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Kultur

Herbert Lippert: "Mir hat der Herrgott in den Hals g’sch..."

Von Helmut Atteneder  19. Oktober 2019 00:04 Uhr

Herbert Lippert: "Mir hat der Herrgott in den Hals g’sch..."
Herbert Lippert, Tenor und Maler. Rechts oben das Bild "Der greise Kopf" (Öl auf Leinwand) aus dem Zyklus "Die Winterreise".

Der Startenor gastiert am 23. Oktober mit Ildikó Raimondi und den St. Florianer Sängerknaben mit der Operetten-Show "O-MIA" im Brucknerhaus.

Gemeinsam mit Ildikó Raimondi geht der gebürtige Linzer Startenor Herbert Lippert heuer in die dritte Saison des Formates "Operette made in Austria (O-MIA)".

Am 23. Oktober um 20 Uhr gastiert das Sängerpaar zusammen mit den Florianer Sängerknaben und dem O-MIA-Jugendorchester im Linzer Brucknerhaus. Wie es um die Operette steht, warum er jetzt auch als Maler Karriere macht und was das Geheimnis seiner immer noch hervorragenden Stimme ist, erzählt der 62-Jährige im Interview.

 

OÖNachrichten: Herr Lippert, die von Ihnen ins Leben gerufene Operetten-Rettungsaktion "O-MIA" geht heuer in ihre dritte Saison. Ist der Komapatient Operette schon reanimiert?

Herbert Lippert: Die Operette ist ein schwieriger Patient. Allein der Name ist ein Problem. Die Leute, die kommen, sind begeistert, aber man kriegt sie kaum rein. Man sagt nur Operette, und jeder lässt schon das Ladl fallen. Ich denke seit Jahren darüber nach, aber ich weiß einfach nicht, warum das so ist. Was habe ich mir da angetan...?

Viele sagen, dass die Operette aus zwei Gründen schwächelt, was den Zuspruch des Publikums betrifft. Erstens: die oft rücksichtslose Modernisierung der Stoffe durch Regisseure, und zweitens: das Musical.

Das Verwordageln – da gebe ich Ihnen vollkommen recht. Im Prinzip waren Operetten damals sehr zeitkritisch: "Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist"... Da wird angespielt auf den damaligen Finanzskandal. Heute sind wir schon so abgebrüht, dass uns nichts mehr erschüttern kann. Da hauen dann viele bei der Operette noch eins drauf: Ich erinnere mich noch, wie Peter Konwitschny Gräfin Mariza in Graz im Zweiten Weltkrieg inszeniert hat. Jeder, der Operette macht, ist ein Kämpfer vor dem Herrn.

Warum haben Sie sich gemeinsam mit Ildikó Raimondi der Rettung der Operette verschrieben?

Wir sind nicht die Retter, wir sind keine Propheten. Wir sind vielleicht die Schwunggeber, sich des Genres anders anzunehmen. Ich bin Operettenfreak und beschäftige mich seit 40 Jahren damit. Ich bin selig, wenn ich Operette singen kann. Wir gehen ab nächstem Jahr auf riesige Tournee, die Verträge sind unterschriftsreif.

Wohin führt diese Tournee?

Nach Europa und in den asiatischen Raum. Wir sind jetzt bei 20 Städten, da geht O-MIA raus in die große, weite Welt.

Sie sind 61. Wie schaffen Sie es, Ihre Stimme auf einem derartig hohen Level zu halten?

Ich sage immer, mir hat der Herrgott in den Hals g’sch… Meine Stimme altert nicht, ich habe keinen Wackler, ich weiß nicht, woran es liegt. Ich bin froh, dass ich den Krieg mit dem Holender (Ioan Holender, ehemaliger Staatsopern-Direktor, Anm.) hatte und 13 Jahre lang nicht in der Staatsoper gesungen habe. Der hätte mich verbraten. Stattdessen habe ich mit Muti und Harnoncourt fast nur Messen gemacht, da singst du ja nicht wirklich, da piepst du ja nur so vor dich hin. Die vergangenen zehn Jahre habe ich aber alle schwierigen Partien gesungen, von Lohengrin bis Tote Stadt und Bacchus.

Sie sind auch ein hervorragender Maler (Öl und Aquarell, Anm.). Wie schwer war es, sich bei Ihren beiden ausgewiesenen Talenten für den Gesang zu entscheiden?

Ich habe ja mit der Malerei begonnen. Nach den Wiener Sängerknaben wollte ich mit dem Singen nichts mehr zu tun haben. Ich habe immer gemalt, 40 Jahre lang, und hatte kleinere Ausstellungen. Dann kam 2017 Dominique Meyer und hat gesagt: "Ich habe gehört, du malst. Du singst jetzt die ,Winterreise‘ und malst dazu 24 Ölbilder aus, und die stellst du in der Wiener Staatsoper aus." Ich bin überrannt worden. Nach jedem Konzert wollten die Leute meine Bilder.

Wird da jetzt mehr daraus?

Jetzt nimmt das so einen Drive, die Galerien sind auf mich aufmerksam geworden, eine Ausstellung jagt die andere. Nächstes Jahr bin ich bei zwei Kunstmessen. Eigentlich bin ich überfordert. Ich rackere den ganzen Tag mit Singen, nach dem Abendessen gehe ich ins Atelier, male bis zwei in der Früh, und dann falle ich todmüde ins Bett. Wenn ich tu, dann tu ich wie ein Narrischer.

Artikel von

Helmut Atteneder

Redakteur Kultur

Helmut Atteneder
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