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Wirtschaftsraum OÖ

Teures Futter bedroht die heimischen Geflügelhalter

03. April 2021 00:04 Uhr

Teures Futter bedroht die heimischen Geflügelhalter
Andrea Fraungruber (GGÖ)

LINZ. Alarmruf der Geflügelhalter und des Agrarhandels: Futtermittel sind in den vergangenen Monaten, getrieben von globaler Spekulation, um mehr als 40 Prozent teurer geworden.

Geflügelfleisch gibt es in den Supermärkten aber weiterhin zu Schleuderpreisen. Das gefährdet eine Lebensmittelsparte, die wegen der Billigimporte schon jetzt bei Hendlfleisch nur noch 74 Prozent des Inlandsverbrauchs befriedigen kann, bei Pute sogar nur 42 Prozent.

Zwei Faktoren haben im November 2020 den Preisauftrieb bei Agrarrohstoffen eingeleitet: geringere Erntemengen und hohe Nachfrage aus China mit seinen rund 1,3 Milliarden Verbrauchern.

Das haben Spekulanten erkannt und mit Investments in Agrarrohstoffe den Markt aus den Fugen gebracht. Futtergetreide hat sich international um rund 25 Prozent verteuert, Sojabohnen sogar um fast 50 Prozent.

Österreich trifft besonders hart, dass Geflügel seit zehn Jahren nur noch gentechnikfreies Futter erhält, dessen Preisaufschläge von 40 auf 200 Euro je Tonne gestiegen sind. Eine Tonne Soja ohne Genmanipulation kostet jetzt daher 640 Euro statt 420 vor einem halben Jahr. "Seit Jänner müssen wir unsere Rohstoffe teurer einkaufen, als wir bei den Geflügelhaltern derzeit für die fertige Futtermischung erlösen können", sagt Rupert Bauinger, Geschäftsführer des Futtermittelproduzenten Fixkraft aus Enns. Seine Branche habe 2020 mit Geflügelhaltern rund 90 Millionen Euro umgesetzt. Zu aktuellen Kursen würden die Mehrkosten 25 Millionen Euro betragen.

Ungleicher Wettbewerb

Dazwischen steht eine Handvoll Geflügelschlachthöfe, die gegenüber dem Lebensmittelhandel keine adäquaten Preiserhöhungen durchsetzen können. Die Handelsketten sind noch mächtiger geworden, seit die Gastronomie geschlossen hat.

Österreichs Geflügelbranche ist jahrelang geschrumpft, weil sie gegen die Billigimporte aus Osteuropa und Übersee nicht wettbewerbsfähig ist. Die Bauern verzichten nicht nur auf gentechnisch verändertes Futter und Palmöl, sie halten auch weniger Tiere pro Quadratmeter und haben schärfere Umweltauflagen.

"Wenn es weiter hochwertiges heimisches Geflügelfleisch geben soll, muss das vom Handel abgegolten werden", sagt Andrea Fraungruber, die Geschäftsführerin der Geflügelmastgenossenschaft GGÖ. Es habe erst geringe Preiserhöhungen gegeben. Manche der rund 320 Mitglieder wollen die Gentechnikfreiheit beenden und wieder billiges GVO-Futter verwenden, obwohl das nicht im Sinne der Konsumenten sei.

In Österreich gibt es derzeit noch rund 440 Masthühnerhalter (knapp elf Millionen Mastplätze) und rund 120 Putenbetriebe (900.000 Mastplätze). Darüber hinaus sind die Elternbetriebe, die den Geflügelnachwuchs liefern, ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, der unter den Kostensteigerungen leidet.

Bei Schweinefleisch ist die Marktlage entspannt, weil Österreichs Mäster überwiegend eigenes Getreide verfüttern und damit nur am Rande von teurem Importfutter betroffen sind.

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