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Lieber nicht an Aliens glauben

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Andreas Grünschloß im Kepler Salon. Der Religionswissenschafter widmet sich vor allem ,,neureligiösen Bewegungen". Bild: reiter

Seit den 1950er-Jahren gewinnt eine neue Art von Glaubenslehren immer mehr Zulauf: „UFO-Religionen“. Was sie so verführerisch macht, erklärte der evangelische Religionswissenschafter Andreas Grünschloß im „Kepler Salon“.

Die Lehren der neureligiösen Bewegungen wie Raelianer, Fiat Lux oder Scientology bauen auf vermeintliche Kontakte zu Außerirdischen auf. Was macht ihre Vorstellungen heute plausibel? Die OÖN sprachen mit Pastor Grünschloß (51), der in Göttingen Religionswissenschaft lehrt.

OÖN: In der Bibel ist von einer „Neuschöpfung“ die Rede. Findet sich diese Vorstellung auch in den „UFO-Religionen“?

Andreas Grünschloss: Ja, die paradiesische Wiederherstellung der Welt ist dort ein Kardinalthema. Manche gehen davon aus, dass wir gerade am Beginn dieser Umwandlung stehen, dass bald ein Tausendjähriges Reich anbricht.

OÖN: Wie soll das aussehen?

Grünschloss: Wie ein Mix aus perfekter, unschädlicher Technologie, Spiritualität und Genuss, aus Heilshoffnung und Wissenschaft. Die Raelianer sind überzeugt, dass himmlische Astronauten, die „Elohim“, die Menschheit im Gen-Labor erzeugten. Die Erde ist ein Schulungsraum, in dem wir ihre Technologie lernen und so bis zu ihrer Wiederkunft eine perfekte Wirklichkeit herstellen.

OÖN: Gibt es in dieser Vorstellung so etwas wie „Seele“?

Grünschloss: Nein, aber dafür ewiges Leben. Die Raelianer glauben, dass wir die Klon-Technik dafür nutzen können, die Bewusstseinsinhalte einzelner Menschen auf ihre Klone, die sie mit künftiger Technik binnen kurzem im Labor heranzüchten wollen, zu übertragen. Das heißt, dass ich nach meinem Tod in einem neuen Klon reinkarniert werde.

OÖN: Gut, dass es die „Elohim“ gibt! Damit sind wir wenigstens nicht allein im Kosmos.

Grünschloss: Das ist ein wichtiger Aspekt dieser Heilslehren: Wir sind nicht allein, der Kosmos ist von himmlischem Personal bevölkert, er wimmelt von Engeln, die als Tröstungswesen vorgestellt werden. „Fiat Lux“ glaubt, dass wir irgendwann in ein Mutterraumschiff hinaufgeholt werden, dass dann die Erde in ein Paradies umgestaltet und der neue Christus kommen wird.

OÖN: Sind die besagten Gruppen leibfeindlich?

Grünschloss: Ja, das ist sehr bezeichnend. Beispielsweise für „Heaven’s Gate“, deren Mitglieder in San Diego gemeinsam Selbstmord verübten, weil man ihnen eingeredet hatte, der Körper sei nur ein „Container“ für die Seele, deren feinstoffliche „Daten“ nach dem Tod an ein Raumschiff gebeamt würden.

OÖN: Was können die UFO-Religionen ihren Mitgliedern sonst noch bieten?

Grünschloss: Einen Bedeutungszuwachs. Jedes Mitglied darf sich als „Lichtarbeiter“ fühlen, das von den Aliens als Vermittler ausgesucht wurde und ihren Endzeit-Fahrplan kennt. Die Erde muss nun evakuiert und gereinigt werden, dann beginnt die Neue Zeit.

OÖN: Ist das Aufkommen solcher Lehren ein Zeichen für das Versagen der Kirche?

Grünschloss: Sie profitieren von der schwindenden Überzeugungskraft der großen kirchlichen Institutionen. Die entlässt dann viele in eine Art „freischaffender Spiritualität“.

OÖN: Kann der aktuelle Traditionsruck der katholischen Kirche da gegenwirken?

Grünschloss: Da bin ich skeptisch. Tradition ist zwar wichtig, um den Kern zu bewahren. Man darf dabei aber nicht die Dialogfähigkeit nach außen verlieren, muss an die Gesellschaft anknüpfen. Das ist heute das Wichtigste.

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