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Kultur

"Game of Thrones" ist alles, nur kein Schnee von gestern

Von Nora Bruckmüller 20. Mai 2019 00:04 Uhr

Maisie Williams, Kit Harrington, Emilia Clarke (r.) wurden als Arya Stark, Jon Schnee und Daenerys zu Weltstars.

Die letzte Folge des Serienhits ist ab heute auf Sky zu sehen, nachwirken wird GoT noch lange – das Erbe in fünf Punkten.

Nach acht Staffeln, zahlreichen Intrigen, viel Drachenfeuer, Eis und Tausenden Morden ist "Game of Thrones" mit der US-Erstausstrahlung der Finalepisode (heute 3 Uhr früh in Österreich) und TV-Geschichte. Was bleibt von diesem epochalen Werk?

 

1. Fantasy: Was Peter Jackson mit der Reihe "Herr der Ringe" (2001–2003) nach den Monumentalwerken von J. R. R. Tolkien und die Leinwand-Adaptionen von J. K. Rowlings "Harry Potter" (2001–2011) im Kino gestartet haben, hat "Game of Thrones" im TV vollendet: Fantasy ist als globales Massengenre etabliert. Ableger werden es weiter speisen, darunter auch eine neue Serie aus dem GoT-Universum.
 

2. Mut zur Qualität: George R. R. Martin, auf dessen Romanreihe "Das Lied von Feuer und Eis" die Serie basiert, wollte nie eine audiovisuelle Verstümmelung seiner komplexen Literatur. Im US-Privatsender HBO fand er einen Verbündeten, der weder Kosten noch Risiko scheute, dem Publikum alles zu geben: aufwendig konstruierte Intrigen, in Blutslinien verstrickte Clans – wie sie das TV schon bot – und visuell starke Fantasieländer, wie man sie aus dem Kino kennt. Es klappte. Beim Finale von Staffel 3 hatte sich die US-Zuseherzahl fast verdreifacht (5,3 Mio.), sie fieberten mit einem 257-köpfigen Ensemble mit. Ein Maßstab für kreatives Risiko für neue Produktionen, die global einschlagen wollen.
 

3. Ehrlichkeit: Genial von Martin war es, das Märchen-Image der Fantasy zu zerschlagen, in dem Gut über Böse triumphiert. "Der wahre Horror der Menschheit geht von ihr selbst aus", sagt er. Aus Krimi-TV-Hits wie "Breaking Bad" wusste man das schon. Er aber entzauberte das bisher unschuldigste, immer breitenwirksamere Genre mit Ehrlichkeit über menschliche Natur, wie sie sonst Theater und Indie-Film zeigen. TV und Mainstream-Kino müssen hier weiter nachziehen.

 

4. Geschultes Publikum: Mehrere zehn Millionen Seher hat GoT geschult. Darin, dass gute Stoffe in Inhalt und Form fordern dürfen und sollen – auch mit ungerührten Morden an Hauptfiguren. Eine Generation entstand, die mit innovativer Erzählqualität weiter verwöhnt werden will. Dass sich etwa Drachenmutter Daenerys (Emilia Clarke) kurz vor dem Finale zum Bösewicht verwandelte, gefiel vielen gar nicht – wie große Teile der letzten Staffel, die ohne Buchvorlage auskam. Hunderttausende forderten, sie neu zu drehen.

 

5. Global: "Game of Thrones" ist die Serie mit den meisten illegalen Downloads der Welt. Für HBO keine Tragödie, sondern Marketing. 2013 lenkte man ein: "HBO to go" startete. Der Serien-Suchtstoff war günstig zu streamen. Inzwischen buhlen mehrere Online-TV-Dienste um die Gunst zahlender Kunden. Einem Drang der Masse müssen sie sich alle stellen: Große Popkultur-Ereignisse will die ganze Welt sehen – möglichst zeitgleich, einfach, günstig. Eine Gratwanderung zwischen Gewinn und Freigiebigkeit, die die Bewegtbild-Ära nach Gameof Thrones weiter bestimmen wird.

Artikel von

Nora Bruckmüller

Redakteurin Kultur

Nora Bruckmüller
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