1938 (Chronik)

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"Dann war er weg": Die Morde an vier Polizisten

Polizeijurist Bernegger Bild: Archiv Gansinger

"Dann war er weg": Die Morde an vier Polizisten

Am 12. März jährte sich der Einmarsch deutscher Truppen zum 80. Mal. Erst 1945 sollte Österreich wiederauferstehen. Ein Rückblick auf bewegte Tage.

Von Markus Staudinger, 14. März 2018 - 00:04 Uhr

Montag, 14. März 1938: Hitler verlässt um 10.40 Uhr Linz Richtung Wien +++ Alle jüdischen Vereine werden aufgelöst, deren Vermögen beschlagnahmt +++ Das Justizministerium verfügt „die Enthebung aller Richter und Staatsanwälte, die Juden oder Halbjuden sind“. +++ Heinrich Himmler ernennt Ernst Kaltenbrunner zum „Führer des SS-Oberabschnittes Österreich“.

 

Die Nationalsozialisten ließen keine Zeit verstreichen, ihre Rachegelüste auszuleben. Josef Schmirl, geboren als Sohn eines Messerschmieds in Steyrling, war 41 Jahre alt, als die Nazis in Österreich die Macht ergriffen. Im Polizeidienst hat er sich nach oben gearbeitet. In den 30er-Jahren ist Schmirl Kriminal-Oberinspektor in Linz und mit der Verfolgung illegaler Nationalsozialisten und derer Vergehen befasst.

Das kostet ihn das Leben. Am 13. März um 22 Uhr rumpelt es an der Tür seiner Wohnung in der Auerspergstraße in Linz. Gestapo und SA-Männer verhaften Schmirl vor den Augen seiner damals neunjährigen Tochter Anneliese. "Der Vater ist noch zu mir zum Bett gekommen. Hat mir ein Kreuz auf die Stirn gezeichnet und hat mich so gedrückt. Dann war er weg", erinnert sie sich im Gespräch mit dem Rieder Heimatforscher Gottfried Gansinger.

Es war das letzte Mal, dass sie ihren Vater sah. Josef Schmirl wird am 14. März 1938 im Linzer Polizeigefängnis erschossen.

Nichts unternommen, um ihn zu retten, hat sein Schwager Friedrich Kranebitter, ein hochrangiger Nationalsozialist. Der Jurist aus dem Innviertel leitet nach dem "Anschluss" die Gestapo-Außenstelle in Wiener Neustadt. Während des Krieges soll Kranebitter in der Ukraine für die Hinrichtung tausender Zivilisten verantwortlich sein, wie der Schriftsteller Ludwig Laher in seinem Buch "Bitter" nachzeichnet.

Kopfhaut auf dem Kanaldeckel

Der Nächste auf der Mordliste der Nationalsozialisten ist Polizeijurist Ludwig Bernegger.

Auch Bernegger war im Referat zur NS-Bekämpfung. Er wird am 14. März um drei Uhr früh von SA und SS aus seiner Wohnung in der Linzer Dinghoferstraße geholt und brutal zusammengeschlagen. Auf einem Kanalgitter vor dem Haus findet man später ein Stück seiner Kopfhaut mit einem Haarbüschel. Er ist noch am Leben, als er in die Polizeidirektion Linz gebracht wird. Wann genau er ermordet wird, ist nicht bekannt. Nach zwei Wochen erhält seine Witwe eine Urne mit Berneggers Überresten. Den Nazis zum Opfer fällt in den ersten Anschlusstagen auch Kriminal-Revierinspektor Josef Feldmann.

Mit Hermann Göring verwandt

Am 16. März wird der Linzer Ex-Polizeidirektor Viktor Bentz in seiner Wohnung in Schloss Haus bei Wartberg/Aist abgeholt. Er wird in einem Wald bei Gallneukirchen "auf der Flucht" erschossen. Auch Bentz hat verwandtschaftliche Beziehungen zu Nazis. Sie reichen in höchste Ebenen: Bentz’ Cousin ist Franz Hueber, Justizminister der Kurzzeit-Regierung Seyß-Inquarts und Schwager von Hermann Göring.

Heimatforscher Gansinger notiert, dass Göring bei einem späteren Familienfest gefragt wird, "ob denn das hat sein müssen, dass Viktor umgebracht wurde". "Ja", soll er geantwortet haben. "Es ist nicht anders gegangen."

Ebenfalls den Nazis zum Opfer fällt der Leiter der Justizanstalt (JA) Garsten, Othmar Bereiter. Er wird am 16. März erschossen. In der JA Garsten findet heute eine Gedenkfeier statt.

Nächster Teil morgen, Donnerstag. Alle Serienteile zum Nachlesen auf nachrichten.at/1938

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