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Gesundheit

Ist die Panik um Corona angebracht?

Von Dietlind Hebestreit  20. Februar 2020 09:38 Uhr

Ist die Panik um Corona angebracht?

Experten sind uneinig: Die einen sprechen von einem beispiellosen Ausbruch, die anderen vergleichen den Virus mit Influenza

Die einen schüren Panik, die anderen beschwichtigen: Der Corona-Virus oder Covid-19, wie die korrekte medizinische Bezeichnung lautet, polarisiert. Seit Ende 2019 berichten die Medien. "Ich weiß von keinem Ausbruch in den letzten 100 Jahren, der sich so schnell so weit ausgebreitet hat", sagt Tropenmediziner Jeremy Farrar in der Süddeutschen Zeitung. Er vermutet, dass sich die Erkrankung auf Nordamerika, Europa, später nach Afrika und schließlich auf Südamerika ausbreiten wird. Die OÖNachrichten haben Professor Martin Haditsch zu den wichtigsten Fakten rund um die neue Erkrankung befragt. Der Leondinger Facharzt für Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie gibt vorsichtige Entwarnung:

  • Hysterie: "Die Erregung rund um Covid-19 ist für mich rational nicht nachvollziehbar. Dieses Virus ist nicht besonders gefährlich", sagt Haditsch. Die 75.000 Fälle, die in den vergangenen sechs Wochen verzeichnet wurden, umfassen sowohl Erkrankte als auch Infizierte ohne Symptome – Letztere allerdings nur außerhalb von Asien. Bei den exportierten Fällen werden nämlich auch gesunde Menschen, die den Erreger in sich tragen, mitgezählt.
  • Übertragung: Wäre das Virus so ansteckend wie Masern, "so hätte es bereits eine Spur der Verwüstung durch Europa gezogen", sagt Haditsch. Das sei jedoch nicht der Fall. Nachgewiesen ist die Ansteckung über den Speichel. Ob auch Viren, die über den Stuhl ausgeschieden werden, zur Übertragung führen, ist nicht geklärt. Wo Menschen auf engem Raum miteinander verkehren – wie in der U-Bahn oder in Einkaufszentren –, ist die Ansteckungsgefahr unverhältnismäßig höher. Die Inkubationszeit (von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Erkrankung) beträgt zwei bis 14 Tage.
  • Gefährlichkeit: "Die 75.000 gemeldeten Fälle sind nur die Spitze des Eisberges. In Wirklichkeit handelt es sich eher um eine halbe Million Angesteckte", sagt der Mikrobiologe. Warum das auch eine gute Nachricht ist: Stellt man die von Haditsch geschätzte Anzahl von Betroffenen den Todesfällen gegenüber, ergibt sich eine Todesrate von 0,3 Prozent. "Das ist schlimm genug, entspricht jedoch der Rate bei Influenza", so der Experte. Im Vergleich: Bei der SARS-Epidemie 2003 lag die Sterblichkeit bei über zehn Prozent. MERS-Viren auf der Arabischen Halbinsel fordern mehr als 30 bis 40 Prozent Todesopfer.
  • Verlauf: 80,9 Prozent der Covid-19-Infektionen seien als mild einzustufen, heißt es in einer Studie, die Anfang der Woche im Chinese Journal of Epidemiology veröffentlicht wurde. Unter Kindern bis zum Alter von neun Jahren gab es bislang keine Todesfälle. Das höchste Sterberisiko bei einer Infektion haben der Studie zufolge Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, gefolgt von Diabetikern, Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen und Bluthochdruck.
  • Herkunft: Dass der Ursprung für Virus-Epidemien mit SARS, Covid-19 oder Influenza ausgerechnet in Asien zu suchen ist, stellt keinen Zufall dar. Haditsch spricht von dem "Dreieck Mensch, Vogel und Schwein". Wenn diese sich den Lebensraum teilen, so steige die Wahrscheinlichkeit für das Überspringen eines Virus vom Tier auf den Menschen. Auch mangelnde hygienische Vorkehrungen sind mitverantwortlich.
  • Schutz vor Ansteckung: Es ist so banal wie effizient: Händewaschen ist der wichtigste Schutz, besonders vor dem Essen. Das schützt vor den neuen Corona-Viren genauso wie vor Influenza, die in Österreich übrigens eine konkrete Gefahr darstellt. Immerhin sind rund 200.000 Menschen betroffen, nur sechs bis acht Prozent der Bevölkerung sind geimpft. Gegen Corona-Viren gibt es noch keine Impfung.
  • Das Tragen von Mundschutz ist laut Haditsch übrigens nur nützlich, wenn dieser mit dem Gesicht eng abschließt – was meistens nicht der Fall ist, da man dann schlecht Luft bekommt.


Mehr zum Thema lesen Sie im Leitartikel von Dietmar Mascher

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