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Oberösterreich

Heimkind Stefan: »Wie in einem Gefängnis«

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Sanktionen im Kinderheim: „Sonst Essen weg“ (Privat) Bild: Privat

Aufregung verursachte kürzlich der 13-jährige Stefan, als er vom Jugendwohnheim von „Pro Juventute“ in Golling im Tennengau ausriss, um mit dem Zug nach München zu fahren. Dort besuchte der Sohn einer Krankenschwester aus Aistersheim die „Bild“-Zeitung, um von nicht sonderlich kindgerechten Erziehungsmethoden bei seinen bisherigen Heimaufenthalten zu erzählen.

Der alleinerziehenden Mutter waren Stefan und seine Halbschwester Irina (10) vom Bezirksgericht Traun im Jahr 2008 auf Antrag der Jugendwohlfahrt abgenommen worden. Das Sorgerecht hat bis zur rechtskräftigen Entscheidung das Jugendamt. Die Jugendwohlfahrt gab die Kinder zunächst in die Betreuung des Kinderheimes „Tabaluga“ in Altmünster. Die Mutter bekam vom Gericht ein Besuchsrecht. Die Begründung für die Abnahme der Kinder: die Mutter sei mit ihrer Lebensführung überfordert, könne Sohn und Tochter nicht die nötige Stabilität geben, sei psychisch krank und zudem nicht kooperativ.

Im „Tabaluga“ dürfte es Probleme gegeben haben. Dokumentiert ist ein Suizidversuch des 13-Jährigen im Herbst 2009 durch mehrere Aussagen anderer Heimkinder. Außerdem berichten die Kinder der Krankenschwester von fragwürdigen Erziehungsmethoden.

So sollten die Kinder, falls sie nicht „manierlich“ waren, ohne Abendessen ins Bett (siehe das Foto von einem Plakat im Kinderheim). Angeblich hätten die Kinder auch zur Strafe längere Zeit auf dem Gang stehen müssen. Das, was die Kinder als Missstände im Heim betrachteten, schilderten sie auch in einem Gespräch mit dem Familienrichter. Dieser hielt die Aussagen in einem Aktenvermerk fest. Es sei in dem Heim „geradezu wie in einem Gefängnis“ gewesen, zitiert der Richter den Buben. Auch von „Zwangsmahlzeiten“ war im Gespräch die Rede. Beide äußerten auch eindringlich den Wunsch, nach Hause zu ihrer Mutter zurückkehren zu dürfen.

Doch der Familienrichter dürfte den Aussagen der Kinder kaum Glauben geschenkt haben. Sinngemäß meinte er, die Mutter habe Sohn und Tochter manipuliert.

Schließlich kamen die zwei Kinder von Altmünster nach Golling. Nach dem Ärger über das Verschwinden des 13-Jährigen gibt es nun heftige Konsequenzen: Stefan wurde nun in ein Heim von „Pro Juventute“ nach Tirol gebracht. Somit ist der Bub nicht nur von seiner Mutter, sondern auch von seiner Schwester getrennt, die in Golling geblieben ist.

Warten auf Urteil

Fragwürdig erscheint, wieso der Mutter die Kinder überhaupt weggenommen wurden. Der Kinderpsychiater Werner Leixnering stellt in einem Gutachten fest, dass die Mutter nicht psychisch krank sei und im Falle begleitender Hilfsmaßnahmen fähig sei, sich um ihre Kinder zu kümmern.

Roland Gabl, Anwalt der Mutter, sagt, der Entzug der Obsorge sei nicht verhältnismäßig gewesen und hat gegen das Urteil berufen. Eine Entscheidung steht noch aus. (staro)

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Artikel 09. März 2011 - 00:04 Uhr
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