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Nachrufe

An ihm kam kein Künstler vorbei

Von Bert Brandstetter  01. Februar 2021 00:05 Uhr

Anton Kapl

Nachruf auf Anton Kapl, der sich für die Kulturagenden von Bad Leonfelden unermüdlich einsetzte.

Kaum war ein Konzert zu Ende, stand Anton Kapl vor der Garderobentür, um vom jeweiligen Star ein Autogramm zu erbitten. „Einige hundert Autogramme werden es schon sein, die in den Künstlerbüchern meines Vaters zu finden sind“, sagt Sohn Johannes.

Fein säuberlich vermerkte Kapl das Datum und die Art des Konzertes. Schön schreiben zu können war ihm als Lehrer ganz besonders wichtig und er machte davon reichlich Gebrauch. In früheren Zeiten traten viele Vereine an Kapl heran, um für sie Urkunden aller Art zu gestalten, was er gerne ausführte

Lehrer zu werden war nicht die erste Wahl von Anton Kapl. Mit 13 malte er Bilder, von denen heute noch gesagt wird, der junge Maler habe Talent gehabt. „Eigentlich wollte Toni nach der Matura Technik studieren, dafür war in der Familie aber zu wenig Geld vorhanden“, sagt Gattin Edda.

Also wurde er Volksschullehrer. Der erste Dienstposten führte ihn an die Volksschule Kollerschlag. Über Oberneukirchen kam er 1962 an die Hauptschule Bad Leonfelden, wo er vor allem Deutsch, Geschichte und Geographie unterrichtete. Seine letzten zehn Lehrerjahre war er Direktor der Volksschule.

Wie schon auf seinen früheren Stationen beließ es Kapl auch in seinem Heimatort nicht bei seinem Beruf und der Familie, die nach der Hochzeit mit der Professorin Edda durch zwei Söhne erweitert wurde. In Bad Leonfelden leitete er lange Jahre die Theatergruppe, den Trachtenverein, den Pfarrgemeinderat und das Katholische Bildungswerk. Für das KBW lud er einst Otto von Habsburg nach Bad Leonfelden, zu einer Zeit, als das politisch noch heikel war. Aber Habsburg kam und 700 Zuhörer lauschten ihm.

Durchaus Aufsehen erregend für die damalige Zeit kutschierte Kapl seine beiden Buben ohne Scheu im Kinderwagen durch den Ort, daheim wickelte er und badete sie. „Während ich mit den Buben über manche Feiertage Urlaub machte, musste mein Mann daheimbleiben, weil er ja die Orgel zu spielen hatte“, erinnert sich Edda Kapl. Das Orgelspiel brachte sich Kapl weitgehend selbst bei, der erste Auftritt erfolgte 1950, der letzte 60 Jahre später.

Welser-Möst in Leonfelden

Angehende Musikerkarrieren förderte Kapl über das Bildungswerk. So verschaffte er Franz Welser-Möst einen Auftritt, als dieser froh über solche Einladungen war. Unzählige Lebensereignisse hielt Anton Kapl mit seiner Kamera fest. Die letzten Lebensjahre verliefen mühsam, Kapl wurde von Demenz erfasst und von Pflegerinnen betreut. Seine Familie freut sich über unzählige Kondolenzschreiben. Wie alle anderen Totenbilder hängt nun auch jenes von Anton Kapl in der Kirche von Bad Leonfelden. Die Überschrift „Wir gedenken der Verstorbenen“ hat Kapl einst mit eigener Hand geschrieben.

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Bert Brandstetter

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