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Chronik

Coronavirus: Sechster Corona-Virus-Fall in Österreich bestätigt

28. Februar 2020 15:46 Uhr

Die Infizierten befinden sich im Kaiser-Franz-Josef-Spital in Wien.

GENF/WIEN. Auch der Sohn eines bereits mit dem Coronavirus infizierten Wiener Paares ist positiv getestet worden. Somit ist die Zahl der Infizierten in Wien auf vier gestiegen. Wir halten Sie über die aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Die wichtigsten Infos im Überblick: 

  • In Österreich gibt es seit Freitagnachmittag sechs bestätigte Corona-Virus-Fälle: Vier Personen sind in Wien erkrankt, zwei in Tirol. Es wurde eine Taskforce gegründet, für den Nachmittag kündigte Gesundheitsminister Anschober zwei Erlässe und drei Verordnungen an, damit zentrale Vorgaben rechtsverbindlich in allen Bundesländern umgesetzt werden.
  • Keinen bestätigten Fall gibt es derzeit in Oberösterreich, wo ab Montag ein Koordinierungsstab eingerichtet wird. Derzeit gibt es "eine zweistellige Zahl" an Verdachtsfällen, verteilt auf das ganze Land. 
  • Die Schweiz verbietet nach mehrere bestätigten Infektionen alle Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Personen. Davon wird auch der Genfer Autosalon und die Basler Fastnacht betroffen sein. Auch die weltgrößte Reisemesse, die nächste Woche in Berlin stattfinden sollte, wurde abgesagt. 
  • In Italien ist die Zahl der Todesopfer auf 21 gestiegen. 345 Infizierte liegen im Spital, 64 befinden sich auf der Intensivstation. Insgesamt gibt es 821 Infizierte.
  • Sie befürchten, sich mit dem Corona-Virus infiziert zu haben? Was Sie in diesem Fall tun sollten, erfahren Sie in >> diesem Artikel

Schüler am Gymnasium Hollabrunn infiziert

In Österreich gibt es mittlerweile sechs bestätigte Fälle: Am Freitagnachmittag wurde bekannt, dass sich auch der Sohn des infizierten Wiener Paares mit dem Virus angesteckt hat. Die Tochter ist hingegen nicht infiziert, teilte das Büro von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker mit.

Der Jugendliche besucht das Erzbischöflichen Gymnasium Hollabrunn. Die Bezirkshauptmannschaft habe umgehend Maßnahmen zur häuslichen Quarantäne eingeleitet, teilte Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) am Freitagabend nach einer Lagebesprechung im NÖ Landhaus mit.

Die gesamte Familie befindet sich derzeit im Kaiser-Franz-Josef-Spital (KFJ). Die Eltern der Kinder hatten sich zunächst in der Wohnung aufgehalten und waren am Donnerstag ins Krankenhaus gebracht worden. Denn die beiden leiden unter einer leichten Lungenentzündung und wurden darum stationär aufgenommen.

In Wien sind somit bisher vier Personen positiv getestet worden. Neben dem Wiener Paar - der Mann war in Italien auf Urlaub - und deren Sohn ist auch ein 72-jähriger Mann erkrankt. Er war der erste bestätigte Fall in der Bundeshauptstadt.

"Wir rechnen mit weiter steigenden Zahlen"

"Wir rechnen mit weiter steigenden Zahlen", sagte Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP). Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) und Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) haben am Freitag eine Informationskampagne präsentiert, um die Bevölkerung über das neuartige Coronavirus aufzuklären. Vorgestellt wurde auch eine Task Force, die im Gesundheitsministerium einen medizinischen Beirat rund um SARS-CoV-2 bildet. "Wir ziehen die Kompetenzen in Österreich zusammen", betonte Anschober.

Mit Symptomen, die potenziell auf eine Infektion hindeuten, soll man für medizinische Auskünfte die Telefonnummer 1450 wählen, mit Fragen und Sorgen allgemein die Hotline unter 0800 555 621. 

Viele Infos für die Bevölkerung

Recht allgemeine Empfehlungen hat Österreichs Nationaler Sicherheitsrat (NSR) am Freitagabend in Sachen Coronavirus getroffen. Der Bundesregierung wurde einerseits ein intensiver Austausch der für die Eindämmung zuständigen Stellen der öffentlichen Verwaltung empfohlen, andererseits eine umfangreiche Information der Bevölkerung. Der Beschluss wurde in dem Gremium, in dem auch die Oppositionsparteien vertreten sind, mit der Mehrheit von ÖVP und Grünen beschlossen.

