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Blogger im Vatikan: Vonhogen im Auftrag des Herrn im Netz

Von Stefan Küpper, Rom, 04. Mai 2011, 00:04 Uhr
Blogger im Vatikan
Kirche im Web Bild: Dpa

Es ist sehr viel Marmor im Palazzo Pio X, auch im Kongresssaal. Der Saal ist voll besetzt. Auch das holzgetäfelte Podium vorne. Schweres Holz, rotes dickes Tischtuch. Weniger greifbar ist das, was durch die breiten Mauern über den Vatikan hinaus in alle Welt gesendet ...

Es ist sehr viel Marmor im Palazzo Pio X, auch im Kongresssaal. Der Saal ist voll besetzt. Auch das holzgetäfelte Podium vorne. Schweres Holz, rotes dickes Tischtuch. Weniger greifbar ist das, was durch die breiten Mauern über den Vatikan hinaus in alle Welt gesendet wird. 150 Schreiber sind gekommen. Sie verfassen digitale Tagebücher, wenn man Blogs so nennen möchte.

Es hätten auch Hunderte mehr sein können. Am Ende musste das Los entscheiden. Es fiel auch auf Roderick Vonhogen. Der bloggende Priester aus Holland hat während der Seligsprechung vom Petersplatz aus direkt Fragen zur Kirche beantwortet. Eine war: „Muss man eigentlich tot sein, um seliggesprochen zu werden?“

Auch sonst ist Vonhogen im Auftrag des Herrn ziemlich häufig im Netz, sehr zum Leidwesen des einen oder anderen Kollegen. Wie viele junge Gläubige erreicht man heute an einem normalen Sonntag in der Kirche? Und wie viele im Netz? Die Antwort kennt man im Vatikan längst, denn sonst gäbe es diese Konferenz kaum. Auch wenn man sich Zeit gelassen hat. Es ist ja nicht so, dass Blogs der letzte Schrei wären.

Es geht darum, einen Kontakt herzustellen zu einer Sphäre von Gläubigen, die schwierig zu greifen ist. Man möchte die ansprechen, die an einem respektvollen Gespräch zwischen digitaler Kultur und der Kirche interessiert sind. Also nicht nur Katholiken. Das sagte der Präsident des Päpstlichen Rates für soziale Kommunikationsmittel, Erzbischof Claudio Maria Celli, am Anfang.

Einen Benedikt-Blog gibt es allerdings noch nicht. Auch wenn im Vatikan an einem neuen einheitlichen Online-Auftritt gearbeitet wird. Aber das ist die andere Seite. Denn es macht einen Unterschied, ob der Vatikan über die verschiedenen Kanäle (Glaubens)-Inhalte verbreitet, die er kontrollieren kann.

Oder ob von religiösen Menschen in Blogs über die Kirche geschrieben wird. Die Szene ist jedenfalls sehr lebendig. Es wird viel geschrieben, also Meinung gemacht. Ob die Blogs nun americanpapist heißen, oder aber Orwell’s Picnic. An diesem Tag sogar so viel, dass zwischendrin das Internet etwas überlastet ist.

Hilary White, die Autorin von Orwell’s Picnic: „Manche Blogger sind etwas ängstlich. Wir wollen keine Regeln. Das Netz ist frei. Wir wollen schreiben, was wir denken.“ Gegen Ende stellt einer die Frage, wann sich alle wieder sehen werden. Aber wann der nächste Blogger-Gipfel des Vatikans ist, kann noch niemand sagen. Dafür bittet man, zum gemeinsamen Gebet aufzustehen. Ein paar bleiben sitzen.

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