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Braunau und Marktl: Über Geburtsorte prominenter Wickelkinder

BRAUNAU. Ludwig Laher befasst sich im Vortrag mit der Anziehungskraft eines Wickelortes.

Braunau und Marktl: Über Geburtsorte prominenter Wickelkinder

Schriftsteller Ludwig Laher Bild: Reinhard Winkler

Schriftsteller Ludwig Laher traut sich was: Er schaut auf unangenehme Begebenheiten, über die viele nicht so gerne sprechen. Aktuell befasst er sich mit prominenten Wickelkindern und den Strategien schlagender Burschenschaften.

Während sich Braunau bitter über die Assoziationen mit dem Wickelkind Adolf Hitler beklagt, machte wenige Kilometer weiter das bayerische Marktl mit Joseph Ratzinger eine Fremdenverkehrsattraktion. Über die Thematik schreibt Ludwig Laher derzeit auch ein Buch mit dem Titel "Wo nur die Wiege stand. Über die Anziehungskraft früh verlassener Geburtsorte", für das er das Elias-Canetti-Stipendium 2018 bekam.

Bücher über Burschenschaft

Schon zuvor hat sich Laher mit den Burschenschaften in der Region beschäftigt. In seinem Roman "Bitter" zeichnet er die Lebensgeschichte des Gestapo-Scherben Friedrich Kranebitter, einem Mitglied der Rieder Burschenschaft Germania, nach. In "Herzfleischentartung" schreibt er von den Verbrechen während der NS-Zeit im oberen Innviertel.

Auf Einladung der Volkshochschule Braunau kommt der Schriftsteller aus Sankt Pantaleon ins Veranstaltungszentrum nach Braunau und hält einen Vortrag, bei dem er kein Blatt vor den Mund nimmt. Auszüge aus seinen Büchern gibt es an diesem Abend übrigens auch zu hören.

Der Vortrag "Von ewigen Burschenschaften und Promiwindelorten" findet am Dienstag, 16. Oktober, um 19 Uhr im Veranstaltungszentrum (VAZ) Braunau statt.

 

3 Fragen an... Ludwig Laher

Schriftsteller aus Sankt Pantaleon über Burschenschaften und Geburtshäuser

Was macht Geburtshäuser so attraktiv für Touristen?

Zu dieser Frage wird im Februar ein ganz neues, übrigens in Teilen durchaus unterhaltsames Buch von mir erscheinen: „Wo nur die Wiege stand. Über die Anziehungskraft früh verlassener Geburtsorte“. Zu dem Thema sind keine kurzen Antworten möglich. Ich werde aus gegebenem Anlass den Anfang daraus in Braunau zum allerersten Mal lesen.

Studenten haben sich erst kürzlich mit dem Hitler-Geburtshaus befasst und fragten: „Eine böse Geschichte - und was kann der Ort dafür?“ Was würden Sie antworten?

Der von Braunau kaum 15 Kilometer entfernte Ort Marktl hat, als man Benedikt zum Papst gewählt hatte, alle Hebel in Bewegung gesetzt, um aus dem Baby Ratzinger, das mit seinen Eltern im zarten Alter von zwei Jahren von dort weggezogen war, mächtig Kapital zu schlagen. Einem Phänomen kommt man nicht durch die Betrachtung einzelner Beispiele auf die Spur, sondern nur, wenn man sich aufs Grundsätzliche einlässt.

Welchen Einfluss haben Burschenschaften im Innviertel?

Erst dieser Tage musste der Innenminister eine parlamentarische Anfrage zu einem Konzert eines rechtsextremen Liedermachers bei der Germania in Ried beantworten. Natürlich sind schlagende Burschenschaften im Innviertel sehr präsent, und natürlich gehören aktive und pensionierte freiheitliche Politiker zu ihren führenden Mitgliedern. Landesrats Podgorscheks Vortrag zum Demokratieabbau bei der AfD zum Beispiel ist ein Internethit geworden, aber es gibt keinen Grund, darüber zu lachen.

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Artikel Lisa Penz 11. Oktober 2018 - 07:04 Uhr
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