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Oberösterreich

Zwischen Eisblumen und Marillenblüten

Von gabriel egger und michael schäfl   07. April 2021 00:06 Uhr

Zwischen Eisblumen und Marillenblüten
Die Kaiserstadt Bad Ischl frisch angezuckert

LINZ. Temperaturen von bis zu minus neun Grad lassen nicht nur die Obstbauern zittern.

Zwischen Frühsommer und Spätwinter lagen in Kollerschlag (Bezirk Rohrbach) sechs Tage – und mehr als 26 Grad. Die Frühlingsgefühle, die vergangenen Mittwoch bei Sonnenschein und 22,1 Grad in der Mühlviertler Gemeinde aufkamen, wurden vom eiskalten Westwind verweht. Statt Sonnenbaden stand Eiskratzen auf der frühmorgendlichen Tagesordnung: Mit minus 4,6 Grad war man Oberösterreichs Kältepol. Recht viel besser war es nirgendwo – nur die Stadt Linz blieb mit 0,1 Grad hauchdünn im Plus.

Schnee fiel bis in die Täler – vor allem die Pyhrn-Priel-Region erhielt einen weißen Anstrich. Aber auch im Inneren Salzkammergut und in den höheren Regionen des Mühlviertels trugen viele Gemeinden bei fünf bis zehn Zentimetern Neuschnee wieder Weiß.

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"Situation ist grenzwertig"

Bis Donnerstag sind fünf Grad plus das Beste, was der Frühling zu bieten hat. Und in den Nächten wird es deutlich kälter: "Die Nacht von Donnerstag auf Freitag wird klar und windarm. Die Temperaturen fallen auf bis zu minus neun Grad. Für die Blüte ist diese Nacht die gefährlichste", sagt Alexander Ohms, Meteorologe bei der ZAMG.

Eine Schneeschicht lag gestern früh auf den Marillenblüten am Firlingerhof bei Obstbauer Horst Hubmer. Knapp die Hälfte der Marillenbäume stehen bereits in Blüte. Temperaturen von bis zu minus drei Grad halten die Blüten im aktuellen Entwicklungsstadium aus. "Die Situation ist grenzwertig. Sollten die Temperaturen längerfristig so niedrig bleiben, dann ist das wirklich kritisch", sagt der 50-Jährige. Er hofft, dass sich die niedrigen Temperaturen der kommenden Tage in Bodennähe halten werden, die frostige Luft nicht höher als einen Meter steigt. Denn dann könnte sie die Blüten schwer schädigen.

In schmerzvoller Erinnerung bleibt der Totalausfall im vergangenen Frühjahr. "Letztes Jahr war die Marille sehr früh dran, da hatten sich zum jetzigen Zeitpunkt aus den Blüten schon Früchte entwickelt", sagt der Schartner Obstbauer. "Der Frost hat uns alles zerstört, wir hatten 100 Prozent Ausfall. Nicht einmal für unsere Familie konnten wir Marmelade machen." Im Vergleich zur Blüte ist die Frucht viel kälteempfindlicher. Schon ein Grad unter null macht ihr den Garaus. Um die Gefahr der Minusgrade zu entschärfen, hat Hubmer Vorbereitungen getroffen: Kleinöfen sollen die Luft rund um die Bäume geringfügig erwärmen. 200 bis 300 Öfen will der Landwirt pro Hektar aufstellen. In zwei Wochen soll dann die Kirsche zu blühen beginnen.

Doch auch heuer kann die sonst von den OÖN präsentierte Kirschblütenwanderung nicht stattfinden. "Das ist richtig schade, denn die Bedingungen wären ideal", sagt Hubmer. "Für einzelne Wanderer werden wir aber To-go-Versorgung anbieten."

3 Fragen an Rainer Silber

Rainer Silber, Geschäftsführer des Naturparks Obst-Hügel-Land, über besonders von Schnee und Frost gefährdete Obstsorten und wie Schäden vorgebeugt werden kann.

  1. Welche Früchte sind besonders von den niedrigen Temperaturen und damit einhergehendem Frost betroffen?
    Alle Früchte, die jetzt in Blüte stehen, wie etwa Marillen und einige Wildpflaumen-Arten, sind vom Frost betroffen. Als Nächstes werden die Kirschen blühen. Generell gilt, je niedriger die Temperaturen rund um den Blütezeitpunkt, desto höher ist auch das Risiko, dass eine Obstpflanze Schaden nimmt. Besonders gefährlich wird es für die Pflanze, wenn sich bereits ein Fruchtansatz gebildet hat. Denn dann reicht schon ein Grad minus und die Frucht ist zerstört.
  2. Welche Auswirkungen hat der Frost auf Blüte und Frucht?
    Die Blütenblätter und Staubgefäße der Blüte werden beschädigt, die Staubgefäße werden braun und fallen ab. Damit ist auch die Chance auf eine Bestäubung und die darauffolgende Fruchtbildung dahin. Zusätzlich sind bei niedrigen Temperaturen ohnehin kaum Insekten, die für die Bestäubung zuständig sind, unterwegs. Hat sich bereits eine Frucht gebildet, dann frieren diese bis ins Zentrum durch. Die Zellflüssigkeit friert ein und zerstört das Gewebe. Die Frucht stirbt ab.
  3. Wie können Landwirte Frostschäden vorbeugen?
    Bei der Frostberäucherung erzeugen die Landwirte eine Rauchschicht über der Plantage. Warme Luft umströmt die Bäume und verdrängt die kalte. Eine andere Möglichkeit ist die Frostberegnung, die vor allem in der Steiermark beliebt ist. Blüten werden mit Wasser besprüht, das über Nacht gefriert und einen schützenden Mantel bildet. Allerdings sind diese Praktiken meist aufwändig und teuer. Hobbygärtner können ihre Pflanzen mit Vlies abhängen, das bietet einen Frostschutz, wirkt aber keine Wunder.
Zwischen Eisblumen und Marillenblüten
Märzenbecher im Schnee

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