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Literatur

Der Columbo aus dem Burgenland

Von Herbert Schorn  07. November 2020 00:04 Uhr

Thomas Stipsits
Thomas Stipsits

Mit "Die Kopftuchmafia" gelang Kabarettist Thomas Stipsits ein Überraschungserfolg. Am 19. November erscheint die Fortsetzung. Was kann sie?

Damit hatte wohl nicht einmal Thomas Stipsits selbst gerechnet: Knapp 50.000 Mal hat sich sein erster Krimi "Die Kopftuchmafia" seit seinem Erscheinen vor knapp einem Jahr verkauft. Damit wurde das Buch rund um den schrulligen, aber scharf kombinierenden Inspektor Sifkovits auf Anhieb das zweitmeist verkaufte Belletristik-Buch des Jahres 2019 in Österreich – und Thomas Stipsits über Nacht zum Bestseller-Autor.

Nun erscheint am 19. November mit "Die Uhudler-Verschwörung" die Fortsetzung des Überraschungserfolges. Und eines wird beim Lesen sofort klar: Der 37-Jährige hat das Motto "Never change a winning team" sehr ernst genommen. Das geht so weit, dass sogar die Struktur des Romans exakt jener des Vorgängers entspricht. So beginnt Kapitel eins mit einem Monolog des anonymen Mörders, es folgt eine fröhliche Szene aus dem Hauptschauplatz Stinatz (Kapitel zwei), bevor in Kapitel drei Inspektor Sifkovits seinen ersten Auftritt bekommt. Alles wie gehabt. Das ist doch recht fantasielos.

Weit besser ist, dass Stipsits auch dem Stammpersonal seines ersten Romans treu geblieben ist. So hilft die Kopftuchmafia, bestehend aus Sifkovits’ Mutter und drei ihrer Nachbarn, wieder mit ihrem – dem Dorftratsch sei Dank – reichhaltigen Stinatz-Wissen kräftig beim Ermitteln mit. Mit Inspektor Sifkovits, genannt Schiffi, gelang dem Autor eine eigenbrötlerische, aber sympathische Hauptfigur, die gerade wegen ihres Understatements zum Ermittlungserfolg kommt.

Liebenswerter Underdog

Dass er für diese Figur ein sehr konkretes Vorbild hatte, gibt Thomas Stipsits offen zu: "Die Fernsehkommissare sind oft so misanthropisch. Einen schrulligen Kommissar, der allen ständig auf den Wecker geht, gab’s bis jetzt kaum", sagt der Steirer mit Stinatzer Wurzeln im OÖN-Gespräch und outet sich als Fan der US-Krimiserie "Columbo". Genau so ein Kommissar habe in der österreichischen Krimilandschaft gefehlt: "Daher dachte ich, schreib ich halt einen burgenländischen Columbo."

Die Ähnlichkeiten sind unübersehbar: Wie sein amerikanisches Vorbild wirkt der "Schiffi" äußerlich verwahrlost, bleibt höflich bis zur Selbstaufgabe und stellt bei seinen Zeugenbesuchen stets vor dem Gehen noch eine letzte Frage. Sowohl Columbo als auch Sifkovits haben eine ausgeprägte Beobachtungsgabe, bemerken winzige Details und lösen genau deswegen ihre Fälle. Die Figur des liebenswerten Underdogs löst im Leser einen Reflex aus: "Denen zeigen wir’s" – und hinterlässt zum Schluss ein wohliges Gefühl in der Magengegend: Alles ist gut.

Auch wenn das alles nicht neu ist: Dem Lesevergnügen schadet’s nicht. Nach dem Motto "lieber gut abgekupfert als schlecht erfunden" entwarf Thomas Stipsits einen charmanten Burgenlandkrimi. Er steckte viel Hirnschmalz in das Austüfteln des Kriminalfalls und führt die Leser genüsslich immer wieder auf die falsche Fährte. Entstanden ist ein heiterer Krimi ohne literarische Ambitionen, der eines will: den Lesern einige unbeschwerte Stunden bereiten. Und das ist nicht wenig.

Der Columbo aus dem Burgenland

Thomas Stipsits: "Die Uhudler-Verschwörung – Ein Stinatz-Krimi", Ueberreuter Verlag, 176 Seiten, 17 Euro

Uhudler-Verschwörung

Der Inhalt: Weinbauer Alois Stipsits wird tot in seinem Weinkeller aufgefunden. Es wird ein Gärgas-Unfall vermutet. Doch der schrullige Inspektor Sifkovits, der zufällig mit seiner Mutter zum Unfallort in seiner Heimatgemeinde Stinatz kommt, hegt Zweifel daran. Denn der Weinbauer, der den burgenländischen Uhudler erzeugte, lag im Streit mit einem Konkurrenten, und dann entdeckt Sifkovits ein mehr als 30 Jahre zurückliegendes Geheimnis des Toten ...

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Herbert Schorn

Redakteur Kultur und Leben

Herbert Schorn
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