Lade Inhalte...

Oberösterreich

Corona-Demo in Linz: "Wir oder sie. Jetzt wird es ernst"

Von nachrichten.at/fell/eiba   21. November 2021 18:50 Uhr

Tausende bei Corona-Demo in der Linzer Innenstadt

Bildergalerie ansehen

Bild 1/7 Bildergalerie: Tausende bei Corona-Demo in der Linzer Innenstadt

LINZ. Tausende Menschen sind am Sonntag zur einer Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen der Regierung in die Linzer Innenstadt geströmt. Nach dem offiziellen Ende musste die Polizei einschreiten. Es gab eine Festnahme und 18 Anzeigen.

Die drei oberösterreichischen Landtagsabgeordneten der impfkritischen Partei MFG hatten zu der Kundgebung um 14.00 Uhr vor dem Landhaus eingeladen. Die Demonstration verlief friedlich, nach dem offiziellen Ende schritt die Polizei jedoch ein. 50 Personen wurden von Polizisten umringt, um deren Identität festzustellen. Eine davon wurde wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt festgenommen, so Polizeisprecher David Furtner.

Wegen des nicht enden wollenden Zustroms an Leuten war der Beginn der eigentlichen Kundgebung um eine halbe Stunde auf 14.30 Uhr nach hintern verlegt worden. Statt der angemeldeten 600 Personen kamen knapp zehnmal so viele, bestätigte die Polizei Schätzungen. 

Die OÖN waren an der Promenade live vor Ort. Ein Video zeigt die Menschenmassen vor dem Linzer Landhaus: 

OÖN-Lokalredakteur Thomas Fellhofer berichtet von seinen Eindrücken:

Hätte eine lässige Band auf der Bühne vor dem Landhaus Stellung bezogen, könnte man die Stimmung als famos bezeichnen – so ist sie eher befremdlich. Vor dem Hintergrund einer Pandemie fühlt man sich in der Menge nicht wohl. Die tausenden Demonstranten bilden einen Querschnitt durch die Gesellschaft ab. Besorgte Mütter bahnen sich mit dem Kinderwagen einen Weg durch die Masse. Im Wagerl ein Mädchen ohne Maske. Sie dürfte wohl erst während der Pandemie zur Welt gekommen sein und badet in den Aerosolen Tausender. Ausgestoßen beim Brüllen der immer gleichen Botschaften. Echte Ängste treffen auf absurde Verschwörungstheorien. Neben besagter Mutter ein Mann mit einem Plakat der Freiheitlichen Jugend und einschlägigem Tattoo am Handgelenk. Er sucht planlos durch die Menge. 

Was alle eint ist ihre Wut auf das System, ihr Hass auf alles was mit Impfung zu tun hat. Die Gespräche sind eindeutig. "Wir oder sie. Jetzt wird es ernst", sagt ein Mann, der begeistert ist von der schieren Menge an Demonstranten und sicher ist: "Österreich steht endlich auf". Die Menge bricht schon bei der Sprechprobe in Jubel aus. "Ob sich das alles noch friedlich lösen lässt"? fragt eine junge viel zu stark geschminkte Frau. Ihr Gegenüber glaubt, dass es schlussendlich zu einer friedlichen Lösung kommen wird, auch wenn er sich nicht mehr sicher ist…

Video: Innenpolitik-Redakteurin Barbara Eidenberger berichtet live von der Promenade:

Kaum einer trug Maske

Zu Beginn der Kundgebung erklärte ein Polizeisprecher, die Teilnehmer würden sich friedlich verhalten, es sei alles unter Kontrolle. Die überwiegende Mehrheit der Menschen aller Altersgruppen, die bei Sonnenschein in die Innenstadt kamen, trug allerdings keine Masken. Die MFG forderte "NEIN zur Impfpflicht und Schluss mit 3G/2G/1G".

Viele Demonstranten schwenkten rot-weiß-rote Fahnen, ein regelrechtes Fahnenmeer begleitete die Massen. Auf ihren mitgebrachten Transparenten waren Statements zu lesen wie: "Die Spritze ist das größte Verbrechen an der Menschheit", "Nein zu Impfzwang", "Finger weg von unseren Kindern" und "Bürgerrechte - Freiheit trotz Corona".