Zweites Thema des Sicherheitsrats war der kürzlich für abgewehrt erklärte Cyberangriff auf das Außenministerium. In einem gemeinsamen, von den NEOS gepushten Beschluss wird auf Aufklärung (auch über den Urheber) gedrängt. Außerdem sollen weitere Behörden auf Malware geprüft werden. Bundesheer und Innenministerium sollen rasch eingreifen können, außerdem will man verbindliche Sicherheitsstandards in staatlichen IT-Systemen.

Keine Tourismus-Messe in Berlin

Die internationale Tourismus-Messe ITB in Berlin wird wegen der Coronavirus-Folgen abgesagt. Das teilte die Messe Berlin am Freitagabend mit. Die weltgrößte Reisemesse sollte vom 4. bis 8. März in der deutschen Hauptstadt stattfinden. In den Tagen und Wochen zuvor hatten sich immer mehr Aussteller abgemeldet, nicht nur aus China. Die Messeleitung hatte aber weiter an der ITB festgehalten. Die Messe war bereits ausgebucht.

Genfer Autosalon abgesagt

Das Coronavirus breitet sich in Europa weiter aus und führt in der Schweiz zu drastischen Maßnahmen: Alle Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Personen werden ab sofort und bis mindestens am 15. März verboten. 

Dazu gehören unter anderem der Genfer Autosalon, der am 5. März starten sollte und zu dem jedes Jahr mehr als 600.000 Besucher kommen. Ebenso trifft es die Basler Fasnacht, die an diesem Montag beginnen sollte. 

Betroffen davon ist auch der Sport, insbesondere die oberen Ligen im Fußball und Eishockey. Noch ist unklar, welche Auswirkungen das auf verschiedene Spielpläne hat. 

Zwei Erlässe, drei Verordnungen

Rund 1.000 Coronavirus-Tests können jeden Tag in Österreich durchgeführt werden. Die Gesamtzahl der Außentests - also dass medizinisches Personal zu Betroffenen nach Hause kommt und dort Abstriche vornimmt - soll ausgeweitet werden. 

Anschober kündigte für den Nachmittag zwei Erlässe und drei Verordnungen an, damit zentrale Vorgaben rechtsverbindlich in allen Bundesländern umgesetzt werden. So soll es einen Erlass mit genauen Ablaufplänen für einen Verdachtsfall geben. Der zweite Erlass soll sich "um die Frage der Definition der Kontaktpersonen drehen", kündigte Anschober an. "Welche Form von Nähe ist entscheidend dafür, was für Maßnahmen zu treffen sind." Mit diesen Regelungen soll geklärt werden, "dass wir bei möglicherweise späteren Fällen rechtskonform handeln können", betonte der Gesundheitsminister.

Auch die Frage nach Transportmitteln könne so ein Thema sein, wenn es etwa darum gehe, wie Corona-Erkrankte nach Österreich gekommen sind. Eine Registrierung von Bahn- und Buspassagieren werde es jedenfalls nicht geben, sagte Anschober. "Wir achten selbstverständlich darauf, dass datenschutzrechtliche Grundstandards nicht außer Kraft gesetzt werden", sagte er. Nehammer ergänzte aber, dass die Polizei im Falle eines Erkrankten, der nicht ansprechbar ist, auch die Handydaten auswerten könne, um herauszufinden "wo war der Patient".

Ratschläge für Veranstalter

Franz Lang, stv. Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit, kündigte Ratschläge für die Organisatoren von in den nächsten Tagen und Wochen angesetzten Großveranstaltungen durch den Einsatzstab an. Ein weiterer wichtiger Punkt sei dort im Moment die Ressourcenbeschaffung sowie die Vorplanung für Bereiche wie Lebensmittelversorgung und Transportinfrastruktur. "Das sind die Themen, die wir momentan besprechen", so Lang.

Video: Die Info-Kampagne kompakt zusammengefasst

Koordinierungsstab für Oberösterreich

In Oberösterreich gibt es weiterhin keinen bestätigten Fall, teilte Landeshauptmann Thomas Stelzer am Freitag in einer Pressekonferenz mit. Das Land Oberösterreich informierte nach einem Koordinierungsgespräch mit Vertretern der Bezirkshauptmannschaften und der Statutarstädte Linz, Wels und Steyr über die aktuellen Entwicklungen.

Neben dem Klinikum Wels sollen künftig drei künftig auch das Salzkammergutklinikum Vöcklabruck, das Pyhrn-Eisenwurzen Klinikum Steyr und das Kepler Universitätsklinikum Linz die Tests auswerten. Maßnahmen wie etwa die Absage von Großveranstaltungen seien derzeit nicht geplant, hieß es. 

