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Weltspiegel

Florida Keys nach "Irma" nicht erreichbar

Von Thomas Spang aus Washington/apa   12. September 2017 00:04 Uhr

Hurrikan "Irma" zog eine Spur der Verwüstung in der Karibik

WASHINGTON. Nach dem verheerenden Hurrikan "Irma" geht das Weiße Haus davon aus, dass Bewohner der Florida Keys möglicherweise über Wochen nicht auf die Inselgruppe zurückkehren können. Zudem gibt es Stromausfälle und massive Plünderungen in Florida. Der Monsterhurrikan löst neuen Streit um den Klimawandel aus.

Es werde dauern, bis sich die Gegend von dem Sturm erholt habe, sagte der Heimatschutzberater von US-Präsident Donald Trump, Tom Bossert, am Montag in Washington.

Man habe Grund zur Annahme, dass einige der Zugbrücken, die die Straßen zwischen den Inseln verbinden, verbogen seien. "Ich würde davon ausgehen, dass Einwohner über Wochen nicht auf die Keys gelangen können", so Bossert.

Die Inselgruppe war Sonntagfrüh (Ortszeit) direkt vom Auge des Sturms getroffen worden. Sie liegt vor der Südspitze Floridas und hat rund 70.000 Einwohner. Die einzige Landverbindung zwischen den Inseln und dem Festland ist der Overseas Highway, der im weiteren Verlauf zum großen Teil aus Brücken besteht.

Flugzeugträger entsandt

"Irma" hinterließ auf den Keys gewaltige Verwüstung. Auf Bildern waren zerstörte Häuser zu sehen, sie hatten sich zum Teil von ihren Fundamenten gelöst. Boote wurden aufs Land gespült, Bäume knickten ein. Es kam zu Stromausfällen. Um die Rettungsmaßnahmen zu unterstützen, schickte das Verteidigungsministerium einen Flugzeugträger zu den Inseln.

Halb Florida hat keinen Strom mehr

Hurrikan "Irma" unterbrach die Energieversorgung für fast sechs Millionen Haushalte. Auf dem Weg nach Norden hinterlässt der Supersturm eine Spur der Verwüstung. Diebe nützten das Chaos, um Geschäfte zu plündern und in Wohnungen einzubrechen. Die Leugner des Klimawandels stürzte Irma in Nöte.

Mit seiner "Navy"-Baseballkappe, den aufgekrempelten Ärmeln und der vorgeschobenen Unterlade sieht der Gouverneur von Florida wie ein zupackender Macher aus. Jedenfalls so wie sich Amerikaner ihre Führer in der Stunde der Bewährung vorstellen. Der sonst eher blasse Rick Scott gefällt sich in der Rolle, die er mit düsteren Warnungen vor und nach der Ankunft des Monstersturms an die Bürger ausfüllt.

"Bin kein Wissenschafter"

"Sie werden die Sturmflut nicht überleben", warnte er zuletzt eindringlich, von den Stränden fernzubleiben. Die Gefahr durch Irma sei noch nicht gebannt. Doch wenn es um das Thema Klimawandel geht, das Extremwetter wie Hurrikan "Irma" so gut wie unbestritten wahrscheinlicher macht, gibt er sich zugeknöpft. "Ich bin kein Wissenschafter" antwortete Scott auf eine Reporterfrage.

Während "Irma" über Florida wütete erinnern Scotts Kritiker daran, dass der Gouverneur kürzlich noch ganz andere Ansichten vertrat. Per Dienstanweisung ordnete er 2015 die Staatsbediensteten an, das Wort "Klimawandel" offiziell nicht zu gebrauchen. Vergangenen Monat beschloss das republikanisch kontrollierte Parlament ein Gesetz, das es Eltern erlaubt, die Nutzung von Schulbüchern in Frage zu stellen, die den Stand der Klimaforschung lehren.

