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Familienpolitik: Karmasin holt sich Tipps aus Dänemark

Von nachrichten.at/apa   04. September 2014 11:04 Uhr

Ministerin Karmasin: "Wir sind bei der Kinderbetreuung Schlusslicht"
Sophie Karmasin will die tradierten Familienbilder entstauben und das Geld für den Nachwuchs sinnvoller verteilen.

WIEN. Familienministerin Sophie Karmasin (ÖVP) ist weiter auf der Suche nach familienpolitischen Vorbildern.

Zu einem Symposium am Donnerstag lud sie den dänischen Staatssekretär Jesper Zwisler, der bei einer Pressekonferenz die Grundsätze der dänischen Familienpolitik klarlegte: Kinderbetreuung sei das Um und Auf, was in Dänemark etwa einen Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung ab dem 6. Monat bedeutet.

Die Zahlen sprechen für sich, denn 91 Prozent der Ein- bis Zweijährigen und 97 Prozent der Drei- bis Fünfjährigen besuchen laut Angaben des dänischen Ministeriums für Kinder, Gleichbehandlung, Integration und Soziales eine Tagesstätte.

Verpflichtend ist das nicht, doch Zwisler hob die hohe Qualität der Kinderbetreuung hervor, und somit werde das Angebot auch in Anspruch genommen. Die positiven Auswirkungen laut Zwisler: Frauen seien stärker im Arbeitsmarkt integriert, dies fördere die Gleichstellung und letztendlich auch die Volkswirtschaft - flächendeckende, hochwertige Kinderbetreuung ist so betrachtet Standortpolitik.

Statistisch 1,8 Kinder bekommt eine Frau in Dänemark, in Österreich beträgt die Geburtenrate 1,4. 73 Prozent der Frauen sind berufstätig, in Österreich liegt der Wert unter 70 Prozent, 48 Prozent der Erwerbstätigen sind Frauen. Kinderbetreuungsgeld gibt es für insgesamt ein Jahr, wobei sich Vater und Mutter die Betreuungszeit und das Geld teilen können, bis hin zur tageweisen Aufteilung.

Karmasin, die sich bereits in Frankreich und Deutschland auf Fact-Finding-Missions umgetan hat, sieht indes derzeit keine Chance für einen Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung, zumal ab sechs Monaten. "Da sind wir in einfach in Österreich kulturell noch sehr weit weg", sagte sie. Die Ministerin findet vor allem den dänischen Ansatz der "Flexibilität" (Zwisler) attraktiv. Es dürfe "kein Diktat der Politik" geben, der Staat habe nur die Rahmenbedingungen zur Verfügung zu stellen. Dies ist auch eine von fünf "Thesen", die sie am Donnerstag präsentierte.

Eine weitere ist, dass der Ausbau der Kinderbetreuung eine "politische Selbstverständlichkeit" zu sein habe. "Hier wollen wir eigentlich nicht mehr diskutieren", ob dies nötig oder erwünscht sei. Unternehmen müssten familienfreundlicher werden, so eine weitere "These", Partnerschaftlichkeit möge der "Leitgedanke für eine familienfreundliche Gesellschaft" werden und Elternbildung müsse forciert werden.

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