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Chronik

Schneefälle: Höchste Lawinenwarnstufe in Osttirol, angespannte Lage in Kärnten

Von nachrichten.at/apa   06. Dezember 2020 11:31 Uhr

Wegen Neuschnee: Höchste Wetterwarnung in Teilen Österreichs

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PRÄGRATEN/LIENZ. Die anhaltend starken Schneefälle sowie Sturm auf den Bergen haben in Osttirol die Lawinengefahr weiter ansteigen lassen.

Der Lawinenwarndienst Tirol gab für Sonntag Stufe "5", also die höchste Gefahrenstufe, aus. Aus hoch gelegenen Einzugsgebieten seien im Tagesverlauf spontane Lawinen zu erwarten, vereinzelt auch extrem große, hieß es. Dies gelte für alle Expositionen. Für Montag wurde im Bezirk Lienz Entspannung prognostiziert, die Lawinengefahr nehme ab.

Exponierte Teile von Verkehrswegen und exponierte Siedlungen können gefährdet sein, so die Experten des Lawinenwarndienstes am Sonntag. Anzahl und Größe der Gefahrenstellen sowie die Lawinenaktivität würden im Tagesverlauf zunehmen.

"An steilen Grashängen sind unterhalb von rund 2.600 Metern vermehrt große und vereinzelt sehr große Gleitschneelawinen zu erwarten", hieß es. Gebietsweise steige die Gefahr von Gleitschneelawinen mit dem Regen an. Spontane Lawinen würden die gefährliche Situation bestätigen.

In Nordtirol wurde die Gefahrenlage als weniger extrem eingestuft. Doch auch hier galt oberhalb der Waldgrenze teilweise Stufe "4", also große Lawinengefahr.

Dass die Lawinensituation in Osttirol derzeit sehr angespannt ist, verdeutlichte der Abgang eines Schneebrettes am frühen Samstagabend in Prägraten am Großvenediger. Dabei wurden vier Häuser sowie ein Fahrzeug beschädigt. Personen wurden nicht verletzt. Es kam jedoch zur Evakuierung von über 100 Menschen, die in andere Ortsteile ausweichen mussten.

Lawinenabgang in Prägraten am Großvenediger 

Anhaltend starke Schneefälle haben am frühen Samstagabend in Prägraten am Großvenediger in Osttirol zu einem Lawinenabgang geführt.

Wegen Neuschnee: Höchste Wetterwarnung in Teilen Österreichs

Dabei wurden laut Polizei vier Häuser sowie ein Fahrzeug beschädigt. Personen wurden ersten Informationen zufolge nicht verletzt. Zuvor hatte die Gemeindeeinsatzleitung Prägraten am Nachmittag insgesamt 29 Personen aufgefordert, ihre Wohnhäuser zu verlassen und ihren Aufenthalt vom westlichen in den östlichen Ortsteil von Bobojach zu verlegen. Die Evakuierung von rund 90 weiteren Personen in den Ortsteilen Bichl, Wallhorn und nördlich des Dorfzentrums sei derzeit im Gange, hieß es. Die Feuerwehr Prägraten, die Bergrettung, Gemeindearbeiter und die Alpinpolizei Lienz standen im Einsatz.

Angespannte Situation im westlichen Kärnten

In Kärnten war die Wettersituation am Sonntag angespannt: Im Westen des Landes herrschte große Lawinengefahr mit Warnstufe 4 in den Gailtaler und Karnischen Alpen sowie in den Karnischen Alpen und den Hohen Tauern. Zahlreiche Bergstraßen waren nur mit Schneeketten befahrbar oder überhaupt gesperrt, darunter der Plöckenpass oder die Zufahrt ins Lesachtal. In den Niederungen des Klagenfurter Beckens regnete es stellenweise heftig.

Die Straße über den Plöckenpass und in das Lesachtal waren wegen Lawinengefahr ab Kötschach-Mauthen gesperrt, wie die Bezirkshauptmannschaft Hermagor am Nikolotag mitteilte. An der Räumung werde gearbeitet. Schneekettenpflicht besteht nach wie vor für den Kreuzberg und die Windische Höhe sowie für das Nassfeld. Besonders im Oberen Gailtal und im Lesachtal herrschten am Sonntagvormittag anhaltend starker Schneefall. Teilweise wuchsen die Schneehöhen auf über einen Meter.

Im Bezirk Spittal an der Drau war nach wie Kettenpflicht für alle Fahrzeuge über die Katschbergstraße (B99) zwischen Rennweg und der Passhöhe. Auf den Bergen wehte heftiger Wind.

Im Osten des Landes herrschte laut ÖAMTC Schneekettenpflicht für alle Fahrzeuge über die Weinebenestraße von Frantschach nach Deutschlandsberg in der Weststeiermark sowie über das Klippitzthörl. Die schwierigen Witterungsverhältnisse dürfte viele Angehörige des Kärntner Bildungspersonals daran hindern, sich wie angemeldet zu den Coronavirus-Testungen zu begeben.

