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Kultur

Wahre Liebe trifft auf Virtual Reality

Von Michael Wruss   06. August 2018 00:04 Uhr

Wahre Liebe trifft auf Virtual Reality
Regisseur Kobie von Rensburg lässt die Protagonisten in eine virtuelle Realität eintauchen.

Die Premiere von Händels Oper "Atalanta" auf Schloss Greinburg ging neue Wege.

Georg Friedrich Händels 1736 uraufgeführte "Atalanta" war einer seiner größten Opernerfolge. Das nicht nur wegen des königlichen Umfeldes der Hochzeit des Prince of Wales, sondern auch wegen eines damals durchaus beliebten Stoffes, der in seiner ursprünglichen Fassung bei Ovid ziemlich blutrünstig ist. In der Oper konzentriert man sich auf die Liebe, und dieses immerwährende Thema hat man bei den Donaufestwochen im Strudengau am Samstag im Rittersaal von Schloss Greinburg liebevoll in die heutige Zeit versetzt.

Anonyme Cyberliebe

Amors Wege führen Prinzessin und König in ein hübsches Single-Resort namens Arcadia. Man legt sich Nicknamen zu, um anonym in der virtuellen Welt der Cyberliebe zu surfen. Schon beginnt das Verwirrspiel … Der südafrikanische Tenor Kobie van Rensburg setzt in seiner Inszenierung eine digitale Dimension drauf, denn Sein und Schein des Theaters vermischen sich hier nicht durch fantasievolle Kostüme und Bühnenbilder, vielmehr tauchen die Protagonisten in eine virtuelle Realität ein.

Sie spielen vor Bluescreens und werden technisch in die auf einer Riesenleinwand zu sehende artifizielle Welt hineingesetzt. Das funktioniert soweit ganz gut, dennoch fühlt man sich mehr im Kino, denn vor einer Opernbühne. Ein Experiment, das ohne Räume Räumlichkeit schafft und ohne Rücksicht auf die örtlichen Gegebenheiten leicht "verpflanzt" werden kann, was auch notwendig ist, da man diese "Atalanta" nächstes Jahr bei den Händel-Festspielen in Halle zeigen wird.

Musikalisch war der Abend unter der Leitung von Michi Gaigg, die mit ihrem L’Orfeo Barockorchester die Partitur fein erarbeitet hat, ein voller Erfolg. Sie trifft die idealen Tempi und Affekte und geht damit der Aussage der einzelnen Szenen auf den Grund. Es gelingt auch, eine lebendig-natürliche Musizierfreude an den Tag zu legen. Bei so einem Fundament tun sich die Protagonisten leicht – allen voran Amelie Müller als vorzüglicher Meleagro. Diese Rolle hat Händel für einen fulminanten 21-jährigen Soprankastraten geschrieben und es gelingt Amelie Müller, diese Herausforderung überzeugend zu meistern und vor allem stimmlich zu brillieren.

Seine geliebte Amarilli, die sich erst allmählich als Prinzessin Atalanta entpuppt, fand in Silvia Frigato die ideale Besetzung. Sie versteht es, fein zu phrasieren und den emotionalen Gehalt der Musik punktgenau zu treffen. Maria Weiss überzeugte als wankelmütige Irene, und Christian Zenker verkörperte beeindruckend den ihr hörigen und emotional zwischen Resignation und Eifersucht zu schwankenden "Barkeeper" Aminta. Reinhard Mayr schlüpfte gekonnt sowohl in die Rolle des Nicandro als auch des Mercurio, der zum Schluss den Liebeswirren ein göttliches Ende setzt.

Fazit: Eine sehr gelungene und aufgrund der technischen Umsetzung ganz ungewohnte Aufführung, die den Besuchern zu Recht viel Freude bereitete. Ob diese virtuellen Welten die Oper von morgen bedeuten, sei einstweilen dahingestellt. Live wirkte manches etwas holprig.

Schloss Greinburg: Premiere von Georg Friedrich Händels Oper "Atalanta", 4. 8.

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