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Lahore: 72 Tote bei Selbstmordanschlag auf Kinderspielplatz

LAHORE. Bei einem Selbstmordanschlag bei einem Kinderspielplatz im Osten Pakistans sind mindestens 72 Menschen getötet und mehr als 230 verletzt worden.

Bombenexplosion Lahore

Bei einer Bombenexplosion in einem Park in Lahore sind mindestens 38 Menschen getötet worden. Bild: AFP

Die Bombe explodierte in einem Park der Millionenstadt Lahore in der Nähe eines Kinderspielplatzes. Die pakistanische Taliban-Gruppe Jamaat ul-Ahrar bekannte sich zu der Bluttat und erklärte, Ziel seien Christen gewesen.

In dem gut besuchten Park waren am Ostersonntag, einem der ersten warmen Tage des Jahres, auch viele christliche Familien, wie der hohe Verwaltungsbeamte Mohammed Usman sagte. Die christliche Minderheit macht in Pakistan nur 1,6 Prozent der rund 200 Millionen Einwohner aus. Unter den Opfern sind hauptsächlich Frauen und Kinder, wie die Behörden mitteilten.

Es war einer der schwersten Anschläge in Pakistan seit langem. Augenzeugen erzählten laut Medienberichten, blutende und verstümmelte Opfer seien teils mit Rikschas und Taxis in umliegende Krankenhäuser gebracht worden. Dort wurden Notfallmaßnahmen ergriffen. Laut dem Einsatzleiter wurden Armeeärzte zur Hilfe gerufen. Im Fernsehen wurde um Blutspenden gebeten.

Der Sprecher der Armee, General Asim Bajwa, meldete per Kurznachrichtendienst Twitter, dass die Regierung die Armee zur Sicherung des Geländes angefordert habe. Soldaten errichteten eine Sperrzone. Der Ministerpräsident der Provinz Punjab, Shehbaz Sharif, rief eine dreitägige Trauerzeit aus.

Der Taliban-Anleger Jamaat-ul-Ahrar erklärte kurz nach der Tat, Ziel des Anschlags seien Christen gewesen. An Ministerpräsident Nawaz Sharif gehe die Botschaft, dass man in Lahore Fuß gefasst habe. "Er kann machen was er will, aber er wird uns nicht stoppen können. Unsere Selbstmord-Attentäter werde solche Anschläge wiederholen."

Er empfinde "Schmerz und Kummer über den traurigen Verlust von unschuldigen Leben", erklärte Sharif.

 

"Feig" und "entsetzlich"

Deutschland und die USA verurteilten den Terroranschlag scharf. "Dieser abscheuliche Anschlag gegen Familien in einem belebten Park zeigt, dass sich Terrorismus in seinem mörderischen Wahn gegen alle Menschen gleichermaßen richtet - gleich ob Mann oder Frau, jung oder alt, gleich welchen Glaubens und welcher Hautfarbe", erklärte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts in Berlin. Der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates der USA, Ned Price, sprach von einer "feigen" und "entsetzlichen" Tat. Die USA stünden an der Seite des pakistanischen Volkes und der Regierung.

Anschläge in der Vergangenheit

Punjab hat seit mehr als einem Jahr keinen größeren Anschlag erlebt. In der Provinz Khyber Pakhtunkhwa gab es aber jüngst einen Anschlag auf einen Bus voller Regierungsangestellter; 16 Menschen starben.

Ende Februar hatten dort pakistanische Taliban auch eine Universität angegriffen und mehr als 20 Menschen getötet, darunter 17 Studenten. Kurz darauf hatten sie weitere Anschläge angekündigt.

Seitdem im Dezember 2014 pakistanische Taliban in einer von der Armee betriebenen Schule in Peshawar 136 Kinder getötet hatten, hat die Armee ihre Operationen gegen Extremisten massiv erweitert. Dem Terrorismus werde das Rückgrat gebrochen, wiederholen Armeechef und -sprecher. Die Zahl der Anschläge und ihrer Opfer ging 2015 auch stark zurück. Aber Anschläge wie in Lahore und Peshawar zeigen, dass Extremisten weiter über Ressourcen und Rekruten verfügen.

Zahl der getöteten Kinder auf 35 gestiegen

Die Zahl der bei dem Taliban-Anschlag auf einen Park voller Familien in Pakistan getöteten Kinder ist am Montag nach Polizeiangaben weiter gestiegen. 35 Kinder seien ums Leben gekommen, sagte Nasrullah Chadha, leitender Beamter des Polizeibezirks am Park, am Montagnachmittag (Ortszeit) in der Millionenstadt Lahore. Zu Mittag hatte die Polizei die Zahl der toten Kinder zunächst mit 25 angegeben.

Chadha sagte, die Behörden hätten immer noch keinen vollständigen Überblick über die Opfer. Man sei noch dabei, die von Krankenhäusern geschickten Listen zusammenzufügen. Etwa 350 Menschen seien verletzt worden, sagte er.

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Artikel nachrichten.at/apa 28. März 2016 - 15:53 Uhr
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