Angesichts der abgeschnittenen Inseln an der Südspitze Floridas, den überfluteten Straßen Miamis, der Sturmflut in der Bucht von Tampa, den zerlegten Häusern, den wie Streichhölzer geknickten Stromleitungen und der größten Zwangsevakuierung in der Geschichte Floridas von 6,5 Millionen Menschen klingt das in den Ohren vieler Betroffener wie Hohn. "Es wird Zeit über den Klimawandel zu sprechen", verlangt der Bürgermeister von Miami, dem Republikaner Tomás Regalado, von Scott und dem "Klimaleugner-in-Chief" Donald Trump angesichts der Zerstörungen, die der Monstersturm angerichtet hat. "Das hier war ein Vorbote dessen, was noch kommen wird", warnt Regalado vor den Konsequenzen, der immer wärmeren Ozeane. Die Regierung müsse endlich handeln.

Präsident Trump, dessen Golfclub in Mar-a-Largo in Palm Beach von größeren Schäden verschont blieb, schaltet auf Durchzug. Stattdessen unterzeichnete er eine Erklärung, die den Weg für Katastrophenhilfe nach "Irma" freimacht. Dem zweiten Hurrikan nach "Harvey", der als "Kategorie 4"-Sturm mit Windgeschwindigkeiten über 209 Stundenkilometer am Wochenende in den Florida Keys auf Land traf. Aufgrund seiner enormen Ausdehnung wütete "Irma" über dem gesamten Süden Floridas. Ihr Auge bewegte sich mit zerstörerischer Kraft die Westküste entlang. Von Fort Myers und Cape Coral im Südwesten über die dicht besiedelte Bucht von Tampa hoch in den Pfannenstiel an der Golfküste.

Rettungskräfte, die am Montag versuchten, sich ein Bild vom Ausmaß der Schäden zu machen, wurden durch Tornados und die Sturmflut behindert. Der Direktor des Nationalen Katastrophendienstes FEMA Brock Long sprach von 5,8 Millionen Haushalten ohne Strom. Das entspricht etwa der Hälfte des Bundesstaates.

Einige Gegenden werden über Wochen keine Energieversorgung haben. Wie auch die Versorgung mit sauberem Trinkwasser ein Problem ist. Eindringlich warnen die Behörden vor der anhaltenden Gefahr durch Sturmfluten. Insbesondere in den nur knapp über dem Meeresspiegel gelegenen Ballungsraum der Bucht von Tampa. Die Einwohner dort erlebten am Sonntag ein gefährliches Naturschauspiel als die ersten Orkane "Irmas" das Wasser vom Strand wegzogen und eine Szene wie am Wattenmeer zurückließen. Umso heftiger kam die Flut zurück, als die Winde sich drehten.

Die kommenden Tage werden nun zeigen, ob die Deiche dieser extrem überflutungsgefährdeten Region halten. "Wir scheinen mit einem blauen Auge davongekommen zu sein", sagte Bob Buckhorn, nachdem das Zentrum des Hurrikans abgezogen war. Jetzt bereiten sich die Bundesstaaten Georgia, Alabama und Süd-Carolina auf den zu einem tropischen Sturm abgestuften Hurrikan "Irma" vor.

Judoka Filzmoser floh aus Venice

Oberösterreichs Judo-Ass Sabrina Filzmoser hat sich vor Hurrikan „Irma“ in Sicherheit gebracht: Die 37-Jährige absolviert derzeit im US-Staat Florida den zweiten Teil ihrer internationalen Pilotenausbildung. Aus Venice, wo die Thalheimerin ihr Quartier aufgeschlagen hat, ist sie nach San Diego geflohen, teilte ihr Förderer Willi Reizelsdorfer am Montag mit.

