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Barocke Sketch-Parade nach "Jägerstätter"

Theatersommer Haag: Intendant Christoph Wagner-Trenkwitz im OÖN-Gespräch über "Zerbinettas Befreiung" und Richard Strauss.

Barocke Sketch-Parade nach "Jägerstätter"

In "Zerbinettas Befreiung" schlüpft der Intendant in die Rolle eines böhmakelnden Apothekers. Bild: VOLKER WEIHBOLD

Christoph Wagner-Trenkwitz, launiger Opernball-Kommentator, Autor und Chefdramaturg der Wiener Volksoper, nimmt sich als neuer Intendant des Haager Theatersommers wieder der Komödie an. "Zerbinettas Befreiung" von Fritz von Herzmanovsky-Orlando hat am 2. Juli um 20.30 Uhr Premiere. Die OÖNachrichten sprachen in Linz mit dem vielbeschäftigten 51-Jährigen.

 

OÖNachrichten: Warum haben Sie sich für "Zerbinettas Befreiung" entschieden?

Christoph Wagner-Trenkwitz: Im letzten Jahr von Gregor Bloéb war "Jägerstätter" ein riskantes Projekt und ein großer Triumph. Ein Stück, das man nicht wirklich als leichtes Sommertheater bezeichnen würde, sondern mitten in der Magengrube landet. Ich wollte das Pendel wieder in Richtung Komödie ausschlagen lassen. Aber nicht mit einem beliebig-belanglosen Schenkelklopferstück, sondern mit einem Autor, den ich wahnsinnig liebe: Fritz von Herzmanovsky-Orlando. Wir spielen "Zerbinettas Befreiung" in einer Bearbeitung von Friedrich Torberg, und Regisseur Alexander Kuchinka hat das als barocke Sketch-Parade bezeichnet.

Worum geht es in dem Stück?

Der böse Vormund Pantalone will seinem Mündel Zerbinetta einen Heiratskandidaten aufzwingen, aber sie mag einen anderen, und am Schluss geht alles gut aus. Was da aber alles an verrückten Gestalten über die Bühne spaziert ... das ist ein großartiges, surrealistisches Komödientheater.

Was bewog Sie, im ersten Jahr Ihrer Intendanz eine Rolle zu übernehmen?

Es ist weniger die übergroße Eitelkeit, die mich auf die Bühne treibt, als das große Bedürfnis, wirklich den ganzen Betrieb kennenzulernen – und das schafft man nur, wenn man ganz hineinsteigt. Es ist jetzt 30 Jahre her, dass ich angefangen habe, Kabarett und Kellertheater zu spielen. Ab 1993 habe ich mich, zuerst als Pressechef, dann als Dramaturg an der Staatsoper, teilweise von der Bühne zurückgezogen. In den letzten Jahren spiele ich wieder verstärkt. Und so kann ich mir in Haag die Rolle des böhmakelnden Dogen-Apothekers Novotny durchaus zutrauen.

Es liegt in der Natur der Sache, dass man mit seinem Vorgänger verglichen wird.

Ich liebe den Gregor Bloéb. Er ist ein Original, und mit einem solchen kann man sich nicht vergleichen. Er ist ein schwarzgelockter Tiroler Motorradfahrer und Kraftlackl, ich bin eher ein gesetzter Wiener.

Welchen kunstfernen Vergnügungen hängen Sie nach?

Auf jeden Fall nicht dem Motorradlfahren. Da bin ich eher auf der langsamen Seite, am liebsten bewege ich mich spazierend mit meiner Frau durch den Wald fort. Ich bin hobbyfrei, sammle auch nichts. Ich erhole mich leider bei einer Arbeit von der anderen. Das ist mein großer Charakterfehler. Ich mach’ so gern dieses und jenes und das auch noch.

Und dann muss ja auch Zeit sein, zum 150. Geburtstag von Richard Strauss ein Buch zu schreiben. Wenn Sie ein Teenager fragte, ob Strauss cool war, was antworteten Sie?

Ja, er war cool. Richard Strauss hat eine coole, aufregende, für seine Zeit arge Musik gemacht. Äußerlich war er scheinbar ein Spießbürger und ein Beamter, der um neun Uhr früh am Schreibtisch gesessen ist und komponiert hat, bis ihn seine Frau mit lauter Stimme zum Spazierengehen gezwungen hat. Er war ein geordneter Mensch und hat dabei die aufregendsten Musikdramen wie "Salome" und "Elektra" geschrieben.

Sie hatten vor unserem Gespräch einen Termin im Linzer Musiktheater? Hier wird ja ein Intendant gesucht.

Das war ein Treffen unter Kollegen, ein Gedankenaustausch, keine Bewerbung. Als Allererstes müsste ich dann gleich Haag opfern – das möchte ich nicht. Den Haagern fühle ich mich ebenso verpflichtet wie der Volksoper.

 

Theatersommer Haag

„Zerbinettas Befreiung“ von Fritz von Herzmanovsky-Orlando wird vom 2. Juli bis zum 9. August jeweils um 20.30 Uhr aufgeführt. Karten gibt es u. a. bei der OÖN-Ticket-Hotline 0732 / 7805 805 und unter nachrichten.at/tickets; OÖNCard-Inhaber erhalten zwei Euro Ermäßigung.

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Artikel Bernhard Lichtenberger 11. Juni 2014 - 00:04 Uhr
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