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Wirtschaft

Reiniger polieren ihr Image auf

Von Elisabeth Prechtl  26. September 2020 00:04 Uhr

Reiniger polieren ihr Image auf
Der Frauenanteil in der Reinigungsbranche liegt bei rund 75 Prozent. Viele der Mitarbeiterinnen arbeiten Teilzeit.

Reinigungskräfte verrichten ihre Arbeit oft ungesehen zu Tagesrandzeiten, was manche Firmenchefs ändern wollen. Covid-19 hat die Reinigungsarbeit aufgewertet. Viele Unternehmen kämpfen mit Umsatzeinbrüchen.

"Ich vergleiche uns gerne mit Fußballtrainern: Alle glauben, sie können diesen Beruf. Und mit unserer Branche ist es genauso", sagt Ursula Krepp. Sie ist die Landesinnungsmeisterin der Chemischen Gewerbe, Denkmal-, Fassaden- und Gebäudereiniger und zudem Geschäftsführerin von "Service Team" in Linz. Dabei würden an die Reinigungskräfte immer höhere Anforderungen gestellt: "Wer die Lehre zum Reinigungstechniker absolviert, muss beispielsweise 200 verschiedene Oberflächen und die dafür geeigneten Reinigungsmittel kennen und lernen, die Reinigungsmaschinen zu bedienen." In einem Krankenhaus sei die Herangehensweise ganz anders als in einem Industriebetrieb.

53.000 Mitarbeiter sind in Österreich in der Reinigungsbranche tätig (Details dazu im Infokasten). Ihre Arbeit hat durch die Covid-19-Krise eine Aufwertung erfahren: "Auch wir gehören zu den Systemerhaltern", sagt Wenzel Schmidt, Chef der Schmidt Holding. Das Unternehmen "Schmidt Saubere Arbeit" mit Sitz in Ried/Innkreis ist laut eigenen Angaben der größte private Reinigungs-Dienstleister in Oberösterreich mit mehr als 1000 Mitarbeitern.

Obwohl manche Bereiche, etwa Krankenhäuser, seit Ausbruch der Krise häufiger und genauer gereinigt werden, sind auch die Reinigungsbetriebe mit teils massiven Umsatzeinbrüchen konfrontiert: "Im März und April lag das Minus im Schnitt bei 40 Prozent", sagt Krepp. Abhängig davon, in welchen Bereichen die Reinigungsbetriebe tätig sind, seien die Einbrüche zum Teil aber noch größer gewesen. "In manchen Betrieben waren die meisten Mitarbeiter im Homeoffice, da wurde nur das Notwendigste gemacht", sagt Krepp.

Personal ist oft schwierig zu finden

Schmidt Saubere Arbeit macht 60 Prozent seines Umsatzes im Hygienebereich. Während es in Krankenhäusern und Altenheimen viel zu tun gab, hatten Thermen und Rehakliniken wochenlang geschlossen.

Trotz hoher Anforderungen bei der Ausbildung und Systemrelevanz steht es um das Image der Reinigungsbranche nicht zum Besten: Dieses soll nun aufpoliert werden. "Wir alle wollen es sauber haben, aber diese Arbeit muss auch jemand tun", sagt Wenzel Schmidt. Das Personal sei das wichtigste Kapital. Für Großobjekte, etwa Krankenhäuser, finde man einfacher Personal. Gerade für kleinere Objekte auf dem Land, wo die Leute auch einen Führerschein brauchen, sei die Suche oft schwierig. Daher sei auch eine Auf

wertung beim Gehalt unumgänglich, sagt Schmidt.

Ein zweiter Punkt sei die Sichtbarkeit der Arbeit, sagt Schmidt: In der Branche seien viele Frauen tätig, die am liebsten am Vormittag arbeiten, um am Nachmittag ihre Kinder zu betreuen. Müsse ein Büro am Abend gereinigt werden, sei das schon schwierig. "Der Anspruch muss die Reinigung am Tag sein." In den skandinavischen Ländern sei dies bereits Usus, und dort habe die Branche auch einen ganz anderen Stellenwert. Das sieht Krepp anders: Gerade die Vormittagsstellen seien häufig schwer zu besetzen. Viele Mitarbeiterinnen würden die Arbeit am späten Nachmittag und am Abend schätzen.

Laut Ursula Krepp sind rund 75 Prozent der Mitarbeiter Frauen. Viele von ihnen arbeiten Teilzeit, einige starten mit schlechten Sprachkenntnissen. In der Bundesinnung habe man deshalb eine Deutsch-Lern-App für die Mitarbeiter entwickelt. "Für viele Frauen sind wir der Einstieg ins Berufsleben", sagt sie.

Reinigung in lichten Höhen und engen Tiefen

Generell habe sich in der Branche in den vergangen Jahren viel getan: So gebe es etwa eine ÖNorm mit einer Höchstgrenze für die Quadratmeter, die ein Mitarbeiter pro Stunde reinigt. Das sei gut, sagt Wenzel Schmidt, der sich aber noch mehr Kontrolle wünscht.

Immer mehr Kunden achten laut Krepp bei der Ausschreibung eines Auftrags darauf, welche Zertifizierungen ein Reinigungsunternehmen hat: Solche stellt etwa TÜV Österreich aus. TÜV prüft etwa die Arbeitssicherheit, und ob korrekt gezahlt wird. Sechs oberösterreichische Firmen lassen sich freiwillig vom TÜV prüfen.

Auf eine ganz spezielle Art der Gebäudereinigung hat sich das Bauunternehmen Redl aus Linz spezialisiert: 30 Industriekletterer führen neben Spengler- und Schlosserarbeiten auch Spezialreinigungen von Objekt- und Fassadenflächen aus. Bei der Planung werde vielfach nicht darauf geachtet, wie bestimmte Bereiche, etwa Glaskuppeln, gereinigt werden können, sagt Bereichsleiter Gerold Gassner.

Die Mitarbeiter arbeiten im Seil, ohne Gerüst, Steighilfen und Kräne. Neben der Betreuung zeitgenössischer Bauten werde die Reinigung und Sanierung von Kirchen, Schlössern, Burgen und Stiften nachgefragt.

Zahlen für OÖ

222 Gebäudereinigungsbetriebe gibt es in Oberösterreich. 896 bieten Hausbetreuung und Gebäudereinigung an. 8000 Mitarbeiter sind beschäftigt (21 Lehrlinge). Die Lehrlingsentschädigung liegt im ersten Lehrjahr bei 780 Euro brutto. Eine Hilfskraft bekommt 1598, ein ausgebildeter Reinigungstechniker 1950 Euro brutto.

 

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Elisabeth Prechtl

Redakteurin Wirtschaft

Elisabeth Prechtl
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