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Landespolitik

"Wahlzuckerl" vermeiden: Das Land beschließt erstmals ein Doppelbudget

16. Oktober 2019 00:04 Uhr

"Wahlzuckerl" vermeiden: Das Land beschließt erstmals ein Doppelbudget
Landeshauptmann Thomas Stelzer (r.) und sein Stellvertreter Manfred Haimbuchner präsentierten die Zahlen im Braunen Saal des Landhauses.

LINZ. Das Land Oberösterreich hat am Dienstag erstmals ein Doppelbudget präsentiert. Es beinhaltet nicht nur den geplanten Haushalt für 2020, sondern auch schon für das Landtagswahljahr 2021.

Debattiert und beschlossen wird das von ÖVP und FPÖ vorgelegte Doppelbudget in den Landtagssitzungen von 3. bis 5. Dezember.

Die mehrjährige Planung sei eine Absage an teure und unvernünftige "Wahlzuckerl", sagte Landeshauptmann Thomas Stelzer (VP): "Wir haben in den letzten Parlamentssitzungen vor der Nationalratswahl wieder miterlebt, was Unvernunft auf Kosten der nächsten Generationen anrichten kann." Landeshauptmann-Stv. Manfred Haimbuchner (FP) sprach von "Berechenbarkeit und Planbarkeit".

Schwarz-Blau plant 2020 und 2021 mit Überschüssen von rund 24 und 23 Millionen Euro. 2018 gab es erstmals seit Jahrzehnten mit etwa 18 Millionen Euro ein Plus. In den nächsten beiden Jahren sollen je knapp 100 Millionen an Schulden abgebaut werden – auf dann 2,57 Milliarden Euro. Stabilität und Verlässlichkeit seien für den Wirtschaftsstandort Oberösterreich essenziell, so Haimbuchner.

Exakt vergleichbar mit den Jahren davor sind die aktuellen Zahlen nicht, weil es eine weitere Premiere gibt: Das Land musste wegen Bundes-Vorgaben die Buchführungsmethode ändern – von der "Kameralistik" mit reiner Einnahmen-Ausgaben-Rechnung zur "Doppik" mit Ergebnis-, Finanzierungs- und Vermögenshaushalt.

Die Steuereinnahmen werden laut Annahmen des Landes 2020 und 2021 um 2,1 und 1,8 Prozent auf 3,16 Milliarden Euro steigen – also weniger als in den Jahren davor (plus 4,2 und 4,6 Prozent). Die noch von Türkis-Blau geplante Steuerreform sei schon voll eingepreist, weil man sehr vorsichtig agiere, sagte Stelzer. Nur die erste Tranche, die 2020 schlagend wird, wurde schon beschlossen.

Zu den Budgetschwerpunkten gehören laut Stelzer Gesundheit, Soziales und der öffentliche Verkehr. Das oft umstrittene Sozialbudget des Landes steigt um rund 3,7 und 3,6 Prozent auf dann 640 Millionen Euro. Darüber gebe es mit Soziallandesrätin Birgit Gerstorfer (SP) Einvernehmen, so wie mit allen Referenten über ihre Bereiche, so Stelzer.

Video: Land Oberösterreich beschließt Doppelbudget:

20 Millionen für Gemeinden

Weil man sich Spielräume geschaffen habe, soll es ein 20-Millionen-Euro-Paket für die Gemeinden geben, das noch präsentiert werde. Die Spital-Sprengelbeiträge steigen weniger stark. Jüngster Kritik der Gemeinden wegen höherer finanzieller Belastung bei Kindergärten entgegnete Stelzer: Das Budget für Kinderbetreuung steige insgesamt.

SP-Klubchef Christian Makor kritisierte "fehlende Transparenz" beim Doppelbudget und forderte die Einrichtung eines Budgetdienstes für den Landtag. Stelzer sagte, dass die Experten der Finanzdirektion zur Verfügung stünden.

Grünen-Klubobmann Gottfried Hirz nannte es "ignorant", dass der Sparkurs wichtige Klimaschutz-Investitionen blockiere. Stelzer und Haimbuchner verwiesen auf 400 Millionen Euro Förderungen in Wohnbau, Landwirtschaft, Energie und öffentlichem Verkehr. (az)

Zahlen und Fakten

6,794 Milliarden Euro betragen die Einzahlungen im Haushalt des Landes 2020. Auszahlungen: 6,770 Milliarden. 2021 sind es 6,961 bzw. 6,939 Milliarden Euro. Daraus ergeben sich Überschüsse von rund 24 und 23 Millionen Euro.

Neue Berechnung: 2018 gab es noch Ausgaben und Einnahmen von je rund 6,2 Milliarden Euro. Wegen neuer Vorschriften müssen nun aber auch 12.000 Dienstposten in ausgelagerten Firmen eingerechnet werden.

3,10 Milliarden Euro an Steuereinnahmen erwartet das Land 2020 (+2,1 %). 2021 sollen es 3,16 Milliarden sein (+1,8 %). Der große Rest zum Gesamtbudget sind vor allem Transferzahlungen zwischen Gebietskörperschaften.

Größte Ausgabenposten 2020: Auf Platz eins ist Gesundheit mit 1,07 Milliarden Euro (+4,1 %), dahinter Soziales 617 Millionen (+3,7 %), Wohnbau 278 Millionen (+/–0), Kinderbetreuung 258 Millionen (+4,2 %).

 

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