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Kultur

„Imperium muss auseinanderbrechen“

15. Oktober 2012 00:04 Uhr

„Imperium muss auseinanderbrechen“
Liao Yiwu mit der seelenverwandten Nobelpreisträgerin Herta Müller

Frankfurter Buchmesse: Autor und Friedenspreisträger Liao Yiwu rechnete mit China und dem Westen ab, Publikumstage bescherten der weltweit größten Bücherschau leichtes Plus.

Für sein mutiges Aufbegehren gegen die politische Unterdrückung in China ist der chinesische Autor Liao Yiwu gestern zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse mit dem renommierten Friedenspreis des Deutschen Buchhandels (Dotation: 25.000 Euro) ausgezeichnet worden. Liao, der nach sieben Jahren Haft in China im Exil in Berlin lebt, rechnete in seinen Dankesworten mit dem Regime seines Heimatlandes ab – und mit dem Westen. „Dieses Imperium muss auseinanderbrechen“, sagte er mehrfach auf Deutsch in seiner ansonsten auf Chinesisch gehaltenen Rede.

Allein ein Ende des „diktatorischen chinesischen Großreichs“ bringe den Menschen in China und den unterdrückten Minderheiten wie den Tibetern oder Uiguren Freiheit und Demokratie.

Zugleich griff Liao, der 2011 aus China geflüchtet war, den Westen an: „Unter dem Deckmantel des freien Handels machen westliche Konsortien mit den Henkern gemeinsame Sache, sie häufen Dreck an.“ Außerdem sei es ein Irrtum zu glauben, dass der wirtschaftliche Aufschwung Chinas zu politischen Reformen führen werde, sagte Liao. „Das Wertesystem des chinesischen Imperiums ist längst in sich kollabiert und wird nur noch vom Profitdenken zusammengehalten.“ Die globalisierte freie Welt werde sich ausweglos in den „üblen (chinesischen) Fesseln des Profits“ verheddern. Liao beendete seine Dankesrede mit einem bewegenden Klagelied im Gedenken an die Mütter, die beim Massaker am 4. Juni 1989 in Peking ihre Kinder verloren hatten.

Ansturm privater Bücherfans

Der Zerfall Chinas ist nicht absehbar, sehr wohl dagegen der grundlegende Strukturwandel im Büchergeschäft, obwohl bei der 64. Buchmesse auf rund neun Zehntel der Ausstellungsfläche von 170.000 Quadratmetern herkömmliche Bücher angeboten wurden. Der Umsatz des deutschen Buchmarktes 2012 ging von Jänner bis September um zwei Prozent zurück (im krisengeschüttelten Spanien betrug das Minus 25 Prozent), der Umsatzanteil des stationären Handels fiel 2011 erstmals unter die 50-Prozent-Marke. „Self publishing“-Anbieter wie Bookrix.de oder das vom Verlag Droemer eingeführte neobooks.com („E-books erstellen und Autor werden“) hatten in den Hallen enormen Zulauf. Das amerikanische Bookrix-Vorbild Smashwords brachte es 2012 auf rund 70.000 E-Book-Veröffentlichungen, von denen es vier auf die Bestsellerliste der New York Times geschafft haben. Nach einem Minus von 1,6 Prozent an Fachbesuchern bilanzierte die Buchmesse dank des Ansturms von privaten Bücherfans doch noch mit einem Plus von 0,6 Prozent: insgesamt 282.000 Besucher.

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