"In ganz Österreich werden wir gemeinsam vorgehen und die gleichen Standards haben", sagte Thomas Stelzer. Mit Montag wird es auch in Oberösterreich einen Koordinierungsstab geben, der täglich die aktuelle Situation bewertet und dementsprechend handelt.

Thomas Stelzer und Christine Haberlander informierten am Freitagvormittag über den aktuellen Stand der Dinge.

Anrufe "explodieren"

"In ganz Oberösterreich werden Verdachtsfälle im zweistelligen Bereich getestet", sagte Gesundheitslandesrätin Christine Haberlander (VP). Die Anrufe bei der Hotline 1450 würden "explodieren".

Die Fragen reichen von gesundheitlichen Symptomen über die Beschaffung von Lebensmitteln. Man sei bemüht, die Bevölkerung über alle Fakten zu informieren, um Sicherheit zu schaffen, so die Vertreter vom Land OÖ, den Städten und  den Bezirkshauptmannschaften.

Knapp 60 bestätigte Fälle in Deutschland

In Deutschland gibt es mittlerweile knapp 60 Fälle von bestätigten Infektionen mit Coronavirus Sars-CoV-2. Das teilte eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums am Freitag in Berlin mit. Trotz der weltweiten Ausbreitung des Coronavirus schätzen die Behörden das Risiko für die Menschen in Deutschland als nur mäßig ein.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldete am Freitag zwar 27 neue Infektionen, doch diese seien im Wesentlichen in den bekannten drei Regionen aufgetreten. "Zur Zeit scheint es kein breites Geschehen in Deutschland zu geben", sagte RKI-Vizepräsident Lars Schaade. "Das Risiko für Deutschland ist gering bis mäßig einzuschätzen."

21 Tote in Italien

Bei den drei neuen Todesopfern in Italien handle es sich um einen Patienten im Alter von 77 Jahren und um zwei Personen im Alter von über 80 Jahren, die bereits an anderen Krankheiten litten, teilte der italienische Zivilschutzchef Angelo Borrelli am Freitag mit.

Die Zahl der Infektionen kletterte auf 821, die Hälfte der Infizierten seien ohne Symptome, sagte der Zivilschutzchef. 345 Infizierten liegen im Spital, 64 befinden sich auf der Intensivstation. 46 Menschen seien genesen, sagte Borrelli. Die meisten Infizierten wurden weiterhin in der Lombardei gemeldet. In der norditalienischen Region gab es 531 Infektionsfälle, 235 Patienten befinden sich im Spital. 4.835 Abstriche wurden durchgeführt, 75 Prozent waren negativ, teilten die regionalen Gesundheitsbehörden mit.

Ärztefunkdienst wird ausgeweitet

Die Stadt Wien hat gemeinsam mit der Ärztekammer einen Coronavirus-Notfallplan geschmiedet, der nun in Kraft getreten ist. Ein zentraler Punkt ist die Ausweitung des Ärztefunkdienstes. Dieser wird ab sofort rund um die Uhr zu Verdachtsfällen kommen, und Abstriche für Tests durchführen. Von einem Besuch von Ordinationen und Ambulanzen wird dringend abgeraten.

Menschen mit Infektionsverdacht sollten davon abgehalten werden, Personen in einem Spital oder beim Hausarzt anzustecken, wurde in einer Pressekonferenz am Freitag betont. Entsprechende Ordinationsplakate werden ausgehängt. Wenn man unter leichten Symptomen leidet, soll man stattdessen die Hotline 1450 anrufen. Betroffene werden dann vom - personell deutlich aufgestockten - Ärztefunkdienst besucht.

Spitalsmitarbeiter negativ getestet

Negativ getestet wurden insgesamt 181 Mitarbeiter jenes Spitals, in dem der infizierte 72-Jährige behandelt wurde, heißt es am Freitag. Die 90 Personen, die zunächst kommuniziert wurden, waren nur jene, die unmittelbar mit dem ersten Wiener Patienten in Kontakt standen, wie ein Sprecher von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) am Freitag betonte.

Über die Art der Ansteckung wird noch gerätselt. Der 72-jährige Patient war zuvor nicht im Ausland. Nun wird der "Patient Null" gesucht, also jene Person, bei der er sich in Österreich angesteckt hat.

"Wir müssen jetzt versuchen, Ansteckungen kleinräumig so rasch wie möglich zu unterbinden", sagte der Wiener Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ). Einmal mehr wurde heute betont, dass 80 Prozent der Betroffenen nur milde Symptome aufweisen. Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres versicherte: "Glücklicherweise ist die Mehrzahl der Infizierten nur leicht erkrankt."

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