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Katholische Kirche: "Müssen auch kantiger werden"

LINZ. Zahl der Austritte wieder gestiegen – hochrangige Kirchenvertreter sprechen über Ursachen und Reformschritte.

Katholische Kirche: "Müssen auch kantiger werden"

Pastoralrats-Vorsitzender Froschauer Bild:

Nächstes Wochenende werden rund 500 Teilnehmer aus unterschiedlichen Kirchengremien mögliche Reformen in der Diözese Linz diskutieren. Bei dieser Konferenz anlässlich des Prozesses "Zukunftsweg" im Schloss Puchberg in Wels wird wohl auch die jüngste Kirchenstatistik ein Thema sein.

Wie berichtet, ist die Zahl der Kirchenaustritte in Österreich nach zwei "besseren" Jahren 2018 wieder um 8,7 Prozent gestiegen. In Oberösterreich haben um 10,4 Prozent mehr Katholiken der Kirche den Rücken gekehrt. Woran liegt das? Und was kann die Kirche tun, um zu vermeiden, dass die Zahl der Katholiken in Österreich heuer die Marke von fünf Millionen unterschreitet (derzeit 5,05 Millionen)?

"Viele Menschen basteln sich ihr eigenes religiöses Gebilde", sagt Wolfgang Froschauer. Er ist Vorsitzender des Pastoralrats der Diözese Linz, des größten Beratungsgremiums von Bischof Manfred Scheuer. Spiritualität werde zunehmend entkonfessionalisiert. "Das heißt nicht, dass sie keinen Glauben hätten, aber ohne eine Bindung. Es werden Elemente unterschiedlicher Konfessionen herausgenommen, etwa aus dem Katholischen, Evangelischen und Orthodoxen."

Natürlich sei auch die Aufdeckung von Skandalen ein Grund für Kirchenaustritte, räumt Froschauer ein. Er erinnert an tausende Missbrauchsfälle in Deutschland, die 2018 publik wurden: "Hier gibt es mittlerweile eine grenzüberschreitende Wahrnehmung."

Zur gesellschaftlichen Entwicklung kämen "ungeklärte persönliche Verärgerungen und Verletzungen in Bezug auf Kirche", sagt auch Gabriele Eder-Cakl, Direktorin des Pastoralamts, das unter anderem für Seelsorge zuständig ist. Die Kirche müsse neue und vielfältige Formen der Bindung schaffen.

Bischof tat, "was er konnte"

"Wir hören genau hin, was diese Menschen ärgert. Wir setzen konkrete Schritte für Transparenz bei Konflikten, in Bezug auf Gleichberechtigung von Frauen und Männern und Kommunikation mit den Mitgliedern", sagt Eder-Cakl. Bald werde ein spezielles Magazin für die Mitglieder herausgegeben.

Katholische Kirche: "Müssen auch kantiger werden"

Pastoralamts-Direktorin Eder-Cakl

 

Und der Bischof habe im November das entschieden, "was er konnte". Wie berichtet, erlaubte er, dass Laien aufgrund des Priestermangels wieder taufen dürfen. "Was er nicht entscheiden kann, hat er in einem Brief an den Papst deutlich formuliert", sagt Eder-Cakl. Scheuer verwies in einem Schreiben an Franziskus auf Forderungen in seiner Diözese nach einer Weihe von bewährten verheirateten Männern ("viri probati"), Entbindung vom Zölibat sowie dem Frauendiakonat.

Zwei von Froschauers Vorschlägen, um die Leute von der Kirche zu überzeugen: "Wir müssen auch kantiger werden." Die Kirche solle sich mehr bei sozial- und gesellschaftspolitischen Themen positionieren, ohne Nähe zu Parteipolitik. Und Froschauer betont, dass "wir Qualität anbieten und auf Bedürfnisse eingehen müssen – bei Hochzeiten, Taufen, Begräbnissen". Er erlebe bei der Vorbereitung von Hochzeiten, dass junge Leute sehr wohl Ritualisierung möchten.

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Artikel Alexander Zens 12. Januar 2019 - 00:04 Uhr
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