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Wohnen

Als die Handwerker mobil machten

Von Markus Prinz  21. Dezember 2019 13:42 Uhr

Fröhliches Bohren

Vor 50 Jahren wurde in Japan der erste Akkuschrauber auf den Markt gebracht – eine Erfindung, die die Arbeit für Profis und Hobby-Handwerker revolutionieren sollte.

Der Schein trügt nicht: Die zugestellten Parkplätze vor heimischen Baumärkten verstärken die Vermutung, dass das Weihnachtsgeschäft mit Hand- und Heimwerkern floriert. Ein Mitarbeiter im Baumarkt meines Vertrauens bestätigt, dass eine Verkaufsspitze zu Weihnachten erkennbar sei, auch wenn der größte Umsatz im Frühjahr gemacht wird. Man solle aber nicht unterschätzen, wie viele Heimwerker am Dienstag Geschenke aus dem Baumarkt unter dem Christbaum finden werden.

Großer Beliebtheit bei Heimwerkern erfreuen sich Akku-Geräte. Und zwar so sehr, dass sogar Lebensmitteldiskonter und Möbelhäuser auf diese Schiene aufgesprungen sind und oft auch Eigenmarken zum Verkauf anbieten.

Die Hersteller investieren bereits seit Jahren riesige Summen in ihre Akku-Systeme. Dieser Trend geht auf eine Erfindung zurück, die das Handwerk revolutionieren sollte. Im April 1969, also vor 50 Jahren, brachten japanische Ingenieure für den Elektrowerkzeughersteller Makita den 6500D heraus, den ersten Akkuschrauber der Welt. Schnell waren die Vorzüge der neuen Technologie mit Nickel-Cadmium-Akku erkennbar.

Die verzweifelte Suche nach (angeschlossenen) Steckdosen auf Baustellen entfiel fortan, hunderte Arbeitsunfälle durch Verlängerungskabel, über die man stolpern konnte, gehörten ab sofort der Vergangenheit an. Rückblickend ist nicht mehr denkbar, wie Zimmerer und Dachdecker früher Häuser decken konnten. Oder wie Almhütten fernab jeder Zivilisation einigermaßen bewohnbar gemacht werden konnten.

Akku-Werkzeug beim Diskonter

Es überrascht nicht, dass Akkuschrauber mittlerweile ihren Platz in beinahe jedem Haushalt gefunden haben – und sei es nur als Überbleibsel des Möbelaufbaus in irgendeiner Schublade. Für viele Heimwerker im Land markiert der Kauf eines Akkuschraubers den Einstieg in ein neues Hobby, eine Leidenschaft.

Einmal angefangen, ist der Urinstinkt des Sammelns geweckt. Auf den Akkuschrauber folgt eine Akku-Stichsäge, darauf ein Akku-Winkelschleifer, dann darf auch das Akku-Baustellenradio nicht mehr fehlen. Zwei Jahre und einige Euros später saugt der Staubsauger-Roboter den Fußboden in der Wohnung während Herr Heimwerker den Rasen mit einem Akku-Rasenmäher stutzt. Das Holz für den Kaminofen wird bequem per Akku-Motorsäge zusammengeschnitten. Sammelleidenschaft eben, persönlich erlebt.

„Je ambitionierter, desto teurer“

Dabei ist die Marke unerheblich, wie auch der eingangs erwähnte Baumarktmitarbeiter erzählt: „Grundsätzlich tendieren Hobby-bastler eher zu günstigen Marken. Je ambitionierter, desto eher wissen die Kunden die teureren Produkte der Branchenriesen zu schätzen. Ein geschulter Mitarbeiter erkennt in drei Sätzen, für welches Gerät der Kunde sich am Ende entscheiden wird.“

Vor allem im Gartensektor, also bei Rasenmähern, Motorsägen, Heckenscheren und Motorsensen ist der Konkurrenzkampf zwischen Kabel-, Akku- und Benzingeräten entbrannt. Die Akku-Fraktion schlägt die Steckdosenprodukte, weil draußen Mobilität wichtig ist.

Gegenüber den Verbrennungsmotoren fehlt aber (noch) etwas die Schnittleistung, weil die Drehzahl nicht hoch genug ist. Profis werden also auch in näherer Zukunft noch eher zu den Benzingeräten greifen. Für den Hobbygärtner reicht die Akku-Variante.

OÖN klärten über Jubiläum auf

Das Geburtsjahr des Akkuschraubers war übrigens ein denkwürdiges. Neil Armstrong betrat 1969 als erster Mensch den Mond. In Woodstock wurde nicht nur musiziert, sondern auch geliebt. Der vietnamesische Revolutionär Ho Chi Minh und der US-Befehlshaber im Zweiten Weltkrieg, Dwight D. Eisenhower, starben. Die Erfindung des Akkuschraubers geht in den Geschichtsbüchern aber unter.

