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Außenpolitik

Benzinkrise: Großbritannien mobilisiert nun das Militär

Von OÖN   29. September 2021 00:04 Uhr

Benzinkrise: Großbritannien mobilisiert nun das Militär
An der Zufahrt zu Tankstellen herrschen lange Schlangen, jeder versucht, letzte Benzinreserven zu ergattern.

LONDON. Der Kraftstoffmangel spitzt sich bedrohlich zu, doch frühestens in zehn Tagen sind die Soldaten für ihren Einsatz ausgebildet.

Aus Angst vor einer weiteren Eskalation der Benzinkrise in Großbritannien hat die Regierung Boris Johnsons beim Militär Hilfe angefordert: "Falls erforderlich, wird der Einsatz von Militärpersonal die Versorgungskette vorübergehend mit zusätzlichen Kapazitäten unterstützen, um den Druck zu lindern, der durch die erhöhte Nachfrage nach Kraftstoff entsteht", teilte Wirtschaftsminister Kwasi Kwarteng gestern mit. Eine begrenzte Anzahl von militärischen Tankwagenfahrern sei bereits in Bereitschaft versetzt.

Konkret geht es dabei zunächst um 150 Soldaten. Und auch ihr Einsatz dürfte noch auf sich warten lassen. Denn bis die Soldaten ausgebildet sind, vergehen noch mindestens zehn Tage. "Viel zu spät und viel zu wenig" habe die Regierung hier unternommen, klagen Johnsons Kritiker.

Unterdessen riefen mehrere Unternehmen aus der Ölbranche zur Zurückhaltung an der Zapfsäule auf: Es gebe genug Kraftstoff, und man arbeite mit der Regierung daran, dass er im ganzen Land verfügbar sei, versicherten sie. Doch das Bild, das sich den Briten derzeit bietet, ist ein anderes: An zahlreichen Tankstellen gibt es Engpässe von Benzin und Diesel, seit Tagen kommt es zu Panikkäufen und langen Schlangen. Vielerorts musste Polizei aufziehen, um die Zufahrt zu Tankstellen zu sichern und Verkehrsstaus zu verhindern. Von mehreren Tankstellen wurden Handgreiflichkeiten zwischen Fahrern gemeldet. Ärzte, Pfleger und Ambulanzfahrer klagten bitter, ihren Dienst nicht tun zu können.

"Helfen nicht aus der Scheiße"

Hintergrund ist ein gewaltiger Mangel an Lastwagenfahrern, der zuvor bereits zu leeren Supermarktregalen geführt hat. Wegen der Corona-Pandemie wurden etliche Fahrstunden und -prüfungen verschoben. Zudem wanderten wegen des Brexits etwa 20.000 vor allem osteuropäische Fachkräfte ab – neue strenge Einwanderungsregeln hemmen nun aber den Zuzug.

Um die Probleme zu bekämpfen, will die Regierung unter anderem Arbeitsvisa für bis zu 5000 ausländische Lastwagenfahrer ausstellen. Doch der niederländische Lastwagenfahrer-Verband winkte bereits ab: "Die EU-Fahrer werden nicht mit einem Kurzzeitvisum nach Großbritannien kommen, um den Briten aus der Scheiße zu helfen, für die sie selbst verantwortlich sind." Regierungschef Boris Johnson dementiert zwar weiterhin einen direkten Zusammenhang mit dem Brexit, doch für den ehemaligen EU-Chefunterhändler in den Brexit-Gesprächen, Michel Barnier, ist klar: Großbritannien müsse nun den Konsequenzen des EU-Austritts ins Auge sehen.

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