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OÖN-Filmkritik

"Eine Frau mit berauschenden Talenten": Wie Isabelle Huppert im Kino Stoff vom Feinsten verkauft

10. Oktober 2020 00:04 Uhr

Wie Isabelle Huppert im Kino Stoff vom Feinsten verkauft
Die Königin der Deals: Isabelle Huppert

Es gibt nichts, was Isabelle Huppert (67) in den vergangenen Jahrzehnten für die Leinwand gespielt hat, was nicht großartig war.

Was man bei ihren vielen tragischen, rabiaten, furiosen Rollen, die die große Vertreterin des europäischen Kinos gestaltet hat, gerne vergisst: Sie ist eine hervorragende Komödiantin. In "Eine Frau mit berauschenden Talenten" spielt sie eine Übersetzerin, die für die Pariser Polizei – darunter ihr Lebensgefährte, der auch ihr Chef ist – die arabisch besprochenen Gaunereien der Drogen-Clans abhört. Die Figur der Patience Portefeux ist aber eine, die selbst viel kriminelle Energie in sich birgt, die auf ein großes Herz trifft. Als die Pflegerin ihrer betagten wie exzentrischen Mutter (herrlich entrückt die Theaterveteranin Liliane Rovere, 87) beinah als Mutter auffliegt, die einen Schmuggler-Sohn deckt, beschließt Patience: Ich verkaufe zum Nutzen aller seine Tonne Haschisch.

Der Witz sitzt perfekt wie die Kleidung

Denn auch wenn ihr Vorname "Geduld" bedeutet, als Mutter, die zwei Töchter allein zur (Fast-)Selbstständigkeit erzogen und die Schulden ihres entschwundenen Mannes abbezahlt hat, ist sie mit ihrer am Ende: Wenn das Sozialsystem Frankreichs ihr monetär nichts bieten kann, dann eben das Illegale.

Huppert vereint Verve, Unverfrorenheit und Coolness, stets von ihrer lässigen Eleganz getragen. Das Timing bei den Pointen und beim Katz-und-Maus-Spiel mit ihrem Liebsten (Hippolyte Girardot) sitzt so perfekt wie ihre schicke Kleidung – ob in Zivil oder als "falsche" Drogenchefin, die ihre skurrilen Handlanger mit Stoff versorgt. Wie der Witz des Films, der Gesellschaftskritik mit Feminismus verbindet, ist er vom Feinsten. (nb)

"Eine Frau mit berauschenden Talenten": FR 2020, 104 Min., Jean-Paul Salome

OÖN Bewertung:

Der Trailer zum Film:

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