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Außenpolitik

Schlag gegen Hamas-Terroristen: Israel attackierte "Stadt unter der Stadt"

15. Mai 2021 00:04 Uhr

Schlag gegen Hamas-Terroristen: Israel attackierte "Stadt unter der Stadt"
Eine Explosion erhellt den Himmel nach einem israelischen Luftangriff auf Beit Lahia im nördlichen Gazastreifen.

JERUSALEM/GAZA. "Kommunikationspanne" von Bodentruppeneinsatz soll militärische Finte gewesen sein.

Mit massiven Luftschlägen attackierte Israel in der Nacht auf Freitag Tunnelsysteme der radikalislamischen Hamas in Gaza. Gestern kristallisierte sich heraus, dass der Attacke auf die "Stadt unter der Stadt" eine militärische Finte vorausgegangen war. Am Donnerstagabend war bekannt geworden, die israelische Armee bereite eine Bodenoffensive vor. Was die Streitkräfte am Morgen dementierten. Ein Sprecher entschuldigte sich sogar für die unklare Kommunikation.

Doch am Tag kristallisierte sich heraus, dass diese "Kommunikation" Teil einer Verwirrungstaktik gewesen sein dürfte. Die israelische Armee hatte Soldaten, Artillerie und Panzer unmittelbar an der Grenze zusammengezogen. Die Hamas sollte wohl annehmen, die Israelis würden einmarschieren und bereitete sich deshalb von dem Tunnelsystem aus auf einen defensiven Guerilla-Krieg vor.

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Die Bewegungen in dieses System sollen die israelischen Streitkräfte beobachtet und damit auch die Tunneleingänge entdeckt haben. Die solchermaßen in der Falle sitzenden Terroristen wurden daraufhin 40 Minuten lang attackiert – von Artillerie, Panzern und mehr als 160 Flugzeugen aus.

Teile der Tunnel eingestürzt

Durch das Bombardement stürzten Teile der Tunnel ein. Wie viele Hamas-Kämpfer verschüttet wurden, ist unklar. Von Seiten der Armee wurde nur kurz angemerkt: "Wir haben es nicht umsonst immer wieder gesagt: Die Tunnel werden für die Hamas zu Massengräbern." An dem weitverzweigten System, das die IDF (Israel Defense Forces) "Metro" nennt, habe die Hamas Jahre gearbeitet.

Die Gefechte zwischen Israel und den militanten Palästinenserorganisationen sind die heftigsten seit dem Gazakrieg 2014. Der Konflikt hatte sich während des Fastenmonats Ramadan und nach der Absage der palästinensischen Parlamentswahl zugespitzt. Als Auslöser gelten Polizeiabsperrungen in der Jerusalemer Altstadt. Hinzu kamen Auseinandersetzungen von Palästinensern und israelischen Siedlern im Jerusalemer Viertel Sheikh Jarrah wegen Zwangsräumungen sowie Zusammenstöße auf dem Tempelberg.

PALESTINIAN-ISRAEL-CONFLICT-PROTEST

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Die Hamas erklärte sich zum Verteidiger Jerusalems. Von Israel verlangte sie zu Wochenbeginn per Ultimatum unter anderem, dass alle israelischen Polizisten und Siedler den Tempelberg und Sheikh Jarrah verlassen. Die Hamas hat ihren Raketenbeschuss – mittlerweile 1800 – unter das Motto "Schwert von Jerusalem" gestellt. Israel nennt seinen Einsatz "Wächter der Mauern".

Eskalation mit Auswirkung auf Israels Innenpolitik

Die Unruhen zwischen Juden und Arabern in Israel im Zuge des sich zuspitzenden Nahost-Konflikts führen für Premier Benjamin Netanyahu zu steigenden Chancen auf einen Machterhalt. Sein derzeit schärfster Rivale auf das Amt, Yair Lapid, erlitt einen schweren Rückschlag beim Vorhaben, eine Regierung ohne Netanyahu zu bilden.

Die ultranationalistische Yamina-Partei, Königsmacher nach der Wahl vom 23. März, erklärte, Gespräche mit Lapid zu beenden und stattdessen eine breitere Einheitsregierung anzustreben. Dies sei in Zeiten einer Krise im Interesse des Landes, sagte Yamina-Chef Naftali Bennett.

Lapid ist aktuell mit der Regierungsbildung beauftragt, nachdem Netanyahu daran gescheitert war. Zuletzt führte Lapid Gespräche mit Bennett zur Bildung einer „Regierung des Wandels“. Um dies zu erreichen, wären beide im Parlament aber auch auf Stimmen arabischer Abgeordneter angewiesen. Angesichts der Unruhen zwischen israelischen Juden und israelischen Arabern sei das Vorhaben erledigt und Netanyahu komme wieder ins Spiel, schrieb die Zeitung „Maariv“ am Freitag.

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