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Musik

Kopfhörer #42: Mit Kathi Kallauch ist alles okay

Von Reinhold Gruber  24. März 2021 18:53 Uhr

Kathi Kallauch übt sich trotz Corona-Beschränkungen in ihrer neuen Freiheit, Herrin über ihre Musik zu sein.

Es ist alles okay. Wirklich? Bei Kathi Kallauch hört es sich zumindest so an. Ihr Lied „Okay“ ist auch eines zur Zeit.

Künstler gehören mit den Gastwirten zu jenen Menschen, die von der Krise am meisten an der Ausübung ihres Berufes gehindert werden. Kathi Kallauch, Songwriterin, Sängerin und Musikerin mit Lebensmittelpunkt Wien ist da keine Ausnahme. Mit „Okay“ hat sie jetzt einen Pop-Song geschrieben, der positiv und nachdenklich zugleich wirkt. Ein Gespräch über die Auswirkungen von Corona, die Sehnsucht, die Freiheit, die Hoffnung und einen faszinierenden Menschen. 

Wie geht es dir mit Corona, mit dem Verlust des Auslebenkönnens seiner Kreativität, zumindest in jenem Teil, wo man ohne Publikum auskommen muss?

Kathi Kallauch: Der Zustand ist tatsächlich schon so lange, dass man sich erschreckenderweise schon ein wenig daran gewöhnt hat. Das ist ganz schlimm, weil es so nicht sein sollte. Gleichzeitig habe ich aber immer wieder Momente, wo ich so richtig Sehnsucht danach habe.

Du hast auch Live-Streaming-Konzerte gemacht. Kann das Ersatz sein? 

Kathi Kallauch: Es kostet mich wahnsinnig viel Überwindung, weil ich lieber mit guten Instrumentalisten auf der Bühne stehe, als mich selbst begleiten zu müssen. Es hat aber auch eine eigene Magie, die ich erst durch diese ganze Phase entdecken konnte. Trotzdem ist ein Live-Stream-Konzert immer nur ein fauler Kompromiss. Das Publikum zu spüren, ist etwas, wonach man als Künstler süchtig ist. Man braucht das. Wenn es wegfällt, ist man wie auf Entzug.

Und dieser Entzug dauert schon lange...

Kathi Kallauch: Deswegen hat man die Sucht schon ein wenig überwunden, aber noch nicht ganz (lacht). Ich bin ein Mensch, der tendenziell eher flexibel versucht, auf Situationen zu reagieren und ich habe mir da auch ganz viele andere Projekte zugelegt, damit ich arbeiten kann, um nicht in völlige Depression zu verfallen. Aber natürlich gehen mir die Konzerte ab. Das ist so.

"Okay" heißt dein Song, der irgendwo genau in diese Zeit passt, wo man sich schon die Frage stellen kann, ob alles okay ist, wenn man nichts kontrollieren kann und die Situation annehmen muss. Kann man das Lied so deuten, dass du innerlich ein wenig deinen Frieden mit der Situation gefunden hast?

Kathi Kallauch: Ich glaube schon, dass das Lied in erster Linie ein Versuch ist, mit der gesamten Lage Frieden zu schließen, aber es schwingt auch genug Melancholie mit. Man spürt schon, dass ich nicht total glücklich bin. Ich besinge ja lustigerweise in dem Song auch ganz andere Dinge als nur diesen beruflichen Verlust. Das ist mir erst im Nachhinein aufgefallen. Deswegen hat "Okay" für mich eine tiefe Bedeutung, weil es vieles abdeckt. Da geht es um die Sachen, auf die man wie bei Corona keinen Einfluss hat. Da finde ich, dass es für die eigene Gesundheit und das seelische Wohlbefinden ganz wichtig ist, dass man irgendwann an diesem Punkt angelangt ist, dass man Frieden schließt. Wenn man da jetzt hadert und ewig in diesem Gefühl des Verlustes, dieses Kampfes bleibt, schadet man sich am Ende des Tages nur selbst. Das ist meine Erkenntnis. Alles, was ich im musikalischen Bereich tun kann, mache ich. Ich veröffentliche Songs, spiele Live-Stream-Konzerte.

Was soll man auch anderes machen?

Kathi Kallauch: Genau, denn man hat ja null Einfluss darauf. Sonst bin ich schon jemand im Leben, der kämpft und alles tut, was man tun kann, wenn Dinge schwierig sind. Ich finde dann Lösungen. Aber in diesem Fall kann man wirklich nichts machen. Ich kann meinen normalen Arbeitsalltag, wie er einmal war, nicht mehr wiederherstellen. Das kommt nicht. Also muss ich etwas anders machen. Deshalb ist der Lied ein Versuch, ohne dass ich sage, dass ich es geschafft habe und dass es total toll ist (lacht). Man schreibt ja Lieder nicht, um die Welt zu bepredigen, sondern um sich selbst auch mit dem Song zu ermutigen. So ist bei mir schon auch viel Selbsttherapie am Start.

"Okay" ist bei aller Mancholie in seiner Ausdrucksform sehr positiv. Zwischen den Zeilen findet man das Nachdenkliche, aber im Grunde genommen fühlt man sich als Hörer gut dabei. Warum ist "Okay" so positiv geworden? 

