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"Ich wünsche mir zehn weitere Runtastics in Oberösterreich"

Von Martin Roithner  21. November 2020 06:00 Uhr

Florian Gschwandtner
"Ein Geschäftsmodell, so wie es immer war, gibt es heute nicht mehr. Man muss neue Entwicklungen rasch erkennen", sagt Gschwandtner.

LINZ. Wie Unternehmer und Investor Florian Gschwandtner die digitale Zukunft sieht.

Sein Name ist mit dem wohl bisher größten Erfolg eines Start-ups in Oberösterreich verbunden: Florian Gschwandtner gründete 2009 mit drei Kollegen in Pasching die Fitness-App Runtastic. Sechs Jahre später kaufte der deutsche Sportartikelkonzern Adidas das Unternehmen um 220 Millionen Euro. Heute ist Gschwandtner als Investor und Experte tätig. Bei den Digital Days sprach er über...

die Anfänge bei Runtastic: "Damals haben wir gar nicht so viel Zuspruch bekommen. Viele Leute haben gemeint, das funktioniert eh nicht. Aber wir sind immer drangeblieben." Die Tatsache, dass Runtastic in Oberösterreich gegründet wurde, zeige, dass die digitale Welt keine Grenzen habe, so Gschwandtner. Weil Runtastic in den ersten Jahren nur in der deutschen und englischen Version erschien und über kein Marketingbudget verfügte, wurden Nutzer aus Italien und Spanien angeschrieben und so zu "Übersetzern". Gschwandtner: "Binnen drei Wochen haben wir unsere App in drei weiteren Sprachen herausgebracht, und das praktisch ohne Zusatzkosten."

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die digitale Transformation: Weder CEO noch CTO, sondern Covid-19 sei bei einigen Unternehmen in jüngster Zeit der Grund für den digitalen Wandel gewesen, betont Gschwandtner. Die Krise habe die ohnehin schon rasante Entwicklung zusätzlich beschleunigt. Ressourcen wie Computer, Internetzugang, Speicher, Sensoren und Prototypen seien weltweit "unendlich und günstig" verfügbar. "Um 50 Millionen Menschen zu erreichen, hat die Luftfahrt 64 Jahre gebraucht. Das Auto kommt auf 62 Jahre, der Computer auf 14 Jahre. Und das Spiel Pokémon Go hat dafür nur 19 Tage gebraucht", sagt Gschwandtner. Dies unterstreiche die Kraft, die in der Digitalisierung stecke.

die digitale Disruption: Dass neue Technologien alte ablösen, sei kein Geheimnis mehr, sagt Gschwandtner. Als Beispiele nennt er etwa das von Elon Musk erfundene Transportsystem Hyperloop, pflanzenbasierte Burger, Häuser aus dem 3D-Drucker und die 5G-Technologie, welche die Grundlage schaffe, alle Geräte miteinander zu vernetzen. "Im Wesentlichen geht es bei allen Technologien um Daten. Und da sind die Daten der vergangenen 180 Tage wichtiger als die der vergangenen zehn Jahre", sagt der Unternehmer und spielt dabei auf die Folgen der Coronakrise an.

digitale Geschäftsmodelle: "Das Geschäftsmodell, so wie es immer war, gibt es heute nicht mehr", sagt Gschwandtner. Zu schnelllebig sei der digitale Fortschritt. Unternehmer müssten neben Mut und Strategien auch die Bereitschaft mitbringen, ständig das Geschäftsmodell zu verbessern. In der digitalen Welt vermische sich vieles: Es gebe Gratis-Angebote, Abonnements, Miet- und Leihgebühren und sogar die Möglichkeit einer Gewinnbeteiligung für Nutzer. Dies zu erkennen und das jeweilige Geschäftsmodell herauszufiltern, sei entscheidend.

Manager und Führungskräfte: Obwohl sich diese Funktionen ähneln, gebe es Unterschiede. "Manager sind Verwalter, Führungskräfte sind Visionäre." Während die einen Ordnung und Stabilität im Unternehmen wahren, seien die anderen für den Wandel zuständig, sagt Gschwandtner. Als Führungskraft sei es wichtig, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. "Wenn man immer nur Feuer löschen muss, hat man keine Zeit mehr für andere Dinge." Gschwandtner kündigte an, 2021 ein Start-up zum Thema Führung zu gründen.

sein Investment in Start-ups: Gschwandtner ist mittlerweile an mehr als 30 Unternehmen beteiligt. "Ich liebe es, in Teams zu investieren, bei denen ich merke, dass das Feuer brennt." Es sei gut, dass es in Österreich einige Investoren in der Szene gebe. "Jedes erfolgreiche Start-up bringt Wertschöpfung in die Region. Ich wünsche mir in Zukunft zehn weitere Runtastics für Oberösterreich."

digitalen Stress: "Anrufe, SMS, Facebook, WhatsApp, Instagram: Überall ballern die Nachrichten rein. Man muss sich selbst vor dem Überfluss an Information schützen", sagt Gschwandtner. Er selbst hat das Smartphone so eingestellt, dass ab 22 Uhr keine Anrufe mehr eingehen. Auch die Zahl der Benachrichtigungen hat er stark reduziert. Und an einigen Wochenenden im Jahr verzichtet Gschwandtner auf Termine. "Es ist extrem wichtig, Zeit für sich selbst zu schaffen. Manche werfen einem Arroganz vor, wenn man ihnen nicht zurückschreibt. Aber das ist bei mir bei Tausenden Nachrichten am Tag unmöglich."

 

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Martin Roithner

Redakteur Wirtschaft

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