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Bildhauer Stephan Balkenhol - "Spiegel und Projektionsfläche"

Interview mit dem deutschen Bildhauer Stephan Balkenhol, der erstmals in Linz ausstellt.

"Spiegel und Projektionsfläche"

»Großer Mann mit weißem Hemd und schwarzer Hose« (2014) Bild: hw

Am Mittwochabend eröffnete der renommierte deutsche Bildhauer Stephan Balkenhol seine erste große Einzelausstellung in Österreich in der OÖ. Landesgalerie in Linz. Mit den OÖNachrichten sprach er über seinen Zugang zur Bildhauerei im Allgemeinen und nicht vorhandene Anliegen im Besonderen.

OÖNachrichten: In einer Zeit der digitalen Medienkunst gilt die künstlerische Arbeit mit angreifbarem Material für viele als überholt. Wie sehen Sie das?

Balkenhol: Ich bin da eher konservativ. Ich glaube zum Beispiel fest daran, dass es auch in hundert Jahren noch Bleistifte geben wird.

Die Lust von uns Menschen an den Dingen ist wohl unsterblich?

Genau. Und das ungeachtet der Fortschritte der digitalen Medien, von Internet und Handy – bei denen es sich ja auch um Werkzeuge handelt und was ja alles seine Berechtigung hat. Es geht wohl immer darum, wie man sich Sachen aneignet. Ich bevorzuge das direkte, das sinnliche Umgehen mit dem Material. Das braucht keine Gebrauchsanweisung, das braucht keinen Strom. Es erschließt sich einfach durch die Handhabung. Und das ist eine Qualität, die viele allzu leicht vergessen. Etwa so ein Gerät wie ein Hammer, da weiß man sofort, wie man den bedienen muss. Das ist unmittelbar. Das, was ich mache, ist ebenso unmittelbar und eben auch sinnlich erfahrbar. Und wir wissen ja, dass viele Menschen, die sich nur mit digitalen Medien beschäftigen, zu Analphabeten mutieren, was das Anschauen von Gemälden, von Skulptur betrifft.

Wie kamen Sie zur Bildhauerei?

Also, das wollte ich schon als Jugendlicher machen. Mich hat diese Präsenz fasziniert, die Bildhauerei hat. Wie das dasteht und mit dem Raum etwas anstellt, auch mit uns im Raum etwas anstellt.

Ihre Figuren spielen stark mit Assoziationen der Betrachter. Worin sehen Sie persönlich die Faszination Ihrer Holzplastiken?

Da gibt es – so glaube ich – verschiedene Aspekte. Zum einen, dass sie so eine Lebendigkeit ausstrahlen, obwohl man nicht genau sagen kann, wozu die jetzt da sind und was sie erzählen. Aber ich erlebe immer wieder, dass da ein Funke auf die Betrachter überspringt und eine eigene Geschichte entsteht. Die Figuren sind so etwas wie eine Mischung zwischen Spiegel und Projektionsfläche.

Botschaft wollen Sie also keine vermitteln. Haben Sie trotzdem so etwas wie ein Leitmotiv? Falls ja, welches?

Auf jeden Fall keines, das man so als Pamphlet schreiben könnte. Mir ist wichtig, dass man sich auf die Arbeiten einlassen kann, ohne vorher schon ein Bild zu haben. Dann kann einem die Arbeit etwas über sich selber erzählen und darüber, wie man das in Bilder fassen kann. Nein, nein, nein – Botschaft hab ich keine, ich will ja niemanden bekehren!

„Ich mache Angebote für Geschichten“

Stephan Balkenhol macht Skulpturen, die auf den ersten Blick bekannt erscheinen. Die Männer und Frauen aus Holz stehen wie beiläufig im Raum und tragen unauffällige Kleidung. Der Bildhauer möchte jede Botschaft vermeiden. Seine Figuren seien „Stellvertreter“, sie können jeder oder jede sein.

Altmodisch in Holz gehauen wirken die Figuren wie aus der Zeit gefallen und doch sehr heutig. Trotz ihrer Einfachheit sind sie eindrucksvoll. Balkenhols „Großer Mann mit weißem Hemd und schwarzer Hose“ (2014), der mit ausdrucksleerem Gesicht und lapidarer Handhaltung mitten im Ausstellungsraum steht, untergräbt seine scheinbare Monumentalität durch Belanglosigkeit.

Aktuelle Werke

Die Ausstellung in der Landesgalerie legt den Fokus auf Werke der vergangenen zwei Jahre. Zu den jüngsten Arbeiten gehören kleine Figuren mit Menschenkörpern und Tierköpfen („Hybride“, 2014). Diese surrealen Mischwesen heben sich von den neutralen Menschenfiguren deutlich ab. Weniger interessant sind manche zweidimensionale Arbeiten des Künstlers. Bei den „Reliefzeichnungen“ in Holz fehlt die räumliche Tiefe, und die einfachen Motive (z. B. Akte) wirken hier beliebig. Der Bildhauer interpretiert auch ewige Themen der Kunstgeschichte: Ein „Satyr“ ist in der Ausstellung ebenso zu sehen wie eine Nike und ein Hermaphrodit.

Balkenhol sagt, er mache „Angebote für Geschichten“, die die Betrachter dann für sich weiterdenken können. Kinder würden sich auf diese Angebote oft leichter einlassen als Erwachsene, die mit der Erwartung an eine Botschaft kommen. Die gebe es aber in seinen Werken eben nicht. (hw)

Stephan Balkenhol. Landesgalerie Linz, bis 22.2.15; Kindereröffnung: So, 26.10., 14-16 Uhr. Infos: www.landesgalerie.at

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Artikel Irene Gunnesch 23. Oktober 2014 - 00:04 Uhr
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