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Chronik

Schwere Unwetter: Ein Toter in Kärnten, Zivilschutzalarm in Salzburg

Von nachrichten.at/apa   29. Juni 2022 17:44 Uhr

In Tamsweg wurde Zivilschutzalarm ausgerufen

TREFFEN/TAMSWEG. Schwere Unwetter haben in der Nacht auf Mittwoch ganze Ortschaften im Bezirk Villach-Land verwüstet. Zwei Personen galten am Vormittag als vermisst, einer der beiden ist gegen Mittag tot aufgefunden worden. Auch in Tamsweg in Salzburg wurde am Mittwochvormittag Zivilschutzalarm ausgelöst. Er konnte mittlerweile wieder aufgehoben werden.

Polizeisprecherin Waltraud Dullnigg bestätigte auf Anfrage einen Bericht des ORF Kärnten, wonach ein Mann tot aufgefunden wurde. "Die Bergung ist gerade erst im Gange." Der für den Katastrophenschutz zuständige Landesrat Daniel Fellner (SPÖ) sagte, es handle sich um einen 82-Jährigen. Er dürfte das Haus in Treffen verlassen und von einer Mure erfasst worden sein. Von einem zweiten Vermissten war zu Mittag weiter nichts bekannt. Es gab Meldungen über eine Person, die im Auto zunächst stecken geblieben und dann mitgerissen worden sein soll.

Video: Die heftigen Unwetter in einigen Teilen Österreichs haben zu heftigen Überflutungen geführt. In Tamsweg im Lungau in Salzburg wurde am Mittwoch der Zivilschutzalarm ausgerufen. Auch in Kärnten stehen nach den schweren Unwettern viele Ortschaften unter Wasser.

In Treffen am Ossiacher See und in der Gemeinde Arriach war noch in der Nacht eine Zivilschutzwarnung ausgegeben worden. Die Bewohner wurden aufgefordert, in den Häusern zu bleiben - im Freien herrsche Lebensgefahr. In der gesamten Region waren Straßen unpassierbar oder teilweise weggerissen. Einen Überblick über das genaue Ausmaß der Schäden zu erhalten sei schwierig, erklärte der Bezirkshauptmann: "Wie viele Häuser betroffen sind, kann man wohl erst morgen oder überhaupt erst in den nächsten Tagen abschätzen. Was man allerdings schon jetzt sagen kann: Die Schäden sind enorm." Mehrere Personen, die in ihren Häusern eingeschlossen waren, wurden am Mittwochvormittag mit Hubschraubern geborgen.

Vermurungen und Überflutungen in Kärnten

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Hauptaufgabe sei es vorerst, die wichtigsten Straßen freizubekommen. "Mitten in Treffen ist die Straße blockiert, weil der Pöllingerbach über die Ufer getreten ist", erklärte Riepan. Bis diese Blockaden beseitigt sind, habe es auch wenig Sinn, weitere Kräfte anzufordern - sie würden schlicht und einfach nicht ins Einsatzgebiet kommen. Zwölf Bagger waren vorerst damit beschäftigt, die verschütteten Straßen freizubekommen.

"Überflutet und vermurt"

"Der Großraum Treffen ist komplett überflutet und vermurt", sagte Hans-Jörg Rossbacher von der Landesalarm- und Warnzentrale (LAWZ) Mittwochfrüh auf APA-Anfrage. Ein Einsatzstab wurde einberufen, er tagte im Feuerwehrhaus in Treffen. In den frühen Morgenstunden startete ein Polizeihubschrauber zu Erkundungsflügen, auch das Bundesheer wurde angefordert: Vorerst waren zwei Kompanien der Villacher Pioniere mit schwerem Pioniergerät bereitgehalten.

Aktuelle Bilder aus Treffen: 

Seit 4.00 Uhr stand das Rote Kreuz im Einsatz, sagte Rot-Kreuz-Sprecherin Melanie Reiter auf APA-Anfrage. Was den Einsatz aber enorm erschwert, sind die Vermurungen: "Ab dem Feuerwehrhaus Treffen kommt man nicht mehr weiter. Es kommt kein Fahrzeug durch, man braucht schweres Gerät." Neben der Katastrophenhilfsmannschaft ist das Rote Kreuz auch mit einem Kriseninterventionsteam im Gegendtal.

