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Einladend, funktional und poetisch

Rohlinge aus Beton und Metall: "Nocturnal Beasts" Bild: Koelnmesse GmbH / Alush

Einladend, funktional und poetisch

Eine internationale Jury wählt eine Outdoor-Möbel-Familie mit verbindender Kraft, einen minimalistischen Klapptisch und eine poetische Arbeit über die Kunst langsamer Fertigungstechniken zu den Gewinnern des Pure Talents Contest 2018.

Von Sonderthemen-Redaktion, 03. Februar 2018 - 00:04 Uhr

Zum 15. Mal wurden auf der internationalen Einrichtungsmesse in Köln die drei besten Entwürfe des Pure Talents Contest ausgezeichnet. Die am ersten Messetag bekanntgegebenen Gewinner der Jubiläums-Ausgabe des Kölner Wettbewerbs für Nachwuchsdesigner sind Yohay Alush mit seinen Outdoor-Möbeln "Nocturnal Beasts" (1. Preis), Alissa Arends, Leon Bucher und Yelim Kim mit ihrem Klapptisch "Fold it" (2. Preis) und Julien Manaira mit seiner poetischen Arbeit "The once liquid plastic" (3. Preis).

Die internationale Jury wählte sie aus 20 nominierten Beiträgen aus, die von Design-Studenten und jungen Graduierten aus Deutschland und europäischen Nachbarländern wie Frankreich, Italien, den Benelux-Ländern oder Schweden und sogar aus Israel, Japan oder China stammen und das Beste repräsentieren, was das junge Design zu bieten hat.

Der Jahrgang 2018 ist besonders international

Insgesamt wurden 836 Produkte von 671 Designern aus 53 Ländern eingereicht. Die Auswahl traf eine fünfköpfige Jury, bestehend aus Sebastian Herkner, Sophie Lovell, Rianne Makkink, Tobias Lutz und Harry Paul van Ierssel. Die Sonderausstellung auf der imm cologne zeigte vom 15. bis 21. Jänner wieder die 20 spannendsten Produkte und Prototypen des Wettbewerbs. Auffällig viele der nominierten Beiträge thematisieren dieses Mal verstärkt die Beziehung zwischen dem Möbel, dem Nutzer und der Zeit.

Die Gewinner

Von der Robustheit und der starken Charakteristik der "Nocturnal Beasts" zeigte sich die Jury besonders angetan, weil die in den Outdoor-Möbeln enthaltene Botschaft sie überzeugte.

"Die Möbel sind wie ein Katalysator, der eine Ruinenlandschaft in einen lebenswerten Platz verwandelt, an dem man sein kann", findet Tobias Lutz. Sophie Lovell betont die gesellschaftliche Ebene: "Die in den letzten 18 Monaten entstandene politische Aufbruchstimmung gibt uns das Gefühl, dass wir ein Design brauchen, das Menschen verbindet und zusammenbringt. Und genau das tut dieses Projekt."

Den zweiten Platz erreichte die Gemeinschaftsarbeit von drei Studierenden der Weimarer Bauhaus-Universität, die, "obwohl erst in ihrem zweiten Jahr, doch schon etwas sehr Minimalistisches und Funktionales designt haben, das auch mit der Bauhaus-Geschichte verknüpft ist. Eine sehr smarte Idee, und man kann sie auch selbst machen", meint Sebastian Herkner. "In dem Tisch ist ein Thema zu erkennen, das sich durch die gesamte deutsche Industrie zieht. Er ist funktional, er ist demokratisch, er ist ehrlich. Und er funktioniert", urteilt Sophie Lovell, und Rianne Makkink findet die Möglichkeit interessant, die Dimensionen zu skalieren und "mag es sehr, dass es nur zwei Funktionen gibt: zusammenklappen und öffnen."

Der dritte Preis geht an einen Entwurf, den die Jury wegen seiner ästhetischen und poetischen Qualität schätzt. "The once liquid plastic" thematisiert den Entstehungsprozess und die Zeit, die das schichtweise Ausgießen einer Form mit Epoxidharz benötigt. "Es ist sehr poetisch, eine zerbrechliche Anwendung einer Arbeitstechnik. Es ist ein Kunstobjekt, und es macht einfach Freude", so Sophie Lovell. Im Unterschied zu dem Klapptisch "Fold it" spielt bei dem regalartigen Objekt die Funktionalität keine Rolle, wenn Harry Paul van Ierssel betont: "Es steht für sich selbst, und ich mag die Art, wie das Licht damit spielt. Es ist kein perfektes Möbel, es ist nicht einmal ein richtiges Rechteck, aber es ist trotzdem perfekt." Und auch Rianne Makkink findet: "Ich würde es nicht für irgendeinen Zweck verwenden. Der Schrank selbst ist das Schöne.”

Special Mentions erhielten dieses Mal gleich drei Beiträge: Die verschnürten Stauraum-Möbel "Liga" von Matthieu Muller und Pierre-Alexandre Cesbron überzeugten durch die clevere, gelenkartige Verbindung. "Sie sind sexy", meint Sebastian Herkner. "Das N

ylon-Band ist ein smarter Hinweis auf die Handhabung, und die Neon-Farben ein richtiges Highlight. Wie ein Schmetterling."

Die Leuchte "Varjo" überzeugte, weil "ihr Licht das Material in etwas Festliches verwandelt", so Tobias Lutz. "Es könnte fast ein Kronleuchter sein. Und die Verteilung des Lichts ist faszinierend." Die dritte Anerkennung erhielt die dreiteilige Arbeit "Hyperreal" von Pia Regenbrecht, in der Interaktionen zwischen Mensch, Zeit und Möbel in skulpturale Objekte übertragen werden. "Dieses Projekt ist von einer Idee geformt", analysiert Tobias Lutz", "und nicht von der Suche nach einer Form."

Damit reihen die Gewinner sich ein in die lange Liste ehemaliger Teilnehmer des Pure Talents Contest, die repräsentativ und vorbildlich für ihre jeweilige Generation waren und oft in Köln ihre erfolgreiche Berufskarriere gestartet haben.

15 Jahre Pure Talents Contest

Auf der Preisverleihung in "The Stage" sagte Koelnmesse-Geschäftsführerin Katharina C. Hamma rückblickend auf 15 Jahre Pure Talents Contest: "Natürlich kann man sich heute fragen, ob sich ein Format wie der Contest in Zeiten von Internet und Fundraising nicht vielleicht überlebt hat? Unser Eindruck ist, dass das Gegenteil der Fall ist. Das Dilemma der jungen Generation ist oft, bei unendlich vielen Möglichkeiten die passende Gelegenheit zu finden. Der Pure Talents Contest ist eine echte Gelegenheit."

Infos: www.global-competence. net/interiors/

Einladend, funktional und poetisch
"Fold it": klappbar, mobil und leicht verstaubar  
Bild: Koelnmesse GmbH / Arends, Bucher, Kim
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