"Das Landhaus, das Verbrecherhaus", rief ein Teilnehmer einem anderen zu, "dort sitzt der erste Verbrecher Oberösterreichs", betitelte er Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP). Immer wieder skandierten die Wartenden vor der fahrbaren Rednertribüne "Widerstand". Für Kopfschütteln sorgte ein Transparent mit der Aufschrift: "Warum nicht gleich Mauthausen für Ungeimpfte":

"Danke, dass ihr alle aufgestanden seid", begrüßte Landtagsabgeordneter Joachim Aigner die Menge. Die "Zeit auf der Couch" sei nun vorbei. Für die angespannte Situation in oö. Spitälern machte er die "Spar-Politik" der vergangenen Jahre verantwortlich, weshalb es jetzt wegen der Personalnot von den 333 Intensivbetten nur 250 betreute gebe. Landtagsabgeordnete Dagmar Häusler kritisierte vor allem die kommende Impfpflicht als "massive Erpressung". Es sei "eine rote Linie überschritten" worden, wenn "Kinder ab fünf Jahre" geimpft werden müssten. "Wir dürfen uns nicht verbiegen lassen", rief sie in den Teilnehmern zu.

Ein Video, aufgenommen aus einer Wohnung an der Promenade, zeigt den Demo-Zug von oben:

Laut Polizei kam es während der Kundgebung zu keinen Zwischenfällen, sie sei friedlich verlaufen. Die MFG hatte betont, "wir wollen keine Randalierer", und dazu aufgerufen, "Strafrechtliches" zu melden. Nach dem offiziellen Ende bildete sich allerdings ein spontaner Demonstrationszug. Die bis zu 1.000 Personen marschierten Richtung Volksgarten, machten dann wieder kehrt und gingen Richtung Hauptplatz. "Die Situation war angespannt", beschrieb Furtner die Lage.

Zwar sei es gelungen, am frühen Abend diese Spontan-Demo gewaltfrei zu beenden, doch kleinere Gruppen blieben noch in der Stadt. Eine davon wurde von Polizisten "eingekesselt". Dabei kam es zu einer Festnahme. Furtner rechnete am Abend mit weiteren Anzeigen.

Insgesamt gab es bei der MFG-Kundgebung 18 Anzeigen wegen Verletzens der FFP-Maskenpflicht, auch wenn der überwiegende Teil der Teilnehmer nicht den vorgeschriebenen Mundschutz trug. Man habe "einen Tag vor dem bundesweiten Lockdown auf Deeskalation gesetzt, nicht zuletzt weil auch so viele Kinder auf der Demo waren", meinte der Polizeisprecher.

Ein Video, aufgenommen gegen 15:30 Uhr von der Spittelwiese aus, zeigt, wie Teile des Demozuges am Kaufhaus Passage vorbeimarschieren:

In Wien waren am Vortag rund 40.000 Menschen gegen die gegen die Corona-Maßnahmen, die Impfpflicht und den kommenden Lockdown auf die Straße gegangen. Die Stimmung war teilweise aufgeheizt und aggressiv, es gab mehr als 400 Anzeigen, berichtete die Polizei. 

Dieser Artikel wird aktualisiert, sobald weitere Informationen vorliegen. 

Interessieren Sie sich für dieses Thema?

Mit einem Klick auf das “Merken”-Symbol fügen Sie ein Thema zu Ihrer Merkliste hinzu. Klicken Sie auf den Begriff, um alle Artikel zu einem Thema zu sehen.

Lädt
turned_in

info Mit dem Klick auf das Icon fügen Sie das Schlagwort zu Ihren Themen hinzu.

turned_in

info Mit dem Klick auf das Icon öffnen Sie Ihre "meine Themen" Seite. Sie haben von 15 Schlagworten gespeichert und müssten Schlagworte entfernen.

turned_in

info Mit dem Klick auf das Icon entfernen Sie das Schlagwort aus Ihren Themen.

turned_in

Fügen Sie das Thema zu Ihren Themen hinzu.

1227  Kommentare expand_more 1227  Kommentare expand_less