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Internes Papier: Energie AG soll schon 2003 Erdkabel ernsthaft geplant haben

MÜHLVIERTEL. Knalleffekt: Schon vor 15 Jahren wurde ein Erdkabel als mögliche Variante der Verbindung zwischen Rohrbach und Bad Leonfelden von der Energie AG selbst präsentiert.

Internes Papier: Energie AG soll schon 2003 Erdkabel ernsthaft geplant haben

Die Freileitung ist im Mühlviertel eine ungeliebte Systemvariante. Bild: (Pramhofer)

"Jüngst aufgetauchte ‘Planungsunterlagen der Energie AG’ beweisen jetzt, dass die Energie AG selbst schon vor 15 Jahren eine konkrete 110-kV-Erdkabeltrasse von Rohrbach nach Bad Leonfelden beziehungsweise Freistadt geplant hat", sagt Markus Haslinger aus Ahorn, der sich in der IG Landschaftsschutz für eine Erdkabelvariante im Ausbau des Stromnetzes zwischen Rohrbach und Freistadt ausspricht. Tatsächlich ist in den Unterlagen, die den OÖN zugänglich gemacht wurden, eine mögliche Systemvariante als Erdkabellösung dargestellt. Darin werden die Gesamtkosten für die 25 Kilometer lange Verkabelung samt Einbindung in das bestehende Netz mit 7,53 Millionen Euro veranschlagt. Freilich wurden auch damals verstärkt Freileitungslösungen präsentiert, aber eben nicht nur. Als Variante 11 wird die Verlegung eines 110-kV-Einfachkabels beschrieben. Dieses hätte vorerst eventuell auch nur mit 30 kV betrieben werden sollen. Im Projekt und dem angeführten Gesamtpreis war auch ein Stichkabel zu den Windkraftanlagen im Sternwald beinhaltet.

Folgewirkung befürchtet

Als Nachteil wurde damals schon angeführt, dass eine Erdverkabelung Folgewirkungen haben könnte: "Am meisten fürchten die Netzbetreiber, dass ein Erdkabel für andere Regionen Vorbildwirkung haben könnte", sind sich die Freileitungsgegner Günter Pötscher, Gottfried Mitterlehner und Dominik Revertera einig: "In Oberösterreich ist diese 110-kV-Erdkabelvariante aus dem Jahr 2003 wieder in der Schublade verschwunden, während in unseren Nachbarländern längst die Weichen für die Zukunft gestellt sind. Rund um Österreich wird sogar in der Höchstspannungsebene 380 kV verkabelt, und bei uns soll nicht einmal ein 110er-Kabel realisierbar sein?" Die Erdkabel-Befürworter setzen nach wie vor auf verantwortungsvolle Gesprächsbereitschaft bei der Politik: "Wir halten immer noch eine konsensuale Lösung für möglich und möchten einen sauberen Abschluss", bekräftigt Haslinger die ausgestreckte Hand der IG Landschaftsschutz. Trotzdem sei man natürlich auch darauf vorbereitet, falls es seitens der Netzbetreiber kein Einlenken gibt: "Irgendwann gibt es kein Zurück mehr. Wenn es – was wir nicht hoffen – so weit kommt, werden wir alle Verfahren sehr engagiert führen." Die Akteure wollen das keinesfalls als Drohung, sondern als nochmalige deutliche Einladung an die Politik und Netzbetreiber sehen, "die Fakten in ihrer Gesamtheit fair zu prüfen und ein kooperatives Projekt zu starten".

Experten am Wort

Zum Thema Erdkabel haben sich die Landschaftsschützer einen Experten ins Boot geholt. Professor Heinrich Brakelmann von der Universität Duisburg-Essen kommt am 23. November um 19 Uhr zu einer öffentlichen Veranstaltung ins Haus am Ring in Bad Leonfelden. Er gilt europaweit als Experte auf dem Gebiet der Erdverkabelung. "Wir laden dazu alle ein, sich selbst ein Bild davon zu machen, ob das Erdkabel eine sinnvolle Alternative zur Freileitung ist."

Kostenwahrheit angezweifelt

Aufwind für die Freileitungsgegner kommt auch vonseiten des Energieexperten und emeritierten Volkswirtschaftsprofessors Stefan Schleicher von der Uni Graz. Er kritisiert, dass Netzbetreiber höhere Kosten für ein Erdkabel als Argument heranziehen und weiter "unreflektiert Freileitungen bauen". In einem ORF-Interview sagte er: "Zusatzkosten, die sich aus dem Flächenverbrauch ergeben und starke gesamtwirtschaftliche Auswirkungen haben, werden aus der Unternehmensperspektive vermutlich nicht ausreichend erfasst (...) Die Sicht der Unternehmen, die hier Investitionen tätigen, ist einfach nicht ausreichend, um die gesamten Kosten, die hier anfallen, zu erfassen", kritisiert der Volkswirt. 

 

Netz OÖ: "Planungen mit ganz anderen Vorzeichen"

Beim Stromnetzbetreiber „Netz OÖ“ kennt man das Projekt von 2003: „Das ist ein internes Planungspapier, das viele Varianten beleuchtet hat, natürlich auch das Erdkabel“, sagte Unternehmenssprecher Michael Frostel auf OÖN-Anfrage. Man könne die Pläne von damals auch gar nicht mit jenen vom aktuellen Projekt vergleichen: „Damals waren die Vorzeichen ganz andere. Außerdem haben wir uns schon damals gegen die Kabelvariante entschieden“, sagte er. Konkret sei es um die Einbindung der Sternwald-Windräder gegangen.

Erdkabel doppelt so teuer

Dass das Erdkabel 2003 als eine von 16 möglichen Varianten geprüft wurde, ändere nichts an der Tatsache, dass ein Kabel einfach um den Faktor zwei bis drei teurer sei als eine Freileitung. Aus diesem Grund sei das Erdkabel auch im laufenden Projekt relativ früh aus den Überlegungen ausgeschieden.

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Artikel (fell) 09. November 2018 - 03:26 Uhr
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