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Wirtschaft

Schlecker: Aufstieg und Fall des Drogeriemarktkönigs

Von nachrichten.at/apa   05. März 2017

Die Schlecker-Zentrale in Ehingen auf einem Archivfoto

STUTTGART/PUCKING. Die Pleite der Drogeriemarktkette Schlecker und das Schicksal ihrer Beschäftigten bewegte vor fünf Jahren ganz Deutschland und Österreich. Ab Montag müssen sich nun der einstige Drogeriemarktkönig Anton Schlecker und seine Familie vor dem Landgericht Stuttgart verantworten.

Die nicht-insolvente Österreich-Tochter wurde noch 2012 verkauft, war aber ein Jahr später auch pleite. Der Prozess weckt Erinnerungen an den steilen Aufstieg und den tiefen Fall des Schlecker-Imperiums, der am Ende rund 25.000 Menschen den Job kostete, davon mehr als 3.000 in Österreich.

Abgeschlossen ist die Geschichte vom Aufstieg und Fall des Schlecker-Imperiums noch längst nicht. Das deutsche Insolvenzverfahren wird sich laut Insolvenzverwalter Geiwitz noch über mehrere Jahre hinziehen. Auch in Österreich ist ein Ende des dayli-Insolvenzverfahrens laut dem österreichischen Masseverwalter Rudolf Mitterlehner "nicht absehbar".

Aufstieg und Fall des Drogeriemarktkönigs

1975: Anton Schlecker eröffnet im schwäbischen Kirchheim/Teck seinen ersten Drogeriemarkt. Zwei Jahre später betreibt er 100 Schlecker-Märkte, nach neun Jahren 1.000.

1987: Als ersten Auslandsmarkt erschließt SchleckerÖsterreich; später folgen Spanien, die Niederlande, 1991 - durch die Übernahme von "Superdrug" - Frankreich.

1998: Das Stuttgarter Landgericht verurteilt das Ehepaar Schlecker zu einer Haftstrafe von je zehn Monaten auf Bewährung. Anton und Christa Schlecker betrogen laut Urteil ihre Angestellten, indem sie ihnen nur vorgaukelten, nach Tarif zu zahlen.

2008: Das Schlecker-Imperium umfasst europaweit mehr als 14.000 Filialen. Die Kette, in der Firmengründer Anton Schlecker als eingetragener Kaufmann das alleinige Sagen hat, beginnt Verluste zu schreiben.

2010: Der Umgang mit der Belegschaft bringt Schleckerin die Kritik: Es geht um unrechtmäßig installierte Kameras und den Austausch eigener Mitarbeiter durch schlecht bezahlte Leiharbeiter.

November 2010: Die Kinder Lars und Meike Schleckerrücken in die Führungsetage auf. Sie sollen sich um den Außenauftritt des Konzerns kümmern.

Jänner 2011: Weil Kunden und Erträge ausbleiben, modernisiert Schlecker seine Filialen. Eine Marketingkampagne soll das Image verbessern.

Dezember 2011: Schlecker schließt 600 von 8.000 Geschäften in Deutschland. Lars Schlecker kündigt für 2012 weitere Schließungen an. Gerüchte um Zahlungsprobleme weist er zurück.

Jänner 2012: Schlecker verkündet seine Zahlungsunfähigkeit. Für 30.000 Mitarbeiter beginnt das Bangen um den Arbeitsplatz. Schlecker und die Unternehmenstochter IhrPlatz stellen Insolvenzanträge. Die Österreich-Tochter und andere Auslandstöchter müssen nicht Insolvenz anmelden.

März 2012: Es wird um staatliche Hilfen für Schlecker in Deutschland gerungen. Im Gespräch ist eine Kreditbürgschaft, mit deren Hilfe Schlecker einen Kredit aufnehmen soll, um damit eine Auffanggesellschaft für entlassene Mitarbeiter zu finanzieren. Das deutsche Wirtschaftsministerium lehnt schließlich eine Beteiligung ab. Eine von den deutschen Bundesländern getragene Bürgschaft scheitert am Widerstand der FDP.

Juni 2012: Der Gläubigerausschuss beschließt die Zerschlagung von Schlecker, nachdem sich Kaufinteressenten nach und nach zurückzogen. Am 27. Juni um 15.00 Uhr ist Schluss: Nach knapp dreiwöchigem Ausverkauf schließen die Läden endgültig ihre Türen. Der Betrieb Schlecker ist offiziell "stillgelegt".

Juli 2012: Der deutsche Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz verkauft 1.350 Schlecker-Standorte in Österreich, Italien, Polen, Belgien und Luxemburg mit knapp 5.000 Mitarbeitern überraschend an die Restrukturierungsgesellschaft TAP 09 rund um Rudolf Haberleitner.

November 2012: Haberleitner will 2013 bis zu 600 ehemalige Schlecker-Filialen mit dem Konzept eines modernen Tante-Emma-Ladens wiederbeleben. Völlig überraschend steigt der Glücksspielkonzern Novomatic zu 50 Prozent als Finanzinvestor bei dayli ein.

Mai 2013: dayli hat Finanzierungsprobleme und ersucht deshalb seine Lieferanten um einen Zahlungsaufschub. Novomatic gibt in der Nacht bekannt, aus seiner Beteiligung an dayli wieder auszusteigen und seinen Hälfteanteil an Haberleitner zurückzugeben. Der Glücksspielkonzern stellt das gewährte Darlehen in der Höhe von 10 Mio. Euro nicht sofort fällig und bleibt damit als "Finanzinvestor" an Bord.

Juni 2013: Haberleitner reiste nach Udine um dort einem vermeintlichen Investor eine Million als Anzahlung zu übergeben - damit der Investor dann mit 20 Mio. Euro bei dayli einsteigt. Allerdings hatte sich der Gönner als Dieb herausgestellt, er war mit dem Koffer samt der darin befindlichen Million Euro einfach davongelaufen - so die damalige Version.

Juli 2013: Noch vor dem geplanten Deutschland-Start ist der Schlecker-Nachfolger dayli pleite.

August 2013: Mehr als 3.000 dayli-Mitarbeiter in Österreich verlieren ihren Job

Jänner 2015: Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) ermittelt gegen Haberleitner und andere Personen wegen des Vorwurfs der Gläubigertäuschung. Haberleitner bestreitet die Vorwürfe.

April 2016: Die Staatsanwaltschaft Stuttgart erhebt Anklage gegen Anton Schlecker, seine Frau, seine beiden Kinder sowie zwei Wirtschaftsprüfer. Dem einstigen Drogeriemarktkönig wird vorgeworfen, Vermögen beiseite geschafft zu haben.

März 2017: Vor dem Landgericht Stuttgart soll der Prozess gegen Anton Schlecker und seine Familie beginnen. Es wird ein langwieriges Verfahren erwartet. Das Gericht legte bereits Verhandlungstermine bis Oktober fest. Auch das ehemalige Schlecker-Auslieferungslager im niederösterreichischen Pöchlarn, das wenige Tage vor der Insolvenz von Schlecker Deutschland an die Schlecker-Kinder verschoben wurde, könnte Thema beim Strafprozess in Stuttgart werden.

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