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Wirtschaft

Österreicher kaufen weniger ein, essen lieber außer Haus

14. März 2019

Seit 25 Jahren zeichnen österreichische Haushalte ihre Einkäufe für die rollierende Agrarmarktanalyse RollAMA auf, aktuell sind es 2.800. Das Ergebnis: Convenience und Bio liegen im Trend. Österreicher kaufen weniger ein, dafür ist der Außer-Haus-Verzehr gestiegen.

Immer mehr Menschen, vor allem Frauen, sind berufstätig. Zeit ist ein knappes Gut geworden, und das allgemeine Gesundheitsbewusstsein steigt. Das alles spiegelt sich im Einkaufsverhalten der Österreicher bei Lebensmitteln wider, hat ein Langzeit-Vergleich der Agrarmarkt Austria (AMA) ergeben. Demnach wird weniger zu Hause gekocht als vor 15 Jahren, der Außer-Haus-Verzehr steigt.

Die Menge der eingekauften Lebensmittel ist daher rückläufig. Vor 15 Jahren karrten die Konsumenten noch mehr als zwei Millionen Tonnen Lebensmittel im Jahr vom Supermarkt nach Hause. Heute sind es – trotz einer Dichte an Supermärkten, wie sie in Europa ihresgleichen sucht – nur noch 1,7 Millionen Tonnen. Vor zehn Jahren ging eine Familie im Jahr 145 Mal einkaufen. Heute spart sie sich die Einkäufe unter der Woche und verlagert sie in Richtung Wochenende, sodass ein Haushalt nur noch 129 Mal im Jahr einen Lebensmitteleinkauf tätigt.

 

Frischmilch fast verdrängt

Die Verteilung zwischen den Warengruppen ist über die Jahre interessanterweise relativ konstant geblieben. Nach wie vor machen Obst und Gemüse den Löwenanteil (bei der Menge) aus, gefolgt von Molkereiprodukten.

Fleisch ist immer noch die umsatzstärkste Warengruppe beim Supermarkteinkauf. 2012 outeten sich 81 Prozent der Österreicher als Fleischesser, 2018 waren es 78. Der Vegetarier- und Veganer-Anteil (vier bzw. zwei Prozent) ist immer noch verschwindend gering. 16 Prozent bekennen sich als "Flexitarier" zu gelegentlichem Fleischkonsum.

Fertiggerichte haben stark zugelegt. 2003 wanderten diese "bequemen" Produkte im Wert von 358 Millionen Euro in das Einkaufswagerl, 2018 war es mit 630 Millionen Euro fast doppelt so viel.

"Kochkünste haben abgenommen"

Ein gutes Beispiel dafür ist die Beliebtheit von geputztem Salat sowie zerkleinerten und marinierten Fleischteilen und abgepackten Wurstwaren. Auch die Einführung der Länger-haltbar-Milch 2002 war ein Siegeszug der Bequemlichkeit ("Convenience"). Sie hat die klassische Frischmilch fast vollständig aus dem Regal verdrängt. Nur noch 18 Prozent der Milchmenge ist frisch, 59 Prozent sind als "extended shelf life" (ESL) bis zu drei Wochen haltbar.

"Die Kochkünste haben abgenommen, insofern wird der Trend zu Convenience weitergehen", sagte Micaela Schantl, Leiterin der AMA-Marktforschung.

Auffallend ist auch der Griff der Konsumenten zu Bio-Lebensmitteln und regional hergestellten Artikeln. Das sei Ausdruck einer veränderten Wertehaltung, auch in Richtung Genuss und Premium-Artikel, sagte Johannes Mayr, Geschäftsführer der keyquest Marktforschung aus Garsten. Der Bio-Anteil im Lebensmitteleinkauf hat sich binnen zwanzig Jahren von drei auf neun Prozent erhöht, Tendenz weiter steigend.

Premium-Steak gefragt

Der Fleischeinkauf ist von 39 Kilogramm je Haushalt im Jahr 2003 auf 34 Kilogramm 2018 zurückgegangen. Auffallend ist der Trend weg vom Schwein, hin zum Huhn und zu Premium-Stückerln. Schantl: "Fürs Wochenende ist ein ordentliches Steak am Teller gefragt. Damit ist der Fleischhunger wieder für eine Woche gestillt." Immer noch ein Viertel der Lebensmittel werden "in Aktion" gekauft. Dennoch sei die Geiz-ist-geil-Mentalität nicht mehr so stark wie früher, so Schantl. (uru)

 

Grafik: Die Trends im Lebensmittelhandel

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