Ausgelöst worden waren Muren und Überflutungen durch heftigen Regen in der Nacht. In nur drei bis vier Stunden hatte es auf der Flattnitz 93 Liter Regen pro Quadratmeter gegeben. In Villach waren es 97 Liter und in Arriach 118 Liter, sagte Gerhard Hohenwarter von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) in Klagenfurt: "Damit hat es hier in nur wenigen Stunden so viel geregnet wie in einem durchschnittlichen gesamten Juni."

ZAMG spricht von Jahrhundertereignis

Seit Messbeginn der jeweiligen Wetterstation gab es laut ZAMG noch nie so große Regenmengen in so kurzer Zeit. In Villach wird seit dem Jahr 1930 gemessen, auf der Flattnitz seit 1971 und in Arriach seit 1990. Statistisch gesehen könne man von einem Ereignis sprechen, das ungefähr alle 100 Jahre zu erwarten ist, erklärte Hohenwarter. Der Wetterausblick für das betroffene Gebiet war vorerst nicht optimal: Bevor sich das Wetter am Donnerstag beruhigt, sind in Kärnten, der Steiermark und Teilen von Ober- und Niederösterreich noch weitere Regenschauer und Gewitter möglich.

Bereits am Dienstagabend hatten die Unwetter in Kärnten begonnen. In Villach, den Bezirken Villach-Land und Feldkirchen sowie rund um den Millstätter See und in Bad Kleinkirchheim rückten 70 Feuerwehren zu 150 Einsätzen aus. Besondere Probleme bereitete Sturm mit teilweise orkanartigen Böen bis 128 km/h. Bäume stürzten um und ganze Dächer wurden abgedeckt. Laut Polizei wurden auch Stromkabel gekappt. Wie zum Beispiel in Ferlach: Durch einen Blitzschlag stürzte eine 15 Meter hohe Linde auf eine Oberstromleitung. Durch die Zugkraft der niedergedrückten Stromleitung wurden die Dächer von zehn Gebäuden beschädigt indem die Dach-Stromhalterungen ausrissen.

Zivilschutzalarm in Tamsweg

Auch in Tamsweg (Lungau) ist am Mittwochvormittag Zivilschutzalarm ausgelöst worden. Der Leißnitzbach - ein kleinerer Bach im Ortszentrum - führte Hochwasser und drohte über die Ufer zu treten. Die Anrainer wurden aufgefordert, in den Häusern zu bleiben, Tiefgaragen und Keller nicht zu betreten und sich von den Ufern sowie Brücken fernzuhalten. Am frühen Nachmittag entspannte sich die Situation leicht, Entwarnung gab es angesichts möglicher weiterer Regenfälle aber noch nicht. Der Zivilschutzalarm konnte am Abend wieder aufgehoben werden. 

Video: Ortsfeuerwehrkommandant Patrick Bacher erklärt, dass der Zivilschutzalarm voraussichtlich am Mittwochabend aufgelöst werden kann.

Für Behinderungen sorgten die Unwetter auch im Verkehr: Aufgrund der Murenabgänge waren die B96 zwischen der Landesgrenze zur Steiermark und Tamsweg sowie die B95 im Bereich Einöd zwischenzeitlich in beide Fahrtrichtungen gesperrt. Sie waren nach mehreren Stunden aber zumindest einspurig wieder befahrbar.

Auch die Murtalbahn stellte am Mittwoch den Betrieb ein. "Es wurde nach den Unwettern der letzten Nacht eine Erkundungsfahrt durchgeführt, dabei wurde festgestellt, dass es mehrere Gleisblockaden durch leichte Vermurungen gab", sagte Markus Griesangerl vom Bahnbetreiber Steiermarkbahn. "Steine, Erde und kleinere Bäume sind auf die Schienen abgegangen, an einer Stelle wurde das Gleisbett leicht unterspült." Es wurde ein Schienenersatzverkehr eingerichtet, die Sperre galt vorerst bis 18.00 Uhr.

Auch in Oberösterreich gab es in der Nacht auf Mittwoch wieder heftige Unwetter: 

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