3.500 Haushalte in Tirol vorerst ohne Strom

In Tirol waren am späten Sonntagvormittag rund 3.500 Haushalte wegen umgestürzter Bäume auf Stromleitungen im Zuge der starken Schneefälle und Unwetter ohne Strom. Dies sagte Christian Ammer von der Tinetz-Stromnetz Tirol der APA. 22 Gemeinden mit insgesamt 95 unversorgten Trafostationen waren vorerst betroffen - und das nicht nur in Osttirol, sondern auch in Nordtirol vom Brenner über das Wipptal bis ins Ötztal.

Im Ötztal konnte laut Ammer noch am Vormittag eine 110 KV-Leitung wieder repariert werden. Zuvor waren es tirolweit zwischenzeitlich 7.000 Haushalte, die ohne Strom waren. Man habe es mit "massiven Baumbrüchen" zu tun. Die Einsatzkräfte seien rund um die Uhr im Einsatz, könnten aber immer wieder aufgrund gesperrter Straßen nicht zu den betroffenen Störstellen gelangen. Zudem würden sich viele wegen des Baumbruches in einem Gefahrenbereich befinden. Bei der Wiederherstellung der Stromversorgung werde es sich sicher noch um Stunden handeln.

Aus dem von Schnee und Unwetter besonders betroffenen Osttirol wurden indes auch einige Murenabgänge gemeldet - so etwa in Nussdorf-Debant, wie der ORF Tirol berichtete. Dort wurden mehrere Häuser von einer Mure getroffen. Die Feuerwehr war damit beschäftigt, das Wasser abzupumpen. Auch in Leisach, Dölsach und Nikolsdorf waren Feuerwehren im Einsatz.

Die starken Niederschläge hinterließen vereinzelt auch in Nordtirol ihre Spuren. So kam es in Kolsassberg im Tiroler Unterland etwa zu einem Hangrutsch. Eine Straße wurde dabei auf einer Breite von 15 Metern vermurt. Sie musste für den gesamten Verkehr gesperrt werden. Zudem führten die starken Schneefälle mitunter auch zu Straßensperren. So war etwa die Ötztalstraße zwischen Umhausen und Längenfeld nicht geöffnet..

Auch im Bahnverkehr kam es zu Problemen: So war aufgrund der Witterung laut ÖBB vorerst kein Zugverkehr auf der Brennerstrecke zwischen Steinach und dem Brenner sowie auf der Karwendelbahn möglich. Gries am Brenner und der Bahnhof Brenner auf italienischer Seite konnten zunächst nicht angefahren werden. Ebenfalls gesperrt war auf der Karwendelbahn der Abschnitt zwischen Reith und Seefeld.

Videoaufnahmen zeigen die Lage in Lienz am Samstag:

Föhnsturm in den Bergen

Auf vielen Bergen bläst an diesem Wochenende ein Föhnsturm mit mehr als 100 km/h. So registrierte die ZAMG am Samstagvormittag am Sonnwendstein (Niederösterreich, 1.500 Meter Seehöhe) Windspitzen bis 133 km/h, am Dachstein (Steiermark/Oberösterreich, 2.700 Meter) bis 126 km/h sowie am Hahnenkamm (Tirol, 1.794 Meter) und am Brunnenkogel (Tirol, 3.437 Meter) bis zu 124 km/h. "Auch in den Niederungen greift der Föhnsturm zeitweise durch", hieß es. So wurden in Bad Mitterndorf (Steiermark) am Samstagvormittag 99 km/h gemessen, in Mariazell (Steiermark) 84 km/h und in Mondsee (Oberösterreich) 75 km/h.

Wegen der großen Schneelast könnten Bäume auf Straßen, Stromleitungen und Bahn-Oberleitungen stürzen sowie Lawinen abgehen. Außerdem führe die Kombination aus großen Schnee- und Regenmengen auf gefrorenem Boden dazu, dass das Wasser nicht abfließen kann und kleinräumige Überschwemmungen verursacht.

Am Montag werden Regen und Schneefall im Süden und Westen Österreichs schwächer oder legen überhaupt Pausen ein. In der weiteren Entwicklung gibt es dann noch Unsicherheiten, sagt ZAMG-Meteorologe Hohnwarter: "Mitte der Woche entwickelt sich wahrscheinlich ein weiteres Italien-Tief und es schneit und regnet erneut, wenn auch nicht so stark wie an diesem Wochenende. Allerdings wird die Zugbahn dieses Tiefs von den Vorhersagemodellen noch sehr unterschiedlich berechnet und damit auch die Auswirkungen auf Österreich."

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