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Gesundheit

Das sind die 10 hartnäckigsten Stillmythen

04. März 2020 09:20 Uhr

Stillen

Wenn es um das Thema Stillen geht, halten sich viele Mythen, die verunsichern. Oberärztin Gudrun Böhm und Hebamme Julia Haslauer vom Konventspital der Barmherzigen Brüder Linz klären auf.

  1. Wenn die Mutter nicht stillen konnte, klappt es bei der Tochter auch nicht: Die Fähigkeit zu stillen wird nicht vererbt und ist auch kein Instinkt, sondern kann erlernt werden. Was an Wissen früher durch die Großfamilie weitergegeben wurde, erfahren werdende Mütter heute in Stillambulanzen – wie sie auch das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder betreibt –, in Hebammengesprächen oder Stillgruppen. Je früher man sich während der Schwangerschaft mit dem Thema Stillen beschäftigt, desto entspannter wird der Umgang damit.
  2. Stillen tut anfangs weh: Stillen an sich schmerzt nicht. Natürlich ist es anfangs ein ungewohntes Gefühl. Die meisten Mütter berichten von Nähe, Verbundenheit und von einem großen Glücksgefühl. Schmerzen entstehen, wenn das Kind nicht richtig angelegt ist. Um Unsicherheiten zu vermeiden, ist eine liebevolle und fundierte Unterstützung wichtig. Meist wird das Neugeborene eine halbe Stunde nach der Geburt das erste Mal angelegt. Das "Kolostrum", also die erste Milch, liefert dabei wichtige Abwehrstoffe und bietet dem Baby einen ersten Infektionsschutz.
  3. Viele Lebensmittel sind tabu: Das ist ein hartnäckiger Irrglaube. Weder in der Schwangerschaft noch in der Stillzeit muss man "für zwei" essen. Und es gibt – außer Alkohol – keine Verbote. Das Beste ist eine gesunde Ernährung nach Hungergefühl und Vorlieben der Mutter.
  4. Kein Sport: In der Wochenbettzeit, also den ersten sechs Wochen nach der Geburt, sollte zur Schonung der Mutter auf Sport verzichtet werden. Das Stillen selbst ist kein Grund, keine Bewegung zu machen. Man hört immer wieder die kuriose Aussage, dass durch Sport die Milch sauer wird. Das ist Unsinn. Die Milch wird ja während des Stillens durch die milchbildenden Zellen jederzeit frisch produziert.
  5. Zwei Stunden Pause: Dieses Vorurteil wurzelt in den Anfängen der Flaschenmilchnahrung, die damals schwer verdaulich war und Bauchweh hervorgerufen hat. Das ist beim Stillen nicht so. Muttermilch ist optimal verdaulich. Gestillt werden soll nach Bedarf des Kindes. Gerade am Abend haben Kinder ein größeres Bedürfnis nach Stillen.
  6. Länger als sechs Monate stillen bringt dem Baby nichts: Im Gegenteil. Die Muttermilch ist im gesamten ersten Lebensjahr ein wichtiger Nährstofflieferant und leistet zudem einen wesentlichen Beitrag zur Allergieprävention, wenn während der Beikosteinführung weitergestillt wird. Besonders im zweiten Lebensjahr, wenn die Kinder mobiler werden und mit Keimen aus der Umwelt in Kontakt kommen – zum Beispiel durch In-den-Mund-Stecken von Erde – zeigt Muttermilch, wie anpassungsfähig sie ist. Je nachdem wogegen der kindliche Körper sich wehren muss, sind in der Muttermilch die passenden Abwehrstoffe vorhanden.
  7. Nächtliches Stillen verhindert das Durchschlafen: Babys schlafen generell nicht durch, und das ist auch gut so, da sich ihr ganz individueller Schlafrhythmus positiv auf die Gehirnentwicklung auswirkt. So ist auch von Schlaftrainings abzuraten, die das Kind zum Durchschlafen bringen sollen. Stillen hat in der Nacht einen großen Vorteil: Es ist im Vergleich zum Aufstehen und Fläschchenvorbereiten einfacher und harmonischer. Außerdem erleiden gestillte Kinder seltener einen plötzlichen Kindstod.
  8. Das Baby muss an beiden Seiten trinken: In den ersten Tagen zur Anregung der Milchbildung – ja. Dann spielt sich das rasch von selbst ein. Wenn das Kind sehr hungrig ist, wird es beide Brüste benötigen, sonst reicht das Trinken an einer Brust. Der seitenwechselnde Rhythmus stellt sich von selbst ein.
  9. Bei Infekten und Einnahme von Medikamenten darf nicht gestillt werden: Stillende Mütter leiden oft grundlos, weil sie glauben, dass sie ohne medikamentöse Unterstützung ein gesundheitliches Problem überwinden müssen. Es gibt aber fast für jede Erkrankung geeignete Medikamente. Selbst Antibiotika sind kein Grund, mit dem Stillen aufzuhören.
  10. Die Brüste werden schlaff: Diese Sorge können wir den Müttern nehmen. Die Brust verändert sich vor allem durch Nikotin, Alter und Gewichtsschwankungen – also auch während der Schwangerschaft. Stillen hat – bis auf eine kurze Zeit nach dem Abstillen, in der sich die Brust wieder umbaut, keinen wesentlichen negativen Einfluss auf die Form.
  • Familien-Vorsorgetag: Am 6. März findet bei den "Spitalspartnern Brüder. Schwestern. Linz "von 13 bis 17 Uhr der alljährliche Familien-Vorsorgetag statt. Stillberaterinnen beantworten hier persönliche Fragen, genauso wie 25 Expertinnen und Experten aus verschiedenen medizinischen Fachgebieten.
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