Kathi Kallauch: Das ist einfach so passiert. Wenn ich generell auf mein musikalisches Werk schaue, dann ist das Thema Hoffnung immer verankert. Ich weiß gar nicht, ob ich jemals ein hoffnungsloses, komplett trauriges Lied geschrieben habe.

Geschrieben vielleicht schon, aber nicht veröffentlicht.

Kathi Kallauch:  Ja, jetzt fällt es mir gerade ein, dass es schon das eine oder andere traurige Lied gibt, aber das habe ich wahrscheinlich gerade aus diesem Grund nie veröffentlicht, weil es mir am Ende des Tages dann doch zu traurig war und vielleicht nur für mich selbst in diesem Moment wichtig war. Das ist schon meine Grundnatur. Ich bin schon auch sehr dramatisch und kenne die absoluten Tiefen. Und ich bin auch nicht der wahnsinnig optimistische Mensch, aber irgendeine Hoffnung ist in mir verankert, so ein Grundvertrauen, dass es dann irgendwie weitergeht. Das scheint bei "Okay" durch, ohne dass ich es bewusst so gemacht habe.

Hat das eigene Label Roodixx Records auch dazu beigetragen, denn damit bist nur du letztlich die Entscheidungskompetenz?

Kathi Kallauch: Ja. Das habe ich so stark in dem ganzen künstlerischen Prozess gemerkt, egal ob bei der Songproduktion oder beim Video, bei jedem Foto - das war so ein gutes Gefühl, jede einzelne Entscheidung selbst getroffen zu haben. Deswegen ist es auch zu 100 Prozent authentisch. Ich habe immer schon extrem Einfluss auf meine Musik genommen, aber man muss sich doch viel mehr mit der Meinung anderer auseinandersetzen. Das ist manchmal schwierig, wenn es um das Eigene geht. Das eigene Label hat viel im Arbeitsprozess erleichtert. Ich arbeite ja trotzdem mit Menschen zusammen, aber es ist eine andere Arbeitsweise, wenn es eine Person gibt, in diesem Fall ich, die alle Entscheidungen trifft. Damit ist das kreative Arbeiten viel leichter geworden.

Im Video zu "Okay" tanzt Conny Kräuter, die man von Dancing Stars bestens kennt. Wie seid ihr beide zusammen gekommen?

Kathi Kallauch: Bei unserer ersten Begegnung hatte ich das Gefühl, dass ich sie schon kenne, was natürlich nicht gestimmt hat, weil ich sie natürluch nur aus dem Fernsehen kannte. Sie war aber damals ganz bewusst bei einem meiner Konzerte. Ich habe vor Corona "Live im 25" gemacht und da haben wir uns kennengelernt. Dann ist sie immer wieder zu Konzerten gekommen, weil sie Fan meiner Musik geworden ist. Und ich fand sie immer schon faszinierend, weil sie eine unfassbare Ausstrahlung hat. Als ich die Idee zum Video für "Okay" hatte, wollte ich unbedingt eine Tänzerin haben. Ich habe dann wirklich rein zufällig das Finale von „Dancing Stars“ gesehen, wo sie mit Cesar Sampson den wunderschönen "Contemporary Dance" getanzt hat. Da habe ich gewusst, das ist es und sie ist es. Dann habe ich sie gefragt und war sofort dabei.

Was kann man von einem Menschen wie Conny Kräuter lernen?

Kathi Kallauch: Für mich ist sie eine ganz besondere Frau, weil sie eine unglaubliche Energie hat, die ich selten so gesehen habe. Das, was man im Fernsehen von ihr sieht, das ist sie zu hundert Prozent auch abseits der Kameras. Bei ihr kommen keine negativen Vibes. Was man von ihr lernen kann, ist dieses unglaublich positive Denken und sie ist ein freigiebiger Mensch in jeder Hinsicht - mit ihrer Zeit und mit ihrer Hingabe. Für mich ist sie die total starke, selbstbewusste Frau, die andere ermutigt und mitreißt. Das hat mich echt beeindruckt. Sie ist sehr besonders.

In der Zeit, in der wir leben, sollte man keine Pläne mehr machen. Aber dennoch die Frage: Was sind deine Pläne für die nahe Zukunft?

Kathi Kallauch: Natürlich hoffe ich wie einige Veranstalter, dass im Sommer etwas mit kleinen Open-Air-Konzerten geht. Da würde ich mich sehr darauf freuen. Gleichzeitig werde ich weiter Musik veröffentlichen und was ich seit Herbst des vergangenen Jahres mache: Ich schreibe einen Roman. Das war etwas, das mich schon lange gereizt hat. Durch die viele Zeit, die ich hatte, habe ich begonnen. Das war eine perfekte Lockdown-Beschäftigung. Denn um einen Roman zu schreiben, braucht man nur sich selbst und sein Zuhause. Für mich ist das ein spannender Prozess, weil es wie das Songschreiben ein kreativer Prozess ist. Mit dem Unterschied, dass ich nicht eine Geschichte in drei Minuten auf den Punkt bringen muss, sondern ich habe 300 Seiten Platz. Das ist so ein Luxus und so ein anderes kreatives Arbeiten. Das ist gerade eine sehr spannende Erfahrung für mich, zumal der Roman auch autobiographische Züge hat. Ob er jemals herauskommen wird, wird man sehen. 

Artikel von

Reinhold Gruber

Lokalredakteur Linz

Reinhold Gruber
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