihrem Gehirn festgesetzt?

Niemals vergessen werde ich den ersten Auftritt in Österreich, 1996 in Salzburg. Damals bekam ich zum allerersten Mal unser Debüt "Spoke" als Vinyl in die Hand gedrückt. Diese ersten Shows, die wir damals noch als Duo spielten, zählen überhaupt zu den besten unserer Band-Historie. Bei den aktuellen Gigs werden wir diesen Anfängen Tribut zollen und ein paar ausgewählte Klassiker als Duo spielen. Natürlich haben wir aber auch unsere bewährte siebenköpfige Band dabei. Es wird auf jeden Fall ein Riesenspaß, versprochen!

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Artikel Lukas Luger 12. Februar 2018 - 00:04 Uhr
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