Nicht einmal die österreichische Zentrale von Makita wusste beim OÖN-Telefonat über das Jubiläum Bescheid. Und das, obwohl im japanischen Anjo eine Innovation aus der Taufe gehoben wurde, die das Arbeitsleben von Handwerkern von Grund auf verändert hat.

Wussten Sie, dass...

  • ... die exakte technische Bezeichnung für die Nachfahren des Makita 6500D „Akku-Bohrschrauber“ lautet?
  • ... dieselben Akkus, mit denen Schrauber betrieben werden, auch für Bluetooth-Lautsprecher, Kaffeemaschinen, Baustrahler, Heizjacken, elektrisch angetriebene Schubkarren oder Druckluft-Kompressoren eingesetzt werden?
  • ... die kleinsten Akkuschrauber auf dem Markt mittlerweile in eine Hosentasche passen?
  • ... die stärksten Akkuschrauber ein höheres Drehmoment als einige Kleinwagen (mit Benzinmotor) haben?
     

Das Heimwerker-Quiz

Frage 1 von 10:

1. Wann wurde der erste Akkuschrauber auf den Markt gebracht?


Die 130-jährige Geschichte der Bohrmaschine

Von einer Maschine, die Löcher bohren konnte, bis zum tragbaren Schrauber für den Gürtel.

Der Australier Arthur James Arnot gilt als Erfinder der Bohrmaschine. Vor 130 Jahren, also 1889, fertigte er die erste stationäre Maschine, die Löcher bohren konnte. Stationäre Bohrmaschinen finden sich noch heute in Werkstätten und Fabriken, wurden aber in vielen Anwendungsfällen von einer deutschen Weiterentwicklung abgelöst: Der in Stuttgart geborene Erfinder Wilhelm Emil Fein präsentierte im Jahr 1895 die erste elektrische Handbohrmaschine.

Bereits in den 1880er-Jahren hat sich Fein mit dem ersten tragbaren Militärtelefon und Feuertelegraphenanlagen einen Namen gemacht. Auch ein gewisser Robert Bosch hat zu dieser Zeit bei der Firma C. E. Fein gearbeitet und sollte sich später mit seiner eigenen Firma zum größten deutschen Automobilzulieferer und Werkzeughersteller entwickeln. Bosch gilt im Werkzeugbau unter anderem als Erfinder der Schlagbohrmaschine (1932) und hatte Jahrzehnte später den ersten Akkuschrauber mit Lithium-Ionen-Technologie im Sortiment (2003).

50 Jahre Akkuschrauber

Der erste Akku-Bohrschrauber wurde vom japanischen Werkzeughersteller Makita im April 1969 produziert. Das Modell 6500D hatte zwar ein ein Meter langes Kabel, war aber an eine mobile Zwölf-Volt-Stromquelle angeschlossen und machte so das Bohren und Schrauben an schwer zugänglichen Orten möglich. Die 1,1 Kilogramm schwere Maschine schaffte 600 Umdrehungen pro Minute und konnte mit einer Akkuladung (Ladezeit etwa eine Stunde) bis zu 350 Stück M3,5x20-Schrauben in Kiefernholz drehen.

Die 6500D aus dem Jahr 1969 in Aktion

Das Folgemodell, der Bohrschrauber 6010D, war im Jahr 1978 der erste Akkuschrauber, wie man ihn heutzutage kennt – mit eingebauter Stromquelle (Nickel-Cadmium-Akku). Seit 2005 verwendet auch Makita Lithium-Ionen-Akkus, das Sortiment gilt aktuell als das umfassendste auf dem Markt.

Neben Schraub-, Säge- und Schleifgeräten bieten die Japaner auch Gartengeräte an. Der aktuell leistungsstärkste Bohrschrauber, der DDF481Z, leistet bis zu 115 Newtonmeter, was dem Drehmoment eines 83 PS starken Citroën C3 (Benzinmotor) entspricht. Die Leistungsdaten pro Akkuladung hängen stark von der eingesetzten Stromquelle ab. Derzeit werden die 18-Volt-Akkus zwischen drei und sechs Amperestunden angeboten. Eine Ladung dauert durchschnittlich 30 Minuten.

Ursprünglich wurde das Unternehmen von Mosaburo Makita 1915 als Motorenwerkstatt und Ankerwicklerei gegründet. Erst seit 1959 stellen die Japaner mit Hauptsitz in Anjo, einer Hafenstadt etwa so groß wie Linz, Elektrowerkzeuge her.

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Markus Prinz

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