 

Fakten zum Monsterhurrikan: "Schießt nicht auf Irma"

  • Bis zu 40 Milliarden Dollar: Hurrikan „Irma“ hat Branchenexperten zufolge hohe Kosten für die Versicherungsbranche verursacht. Die versicherten Schäden in den USA könnten zwischen 20 und 40 Milliarden US-Dollar (16 bis 33 Milliarden Euro) liegen, erklärte der Fachdienst „Air Worldwide“ gestern in einer aktualisierten Schätzung.
  • Zwei Pferde im Wohnzimmer: Eine Wohngemeinschaft im Okeechobee County (US-Staat Florida) hat zwei Pferde in ihrer Wohnung vor „Irma“ in Sicherheit gebracht. Auf Facebook veröffentlichte eine der Mitbewohnerinnen ein Video, auf dem die Pferde in ihrem Wohnzimmer zu sehen sind. „Sie mögen es“, sagte die Frau einem örtlichen TV-Sender.
  • Nicht schießen! Wie wird man einen Hurrikan wieder los? Mit Waffen jedenfalls nicht, sagt der Sheriff von Pasco County an der Westküste Floridas, nördlich der Stadt Tampa. „Um es deutlich zu machen: Schießt nicht auf Irma. Ihr werdet sie nicht zum Umdrehen bewegen, und es wird sehr gefährliche Nebenwirkungen haben“, hieß es auf der offiziellen Profilseite des Sheriffs. Die Kugeln könnten Menschen verletzen.
  • Zuvor war auf Facebook eine Veranstaltung mit dem Namen „Schießt auf Hurrikan Irma“ angelegt worden, an der Zehntausende Menschen online Interesse bekundet hatten. „Es gab keine Schüsse. Wir wissen nicht, ob da jemand einen Witz oder eine ernsthafte Drohung gemacht hat“, sagte der Sprecher des Sheriffs von Pasco County, Doug Tobin, der „Washington Post“.
  • 12.000 Flüge gestrichen: Aufgrund der Auswirkungen von Hurrikan „Irma“ sind weltweit bereits mehr als 12.000 Flüge ausgefallen. Allein im US-Bundesstaat Florida hätten an Flughäfen wie Miami, Orlando oder Tampa bereits mehr als 9000 Flüge nicht stattgefunden, berichteten US-Medien gestern unter Berufung auf die Flugbeobachtungs-Webseite „FlightAware.com“.
  • 21 Namen vorrätig: Stürme haben Namen, damit man sich besser auf sie vorbereiten und sich besser an sie erinnern kann. In den 1950er-Jahren ursprünglich vom US-Hurrikanzentrum geführt, ist heute die „Weltorganisation der Meteorologen“ (WMO) für die Liste der Namen verantwortlich. Die WMO hat für den Atlantik und den östlichen Nordpazifik sechs solcher Listen, die alle sechs Jahre von vorne beginnen. Die Namen sind alphabetisch gelistet, deswegen folgte 2017 „Irma“ auf „Harvey“.
  • Auch für die nächsten Stürme der laufenden Hurrikansaison über dem Atlantik sind die Namen bereits festgelegt. Laut US-Hurrikanzentrum werden – oder würden – sie Lee, Maria, Nate, Ophelia, Philippe, Rina, Sean, Tammy, Vince und Whitney heißen.
  • Für jede Saison sind 21 Namen vorrätig. Sie werden nicht nach bestimmten Vorbildern ausgewählt, sondern sollen in der jeweiligen Region eingängig sein und vertraut klingen.
  • Hoher Besuch in der Karibik: Hurrikan „Irma“ hat nicht nur in Florida, sondern auch in der Karibik gewaltige Schäden angerichtet. Betroffen waren unter anderem niederländische und französische Überseegebiete bzw. Inseln. Der niederländische König Willem-Alexander hat bereits die Inseln Sint Maarten und Curaçao besucht.
  • Der französische Staatspräsident Emmanuel Macron wird heute in Saint-Martin erwartet – mit Hilfsgütern und Verstärkung, wie aus Paris verlautete.
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