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Kultur

Neues Buch von Tarek Leitner: Ein Tropfen Hässlichkeit zerstört alles

Von Dietlind Hebestreit   25. September 2012 00:04 Uhr

Ein Tropfen Hässlichkeit zerstört alles
Der ZIB-Moderator nimmt den urbanen Raum genauso wie ländliche Regionen unter die Lupe

„Mut zur Schönheit“ heißt das Mittwoch erscheinende Buch von „Zeit im Bild“-Moderator Tarek Leitner, in dem der Linzer gegen die Verschandelung Österreichs wettert.

Was lassen wir uns an Hässlichkeiten in unserer Umgebung alles gefallen? Der Linzer entfacht mit seinem Buch „Mut zur Schönheit“ eine Diskussion über unseren achtlosen Umgang mit der Ressource Landschaft.

 

Was gab den Anstoß zu Ihrem Buch?

Der Anstoß war die Beobachtung, dass die Umgebung von Mal zu Mal hässlicher wird, weil immer eine Scheußlichkeit dazugekommen ist. Wo ich auf der Westautobahn früher das erste Mal einen Blick auf den Traunstein hatte, sehe ich jetzt das XXXLutz-Zentrallager.

Sie sind ja in Linz geboren: Wie passt diese Stadt in Ihre Überlegungen?

Wie jede andere Stadt. In einer Stadt kann man Verschiedenes isolieren, weil vieles schön ist. Auf dem flachen Land ist das schwieriger: Da kann ein Tropfen Hässlichkeit das ganze Gefäß der weiten Landschaft zerstören.

Wie kann sich der Einzelne gegen Verschandelung wehren?

Wir müssen jetzt, in diesem Moment erkennen, dass ein Zeitpunkt erreicht ist, an dem das ganze System kippen kann. Das zu sehen, ist schon ein wichtiger Schritt.

Kann man die Verschandelung überhaupt noch rückgängig machen?

In weiten Teilen nicht. Aber man kann – wie zu jedem Zeitpunkt im Leben – umkehren. Wir haben die Möglichkeit, in Qualität zu investieren und nicht in das Billigste, was möglich ist. Wir müssen gestalterischen Willen an den Tag legen. Im Urlaub wollen wir es schön haben. Warum nicht auch in der restlichen Zeit des Jahres?

Wir machen Zugeständnisse, damit alles praktisch wird. Wobei sollten wir keine Kompromisse schließen?

Wir lassen uns Schönheit um ein paar Cent abkaufen. Statt dessen sollten wir uns überlegen, ob die paar Cent, die wir uns ersparen, nicht unverhältnismäßig wenig von Vorteil sind. Ich führe keinen Kampf gegen den Individualverkehr. Aber es muss nicht an jeder Umfahrungsstraße der gleiche Diskontmarkt stehen. Mit einem Parkplatz, der so groß ist, dass das ganze Dorf von einem zum nächsten Diskonter ziehen kann.

Ist es nicht zynisch, auf Schönheit zu pochen, wenn die einen sich kaum das tägliche Leben leisten können und die anderen – behinderte Menschen oder Senioren – auf Barrierefreiheit angewiesen sind?

Eine Rampe ist mir noch nie negativ ins Auge gestochen. Wenn ein Lift eingebaut wird, dann muss dabei zum Beispiel ja nicht das Jugendstil-Stiegenhaus zerstört werden, müssen nicht Baumarkt-Fliesen gelegt werden.

Sie schreiben von der Philosophie der Ingenieure – dass alles möglichst praktikabel gemacht wird. Gibt es Alternativen?

Das könnte der Wunsch nach einer geglückten Lebensbühne sein. Die Philosophie der Ingenieure darf nicht die Überhand gewinnen.

Kennen Sie eine Region, der Verschandelung erspart geblieben ist?

Ich kenne viele solche Plätze. Doch sie sind nur noch mit dem Teleobjektiv auszumachen, um sie zu sehen, müssen wir Scheuklappen anlegen.

Hat Verschandelung etwas mit Demokratie zu tun: dass alle mitreden können?

Schönheit hat ein bisschen mit Diktatur zu tun. Aber nicht nur ein Kaiser kann eine Prachtstraße bauen. Wir haben die große Chance, den Willensbildungsprozess mit Qualität zu verbinden.

Sie haben zwei Töchter. Was versuchen Sie ihnen zu vermitteln?

Mit offenen Augen durch das Leben zu gehen, zu beobachten, was an unsichtbaren – Politik, Wirtschaft – und sichtbaren Dingen geschieht.

 

Buchtipp: Tarek Leitner: Mut zur Schönheit, Christian-Brandstätter-Verlag, 208 Seiten, 22,50 Euro

Pro & Contra: Mehr Mut zur Schönheit

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