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Reisen

Der lange Ritt durch die Wildnis

Von Roswitha Fitzinger   19. Januar 2019 17:00 Uhr

Der lange Ritt durch die Wildnis
Sonja, Lightfoot & Hündin Leni in der Muskwa-Kechika, der größten Wildnis der kanadischen Rockys. „Hier waren wir vier Monate unterwegs, ohne einem Menschen zu begegnen.“

Sonja Endlweber hat ihren Job als Unternehmensberaterin in Wien an den Nagel gehängt, um durch die Wildnis der USA, Kanadas und Alaskas zu reiten. Von ihrem sieben Jahre dauernden Ritt erzählt sie bei den von den OÖN präsentierten Reise- und Abenteuertagen "Alles Leinwand".

Es ist nicht so, dass ich tiefgreifende Gedanken wälzen würde oder große Erkenntnisse hätte, vielmehr höre ich auf, mir Gedanken zu machen. Die Aufmerksamkeit wird auf das Sehen, Hören, Riechen gelenkt. Wenn ich draußen unterwegs bin, ist nur das Hier und Jetzt relevant", beschreibt Sonja Endlweber das Unterwegssein mit den Pferden, das sie mit einer ganz tiefen Zufriedenheit erfülle, wie sie sagt.

Sieben Jahre ist sie in den USA, Kanada und Alaska durch wilde, unberührte Naturlandschaften geritten, meist mit Partner Günter Wamser und mit zwei Reit- und zwei Packpferden sowie Hündin Leni. Gemeinsam sind sie auf steilen Gebirgspfaden durch die Rocky Mountains gezogen, haben sich mit Handsägen den Weg durch den Busch freigekämpft, sich wie auf rohen Eiern durch Sumpfgebiete bewegt oder sind bei einer Wassertemperatur knapp über null Grad auf den Rücken ihrer Pferde durch breite Gebirgsflüsse geritten.

Der lange Ritt durch die Wildnis
Gefährliches Sumpfterrain vor herrlicher Kulisse im Norden Kanadas

Auch ein Zusammentreffen mit wilden Tieren blieb nicht aus. "Man hört viele Schreckensgeschichten, aber wir hatten in all den Jahren keine gefährlichen Bärenbegegnungen. Nur einmal ist eine Bärenmutter mit zwei Jungen direkt auf Günter zugelaufen, aber sie sind an ihm vorbei. Wir waren einfach zur falschen Zeit am falschen Ort."

Allein durch die Wildnis

Sonja Endlweber kennt aber auch das Gefühl, als Frau in der Wildnis gänzlich auf sich gestellt zu sein. Im Juli 2017 ritt die 45-Jährige allein durch die Chilcotin Mountains in British Columbia. Ein neues Gefühl, neue Herausforderungen und manchmal ein Kraftakt, wenn es darum ging, die 25 Kilo schwere Packtasche aufs Pferd zu hieven oder sich den Weg durch das Dickicht des Waldes alleine frei zu schneiden. Das Alleinsein erwies sich hingegen wider Erwarten als unproblematisch.

Der lange Ritt durch die Wildnis
Idyllischer Lagerplatz im Jasper-Nationalpark mit ausreichend Pferdefutter

"Ich hatte ja die Pferde und Leni." Selbst als sich eines Nachts zwei Grizzlys ihrem Zelt gefährlich näherten, bewahrte sie Ruhe. "Es sind die schönen Momente, in denen man einen Menschen an seiner Seite vermisst, weil man sie mit jemandem teilen möchte, aber niemand da ist."

Jahre sind vergangen, seit Sonja Endlweber ihren Job als Unternehmensberaterin in Wien aufgegeben hat. Nachdem sie im Auftrag ihrer Firma in Kambodscha ein Sozialprojekt betreute, war nach ihrer Rückkehr klar, "das will ich nicht mehr". Vielmehr wollte sie sich einen neuen Job suchen. "Dann ist mir Günter in Form eines Plakates begegnet." Am Ende seines Vortrages als Abenteuerreiter war für die 45-Jährige klar: "Da will ich mit."

Der lange Ritt durch die Wildnis
Nach sieben Jahren und 10.000 Kilometern Ankunft am Ziel in Alaska

Auch weil Pferde schon immer ein Kindheitstraum waren, der irgendwann aufgrund mangelnder Zeit ausgeträumt schien. Heute lebt sie ihn wieder. Die Wohnung in Wien hat sie längst aufgegeben, Günter Wamser ist zu ihrem Lebenspartner geworden und die Liebe zu den Pferden neu entflammt. Die Tiere sind nicht nur Lastenträger, sondern mit den Jahren zu Freunden und Weggefährten geworden, wie sie sagt. "Um ein Pferd muss man sich immer kümmern, aber man bekommt so viel zurück." Dino, Lightfoot, Azabache und Rusty sind Mustangs, die zwei Jahre als Wildpferde lebten und dann von Strafgefangenen zugeritten wurden. Den Winter verbringen sie auf einer Ranch in Kanada bei Freunden, bevor im Sommer die Freiheit und Wildnis lockt. Vor zwei Jahren hat das Paar erstmals auf ihren Pferde-Trekkingtouren Touristen mitgenommen. "Das hat uns richtig Spaß gemacht und kommt gut an." Die beiden dreiwöchigen Reisen für dieses Jahr sind zwar bereits ausgebucht, aber weitere Touren für 2020 sind angedacht.

Der lange Ritt durch die Wildnis
Neugierige Blicke der Karibus im Willmore Wilderness Park in Kanada

Abenteuer Australien

Das nächste große Abenteuer der beiden nimmt bereits Formen an. Es heißt Australien. Gemeinsam wollen sie den fünften Kontinent bereisen – zu Ross selbstverständlich. Doch bevor es so weit ist, will Sonja Endlweber noch einmal alleine losziehen und mehrere Monate auf einem Weitwanderweg durch die USA reiten.

Als mutig empfindet sie sich nicht. "Man muss es nur wollen, den ersten Schritt ins Auge fassen und diesen dann auch gehen." Das versuche sie auch in ihren Vorträgen zu vermitteln. Kommende Woche wird sie in Steyr, Kirchdorf und Lenzing von ihren Abenteuern erzählen (siehe Kasten) und dort dann sicher auch die meistgestellte Frage ihrer Vorträge beantworten: wie sie das Ganze finanziert...

 

Zur Person

Name: Sonja Endlweber (45) aus Langenzersdorf

Beruf: bis 2006 Unternehmensberaterin

Vortrag: „Ein langer Ritt“, 22. Jänner Kino Lenzing, 23. Jänner Kino Kirchdorf, 24. Jänner im City-Kino Steyr, 19.30 Uhr. www.abenteurreiter.de

Weitere Vorträge:
Andreas Pröve: „Myanmar/Burma. Zauber eines goldenen Landes“, Kino Lenzing 12. Februar, Kino Kirchdorf 13. Februar, City-Kino Steyr 14. Februar, Beginn 19.30 Uhr

Dirk Bleyer: „Südafrika – von Kapstadt zum Krügerpark“,
Kino Lenzing 5. März, Kino Kirchdorf 6. März, City-Kino Steyr 7. März; 19.30 Uhr.

Thomas Huber: „SteinZeit – Leidenschaft Bergsteigen“, 21. März im Stadttheater Steyr, 19.30 Uhr

Bruno Maul: „Kuba – Insel im Aufbruch“, Kino Lenzing 2. April, Kino Kirchdorf 3. April, City Kino Steyr 4. April

Karten gibt es bei allesleinwand.at.

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