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"Ich bin viel hellhöriger geworden und mische mich jetzt auch häufiger ein!"

BRAUNAU. Johannes Weinberger entwickelt sich bei seinem Zivildienst in KZ-Gedenkstätte weiter.

"Ich bin viel hellhöriger geworden und mische mich jetzt auch häufiger ein!"

Am liebsten sucht Johannes Weinberger den Kontakt zu den Menschen Bild: privat

Im Vorjahr legte Johannes Weinberger an der HTL Braunau die Matura ab. Momentan leistet der angehende Ingenieur seinen Zivildienst ab. Warum er ausgerechnet nach Mauthausen wollte und welche Erfahrungen der junge Mann bislang gemacht hat, schildert er im OÖN-Interview.

 

Gab es einen bestimmten Grund, weshalb Sie sich um einen Zivildienstplatz in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen beworben haben?

Weinberger: Schon als ich in meiner Hauptschulzeit mit meiner Klasse eine Exkursion ins ehemalige Konzentrationslager machte, war ich betroffen und beeindruckt zugleich. Da ich historisch sehr interessiert bin und mich auch speziell mit dem Nationalsozialismus intensiv beschäftige, habe ich mich beworben.

Und, hat es auf Anhieb geklappt?

Fast, da sich mehrere um einen Zivildienstplatz beworben hatten, musste ich ein Auswahlverfahren durchlaufen, bei dem vor allem die Frage nach meiner Motivation im Vordergrund stand. Ich habe mich sehr gefreut, als ich genommen wurde. Insgesamt gibt es in der Gedenkstätte acht Zivildiener.

Wie schaut so ein Dienst in der Gedenkstätte konkret aus?

Dort gibt es unterschiedliche Bereiche, zum Beispiel Haustechnik, Aufsicht im Museum, Pädagogik. Die Zivildiener werden vor allem in der Haustechnik und im Museum eingesetzt. Zuerst habe ich eine einwöchige Einschulung bekommen, und auch jetzt noch gibt es einmal im Monat einen Schulungstag, der mich immer brennend interessiert. Ich bin sowohl in der Haustechnik als auch im Museum eingesetzt. Ich entsorge den Müll und mache kleinere Reparaturen am Gelände. Zur Zeit habe ich mehr Aufsichtsdienste im Museum, da im Sommer sehr viele Schüler aber auch Einzelbesucher kommen. Etwas Besonderes an unserem Zivildienst ist auch, dass wir auch an Sonn- und Feiertagen Dienst haben.

Wie würden Sie bislang Ihren Zivildienst bewerten?

Am liebsten habe ich Tätigkeiten, bei denen ich Kontakt mit Menschen habe. Gerade jetzt kommen wie gesagt viele Leute. Habe ich im Museum Dienst, bin ich automatisch die Ansprechperson. Im Winter gab es deutlich weniger Zuspruch, da musste ich längere Wartezeiten überstehen.

Gab es etwas, das Sie besonders aufgewühlt bzw. gefordert hat?

Ich kam einmal mit einem ehemaligen KZ-Insassen ins Gespräch. Seine Betroffenheit war deutlich zu spüren, ich habe mich aber sehr gefreut, als er das neu gestaltete Museum gelobt hat. Der Zivildienst hier in der Gedenkstätte ist mir wirklich sehr wichtig, und ich habe zwischenzeitlich auch viel gelernt.

Was war das?

Einerseits historische Tatsachen, andererseits die Sichtweisen vieler Besucherinnen und Besucher, die nach Mauthausen kamen, weil hier Angehörige von den Nazis ermordet wurden.

Kann man das alles, was man so hört, einfach wegstecken?

Ich würde mich sofort wieder für diese Zivildienststelle melden und kann sie auch nur weiterempfehlen.

Hat sich durch Ihren Dienst in der Gedenkstätte Ihr Verhalten oder Ihre Einstellung geändert?

Ja, ziemlich sogar. Ich habe einfach bei meinen Diensten viel mitbekommen, und mir ist die Notwendigkeit dieser Gedenkstätte bewusster denn je. Es ist wichtig, dass man immer wieder an die hier begangenen Verbrechen erinnert. Ich selbst bin viel hellhöriger geworden, wenn jemand die Nazi-Zeit verharmlost oder gar rechtfertigt. Ich mische mich jetzt häufiger ein und erzähle, was ich alles durch meine Arbeit hier in Mauthausen erfahren habe. (ho)

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Artikel 20. Juni 2014 - 00:04 Uhr
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