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Endlich freie Sicht für alle auf die Bühne

LINZ. Mit Eröffnung des neuen Musiktheaters in Linz im April 2013 wird das „alte“ Landestheater am Standort Promenade zum alleinigen Schauspielhaus.

Endlich freie Sicht für alle auf die Bühne

Von den Plätzen am 2. Rang im Großen Haus sind die Sicht- und Hörverhältnisse unzumutbar. Bild: Herzenberger

Neben den Kammerspielen wird auch das Große Haus, bisher Heimstatt für Oper, Musical und Ballett und nur zwei Mal pro Jahr für große Schauspiel-Inszenierungen genutzt, zur Schauspiel-Bühne. Das bedarf aber einiger Adaptierungsschritte, die Zeit – und Geld kosten.

Eine Machbarkeitsstudie des Berliner Architektenbüros Pitz & Hoh hat eine penible Bestandsaufnahme der Bausubstanz erstellt, einige Varianten der Adaptierung zusammengefasst und diese mit Mini, Midi und Maxi bezeichnet. Die Namensgebung gibt Hinweis darauf, dass es sich sowohl baulich als auch finanziell um sehr unterschiedliche Varianten handelt: von zirka 3,5 bis 30,5 Millionen Euro Investitionsvolumen.

Das Ganze sei „aber auch, und das ist besonders wichtig, ein Modulsystem“, sagt Gerhard Willert, Schauspielchef am Landestheater Linz. Das bedeutet: „Es ist nicht so wie in den vergangenen 50 bis 70 Jahren, dass immer irgendwo angebaut, umgebaut und adaptiert wurde und damit woanders wieder neue Probleme entstanden sind, sondern es kann von einer Mini-Lösung ausgegangen werden und beispielsweise 2020 und dann wieder 2027 weiter adaptiert werden.“

Mini, Midi und Maxi

Welche Lösung würde er sich, als Schauspielchef, wünschen? Willert gibt sich im OÖNachrichten-Gespräch bescheiden, „aber eine minimale Mini-Lösung wäre enttäuschend. Es sollte schon so sein, dass es wirklich von allen Plätzen aus gute Sicht auf die Bühne gibt und das Haus endlich barrierefrei wird.“

Wer je im Großen Haus auf einem der Seitenplätze im 1. Rang gesessen ist oder im 2. Rang auf einem Stehplatz ein paar sinnlose Euro ausgegeben hat, weiß, dass diese Plätze unzumutbar sind – und gar nicht mehr verkauft werden sollten/dürften.

Geplant sei, vom Parkett an zum ersten Rang eine große, steile Tribüne aufzubauen und den 2. Rang stehen zu lassen als dann allerdings einzigen Rang – die Seitenplätze kämen natürlich weg. Das entspräche einer Kapazität von „450 bis höchstens 520 Sitzplätzen“. Bisher stehen 730 Plätze zur Verfügung.

Ein enorm wichtiger Punkt für Willert ist die Akustik: „Da gibt es ganz genaue Berechnungen von Fachleuten. Im Musiktheater-Bereich ist es so, dass pro Zuhörer sechs bis sieben Kubikmeter Raumvolumen ideal sind. Für Zuschauer beim Schauspiel rechnet man mit rund fünf Kubikmetern Raumvolumen. Derzeit gibt es im Großen Haus, umgerechnet auf die Sitzplätze, nur drei Kubikmeter.“ Das bedeutet für einen Regisseur, „dass ich im 1. Rang den Schauspielern sagen muss, sie sollen nicht so schreien auf der Bühne. Im 2. Rang schreie ich ihnen aber zu: ,Sprecht lauter!’ Es ist nicht möglich, für alle im Saal Sitzenden einen zufriedenstellenden Ton zu finden“, sagt Willert.

Für die Zeit während der Adaptierungsmaßnahmen des Großen Hauses kann sich Willert vorstellen, den Betrieb im Eisenhand einzustellen und eventuell eine Baustellen-Bespielung im Großen Haus anzubieten. Außerdem gebe es die Möglichkeit der Bespielung der so genannten Black Box im neuen Musiktheater. Fix sei, „dass die Anzahl der Produktionen im Schauspielbereich, nämlich 16 bis 17 pro Saison, gleich bleibt. Ebenso wie die Anzahl der Ensemblemitglieder.“

Vom Denkmalschutz hängt's ab

Einer der nächsten Schritte zu einem für alle zufriedenstellenden Schauspielhaus im Großen Haus fällt dem Denkmalamt zu. 1957 wurden, nach Plänen von Architekt Clemens Holzmeister, die Kammerspiele errichtet und ein Jahr später das Große Haus umgebaut: Aus dem alten Logentheater wurde ein damals modernes Rangtheater. Was davon heute unter denkmalgeschützt fällt oder nicht, wird auch weitere bauliche Maßnahmen beeinflussen.

 

Der Zeitplan

Es gibt noch keine konkreten Pläne, aber der Zeitplan bis zur Eröffnung des zu einem Schauspielhaus adaptierten Großen Hauses könnte folgendermaßen ausschauen:

1. April 2013: Der Vorhang im Großen Haus senkt sich zum letzten Mal.

11. April 2013: Das neue Musiktheater auf der Linzer Blumau wird eröffnet. Das Interesse gilt naturgemäß dem neuen Haus für Oper, Musiktheater und Ballett. In den Kammerspielen wird die Schauspiel-Saison bis Ende Juni zu Ende gespielt werden.

Ende der Spielzeit 2013/14: Beginn der Umbau- und Adaptierungsphase im Großen Haus

Spielzeit 2014/15: Bauphase (mit eventuell möglicher Baustellen-Bespielung, dafür Auflassung Spielstätte Eisenhand)

Herbst 2015: Vorhang hebt sich im neuen Schauspielhaus im Großen Haus (gleichzeitig Auflassung der Spielstätte u\hof: und Übersiedlung von u\hof: in die Kammerspiele).

 

Drei Fragen an Josef Pühringer

Landeshauptmann, oö. Kultur- und Finanzreferent

1 Es gibt verschiedene Modelle für eine Adaptierung des Großen Hauses zu einem künftigen Schauspielhaus. Wie viel Geld kann der Finanzreferent dem Kulturreferenten dafür zusagen?

Eine Summe von sieben bis zehn Millionen Euro. Das ist ja eine Investition, die später zurückkommt, weil wir uns Miete und Betriebskosten der Landestheater-Spielstätten Eisenhand und u\hof: sparen werden können.

2 Wird es einen Architektenwettbewerb geben?

Das kann ich derzeit noch nicht sagen. Das müssen die Fachleute entscheiden.

3 Wann könnte sich der Vorhang im adaptierten Großen Haus heben?

In der Saison 2015/16 könnte ich mir das schon vorstellen.

 

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Artikel Silvia Nagl 08. Juni 2012 - 00:04 Uhr
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